Anlegen verstehen

Was Sie über Anleihen wissen müssen

Der Anleihenmarkt ist bei Weitem der größte Wertpapiermarkt auf der Welt und bietet Anlegern nahezu unbeschränkte Anlagemöglichkeiten. Doch während sich viele Anleger einiger Aspekte des Markts bewusst sind, stellt es selbst für Anleihenexperten eine Herausforderung dar, über die wachsende Anzahl neuer Produkte auf dem Laufenden zu bleiben. Galt der Anleihenmarkt einst als Mittel zur Generierung von Zinseinkommen bei gleichzeitigem Kapitalerhalt, so ist er weltweit inzwischen auf 100 Billionen US-Dollar angewachsen und birgt zahlreiche potenzielle Vorteile für Anlageportfolios, wie attraktive Renditen. Bevor wir uns mit der Komplexität dieses umfangreichen und vielfältigen Markts befassen, gilt es jedoch zunächst, seine Grundlagen zu verstehen: Was ist eine Anleihe und wie können Anleihen Sie bei der Erreichung Ihrer Anlageziele unterstützen?

Was macht eine anleihe zu einer anleihe?

Eine Anleihe ist ein Darlehen eines Anleihenkäufers bzw. Anleihengläubigers an einen Anleihenemittenten. Regierungen, Unternehmen und Kommunen platzieren Anleihen, wenn sie finanzielle Mittel benötigen. Ein Anleger, der eine Staatsanleihe kauft, leiht der Regierung somit Geld, während ein Anleger, der eine Unternehmensanleihe kauft, entsprechend dem Unternehmen Geld leiht. Ähnlich einem Darlehen gehen Anleihen mit periodischen Zinszahlungen einher und zahlen das Anlagekapital zu einem vorgegebenen Zeitpunkt zurück, der als Fälligkeit bezeichnet wird.

Nehmen wir einmal an, ein Unternehmen wolle ein neues Produktionswerk im Wert von 1 Million Euro bauen und entscheide sich für die Emission einer Anleihe, um die Bauarbeiten zu finanzieren. So könnte das Unternehmen beispielsweise 1.000 Anleihen zu je 1.000 Euro an die Anleger verkaufen. In diesem Fall betrüge der „Nennwert“ jeder Anleihe 1.000 Euro. Das Unternehmen – das im Folgenden als Anleihenemittent bezeichnet wird –, legt einen jährlichen Zinssatz fest, der Kupon genannt wird, sowie einen Zeitrahmen, innerhalb dessen das Anlagekapital, bzw. die 1 Million Euro, zurückgezahlt werden. Bei der Festlegung des Kupons berücksichtigt der Emittent das herrschende Zinsumfeld, um sicherzugehen, dass der Kupon konkurrenzfähig mit jenen vergleichbarer Anleihen und somit attraktiv für die Anleger ist. Entscheidet der Emittent sich für eine Platzierung fünfjähriger Anleihen mit einem jährlichen Kupon von 5 %, so hätte die Anleihe nach Ablauf von fünf Jahren ihr Fälligkeitsdatum erreicht und das Unternehmen würde jedem Anleihenhalter den Nominalwert von 1.000 Euro zurückzahlen.

Wie lang der Zeitraum bis zur Fälligkeit einer Anleihe ist, kann von großer Bedeutung für die Höhe der Risiken sowie der potenziellen Renditen sein, mit denen ein Anleger rechnen kann. So wird eine Anleihe im Wert von 1 Million Euro, die innerhalb von fünf Jahren zurückgezahlt wird, im Allgemeinen als risikoärmer erachtet als dieselbe Anleihe, die über einen Zeitraum von 30 Jahren zurückgezahlt wird. Schließlich können über einen Zeitraum von 30 Jahren anstelle von fünf Jahren viel mehr Faktoren einen negativen Einfluss auf die Fähigkeit des Emittenten ausüben, die Anleihengläubiger zurückzuzahlen. Das zusätzliche Risiko, mit dem Anleihen längerer Laufzeit behaftet sind, steht in direktem Zusammenhang mit dem Zinssatz, oder Kupon, den ein Emittent für die Anleihe zahlen muss. Mit anderen Worten wird ein Emittent einen höheren Zinssatz für eine langfristige Anleihe entrichten. Dementsprechend dürfte ein Anleger, der langlaufende Anleihen hält, höhere Renditen erzielen, im Gegenzug für diese Rendite nimmt er jedoch zusätzliche Risiken in Kauf.

