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Tauziehen: Die Fed leitet ihren Zinserhöhungszyklus ein, da die Inflation die Ungewissheit überwiegt

In der Sitzung vom März hob die US-Notenbank ihren Leitzins an und signalisierte weitere Erhöhungen aufgrund der Risiken einer hohen Inflation.

Wie weithin erwartet, hob die US-Notenbank Fed ihren Leitzins bei der März-Sitzung um 25 Basispunkte (Bp) an und betonte mit Nachdruck, dass angesichts der angespannten Lage am Arbeitsmarkt und der steigenden Inflation weitere Erhöhungen bevorstünden. Außerdem veröffentlichten die amerikanischen Notenbanker eine neue Zusammenfassung ihrer Konjunkturprognosen (SEP), die beträchtliche Aufwärtskorrekturen des Inflationsausblicks und demgemäß ein erhebliches Vorziehen weiterer Zinserhöhungen in die Jahre 2022 und 2023 beinhaltet.

Durch den Kriegsausbruch in Europa wurde die schwierige Gratwanderung der Währungshüter, die unsicheren Wachstumsaussichten gegen einen weiteren Inflationsschub abzuwägen, zusätzlich erschwert. Gleichwohl signalisierte die Fed, dass ihrr Meinung nach die Risiken der Inflation die Abwärtsrisiken für das Wachstum überwiegen; daher erwarten wir, dass sie auf Kurs in Richtung höherer Zinsen und einer geringeren Bilanzsumme bleibt. Um sie von ihrem Zinserhöhungspfad abzubringen, müsste sich die Konjunktur wohl massiv abkühlen und eine Marktstörung auftreten – denn ein stärkerer und breiter gefasster Preisauftrieb erhöht das Risiko, dass die Inflationserwartungen außer Rand und Band geraten. Doch während die gestiegenen Inflationsrisiken eine restriktivere Haltung der Geldpolitik rechtfertigen, dürften sich raschere Zinserhöhungen über die Jahre hinweg belastend auf das Wachstum auswirken, da sich die Finanzlage damit abrupter strafft.

Restriktiver Tonfall ebnet Weg für weitere Straffungen

Neben der erwarteten Zinserhöhung vermittelte der geldpolitische Ausschuss in seiner Stellungnahme vom März sowie in seinen Konjunkturprognosen eine insgesamt restriktive Haltung – ebenso wie Notenbankchef Jerome Powell auf seiner Pressekonferenz –, und zwar durch mehrere einschneidende Änderungen. Erstens wurde in der Stellungnahme eine Aussage zum künftigen Zinskurs getroffen: So sei nun „fortlaufend mit weiteren Erhöhungen“ des US-Leitzinses sowie mit einer Verschlankung der Bilanz zu rechnen. Zweitens passten die Währungshüter ihre Konjunkturprognosen im März gegenüber der vorangegangenen Veröffentlichung vom Dezember 2021 maßgeblich an. Da die US-Inflation die Konsenserwartung merklich übertraf – insbesondere im Januar – und ein zusätzlicher Inflationsimpuls vom Krieg in Europa ausging, sahen sich die Fed-Vertreter veranlasst, ihre Inflationsprognosen für 2022 um mehr als einen Prozentpunkt anzuheben. Des Weiteren wurde ein moderaterer Inflationsrückgang für die Jahre 2023 und 2024 prognostiziert – mit Teuerungsraten, die das Notenbankziel von zwei Prozent über den Prognosehorizont hinweg deutlich überschreiten. (Das bevorzugte Inflationsbarometer der Fed ist der PCE, der die persönlichen Konsumausgaben ohne Berücksichtigung von Lebensmitteln und Energie misst.)

Da über den Prognosehorizont nicht länger mit einer Rückkehr der Inflation zur Zielmarke zu rechnen ist und der Inflationsdruck in den Augen der Notenbanker breiter verankert ist, wurde die Zinsprognose deutlich nach oben korrigiert. So gehen die meisten Fed-Beamten mittlerweile davon aus, dass der Leitzins den neutralen Zinssatz zum Ende des kommenden Jahres überschreitet. Aktuell liegt die Medianprognose für die Fed Funds Rate zum Jahresende 2022 bei 1,875 Prozent (verglichen mit einer Prognose von 0,875 Prozent im Dezember) sowie bei 2,750 Prozent per Ende 2023 (verglichen mit bislang 1,625 Prozent). Wichtig ist, dass die meisten Ratsmitglieder gemäß ihrem Punktdiagramm zur Zinsprognose davon ausgehen, dass das Zinsniveau etwas über ihrer mittleren Schätzung des neutralen Niveaus bei 2,4 Prozent rangieren wird – ein Zeichen dafür, dass die Politik in ihren Augen zumindest ein wenig restriktiv sein sollte, damit sich die Inflation wieder der Zielmarke nähert.

Auf der Pressekonferenz erläuterte Fed-Chef Powell die Hintergründe dieser restriktiven Prognosen und war gleichzeitig darauf bedacht, sich die Möglichkeit offen zu halten, den Kurs in den kommenden Wochen und Monaten bei Bedarf anzupassen. So ließ der Notenbankvorsitzende – ähnlich wie bei seinen bisherigen Äußerungen im laufenden Jahr – die Option umfangreicherer Zinserhöhungen abermals bestehen.

Verschlankung der Bilanz

Nach dem Auslaufen des Programms zum Aufkauf von Vermögenswerten zu Beginn des Monats bestätigte Powell unsere Erwartung, dass auf einer der nächsten beiden Sitzungen ein vorzeitiger und rascherer Bilanzabbau im Verhältnis zum vorangegangenen Zyklus angekündigt werden dürfte. Eine geringere Bilanzsumme würde ebenfalls einen Beitrag zur geldpolitischen Straffung in diesem Jahr leisten – wie der Fed-Chef andeutete, setzen viele Ratsmitglieder eine Bilanzverkürzung einer weiteren Zinserhöhung gleich.

Risiken für den Ausblick

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass die höhere Inflation und die Bedenken hinsichtlich der Inflationserwartungen die US-Notenbanker in den kommenden Monaten stärker beschäftigen werden als die Abwärtsrisiken für das Wachstum. Entsprechend halten wir an unserer Basisprognose fest, dass auf mehreren aufeinanderfolgenden Notenbanksitzungen Zinserhöhungen beschlossen werden und die Politik im Lauf des Jahres wesentlich restriktiver wird. Diese raschere Straffung erhöht das Risiko einer harten Landung zu einem späteren Zeitpunkt und legt nahe, dass das Risiko einer Rezession in den nächsten zwei Jahren zunimmt.

Weitere Einschätzungen zu unserem Inflationsausblick und dessen Anlageimplikationen finden Sie auf unserer Website „Inflation und Zinssätze“.

Allison Boxer ist Volkswirtin und verfasst regelmäßige Beiträge für den PIMCO-Blog.

Autor

Allison Boxer

Economist

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