Zudem birgt jede Anleihe ein gewisses Risiko, dass es zu „Zahlungsausfällen“ des Emittenten kommen oder dieser das Darlehen nicht in vollem Umfang zurückzahlen kann. Das Ausfall- bzw. Kreditrisiko eines Anleiheemittenten wird durch unabhängige Ratingagenturen beurteilt; diese veröffentlichen Credit-Ratings, die Anleger bei der Beurteilung der Risiken unterstützen und sich darüber hinaus zur Bestimmung der Zinssätze einzelner Anleihen heranziehen lassen. Ein Emittent mit einem guten Credit-Rating wird dementsprechend geringere Zinszahlungen leisten als ein Emittent mit schlechterem Rating. Auch hierbei gilt, dass Anleger durch den Erwerb von Anleihen mit niedrigen Ratings potenziell höhere Renditen erzielen können, im Gegenzug dafür müssen sie jedoch das höhere Ausfallrisiko des Emittenten in Kauf nehmen.

Wie wird der preis (kurs) einer anleihe am offenen markt bestimmt?

Nach ihrer Emission können Anleihen am „Sekundärmarkt“ gekauft und verkauft werden. Während einige Anleihen öffentlich an Börsen gehandelt werden, geht der größte Anteil der Transaktionen in Form von OTCGeschäften („over the counter“) zwischen großen Broker-Dealern vonstatten, die in eigenem Interesse oder im Interesse ihrer Kunden handeln.

Für den Wert einer Anleihe am Sekundärmarkt sind Kurs und Rendite ausschlaggebend. Dabei beschreibt der Kurs einer Anleihe den Preis, zu dem sie gekauft und verkauft werden kann (siehe „Wie kommen die Kurse an den Anleihenmärkten zustande?“), während ihre Rendite dem jährlichen Ertrag entspricht, mit dem ein Anleger rechnen kann, wenn er die Anleihe bis zu ihrem Fälligkeitsdatum hält. Die Rendite ergibt sich demnach aus dem Kaufpreis sowie dem Kupon der Anleihe.

Wie das Schaubild verdeutlicht, verhält sich der Kurs einer Anleihe immer entgegengesetzt zu ihrer Rendite. Der Schlüssel, um diesen entscheidenden Aspekt des Anleihenmarkts zu verstehen, liegt in der Einsicht, dass der Anleihenkurs den Wert des Einkommens reflektiert, das durch die regelmäßigen Kuponzahlungen generiert wird. Fällt das Zinsniveau – insbesondere die Zinssätze der Staatsanleihen – erhöht sich der Wert von älteren Anleihen aller Art, da sie in einem Umfeld höherer Zinsen veräußert wurden und demnach höhere Kuponzahlungen leisten. Aus diesem Grund können Anleger, die sich im Besitz von älteren Anleihen befinden, eine „Prämie“ berechnen, wenn sie diese am Sekundärmarkt verkaufen. Bei steigenden Zinsen können ältere Anleihen hingegen an Wert verlieren, da ihre Kuponzahlungen verhältnismäßig gering sind und sie dementsprechend mit einem „Abschlag“ gehandelt werden.

Wie kommen die kurse an den anleihenmärkten zustande?

Auf dem Markt wird der Kurs einer Anleihe als Prozentsatz ihres Nennwerts angegeben. Der einfachste Weg, die Anleihenkurse zu begreifen, besteht darin, dem angegebenen Marktpreis eine null hinzuzufügen. Wird eine Anleihe am Markt beispielsweise mit 99 beschrieben, liegt der Preis für einen Nominalwert von 1.000 Euro bei 990 Euro und die Anleihe wird entsprechend zu einem Abschlag gehandelt. Wird die Anleihe zu 101 gehandelt, liegen die Kosten für einen Nominalwert von 1.000 Euro bei 1.010 Euro und die Anleihe wird mit einer Prämie gehandelt. Wird die Anleihe zu 100 gehandelt, sind für 1.000 Euro Nennwert entsprechend 1.000 Euro zu entrichten und man spricht von einem Handel zum Nennwert. Ein weiterer gängiger Begriff zur Beschreibung des Nennwerts ist der „Pariwert“. Die meisten Anleihen werden zu einem Wert begeben, der geringfügig unterhalb ihres Pariwerts liegt, und können am Sekundärmarkt anschließend zu einem Preis ober- oder unterhalb des Pariwerts gehandelt werden, je nach Zinssatz, Anleihentyp oder anderen Faktoren.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies: Steigt das Zinsniveau, so werden neu begebene Anleihen den Anlegern höhere Zinszahlungen erbringen als alte Anleihen, bei denen es üblicherweise zu einem Preisverfall kommt. Fallende Zinssätze bedeuten hingegen, dass ältere Anleihen höhere Zinsen erbringen als neue und demnach meist mit einer Prämie am Markt gehandelt werden.

Auf kurze Sicht kann ein fallendes Zinsniveau den Wert der in einem Portfolio gehaltenen Anleihen erhöhen, während steigende Zinssätze sich negativ auf ihren Wert auswirken können. Auf lange Sicht kann sich die Rendite eines Anleihenportfolios durch einen Zinsanstieg jedoch auch erhöhen, da das Anlagevermögen der fälligen Anleihen in höher rentierliche Anleihen reinvestiert wird. Umgekehrt wird das Anlagekapital fälliger Anleihen in einem Umfeld sinkender Zinsen möglicherweise in neue Anleihen reinvestiert, die mit geringeren Zinszahlungen einhergehen und die längerfristigen Erträge somit verringern können.

Messung des anleihenrisikos: was beschreibt die duration?

Die inverse Relation zwischen Kurs und Rendite ist von grundlegender Bedeutung, um den Wert einer Anleihe zu begreifen. Ein weiterer Schlüsselfaktor ist die Kenntnis der Bewegung, die der Kurs einer Anleihe bei Zinsveränderungen vollziehen wird.

Um einschätzen zu können, wie empfindlich der Kurs einer bestimmten Anleihe auf Zinsbewegungen reagiert, bedient sich der Anleihenmarkt einer Kennzahl, die als Duration bezeichnet wird. Die Duration beschreibt den gewichteten Durchschnitt des Gegenwartswerts sämtlicher Cashflows einer Anleihe, darunter eine Serie regulärer Kuponzahlungen, gefolgt von einer wesentlich höheren Zahlung zum Laufzeitende, wenn die Anleihe fällig wird und der Nennwert zurückbezahlt wird. Dies wird im folgenden Schaubild demonstriert.

Ähnlich der Laufzeit wird auch die Duration einer Anleihe in Jahren ausgedrückt; wie das Schaubild erkennen lässt, ist diese üblicherweise jedoch kürzer als die Laufzeit. Die Duration wird durch die Höhe der regulären Kuponzahlungen sowie durch den Nennwert einer Anleihe beeinträchtigt. Bei einer Nullkupon- Anleihe sind Duration und Laufzeit ein und dasselbe, da es keine regulären Kuponzahlungen gibt und sämtliche Cashflows zum Fälligkeitstermin erfolgen. Aufgrund dieser Eigenschaft vollziehen Nullkupon-Anleihen bei Änderungen der Zinssätze im Allgemeinen die stärksten Preisbewegungen, was sie attraktiv für Anleger machen kann, die mit einem sinkenden Zinsniveau rechnen.

Durch die Berechnung der Duration, die von Anleihe zu Anleihe unterschiedlich ist, wird den Anlegern ein Risikomaß an die Hand gegeben, das ihnen einen Eins-zu-Eins-Vergleich von Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten, Kupons und Nennwerte ermöglicht. Die Duration beschreibt die ungefähre Veränderung eines Anleihenkurses bei einer Zinsänderung von 100 Basispunkten (einem Prozentpunkt). Nehmen wir beispielsweise einmal an, das Zinsniveau sinke um 1 % und die Renditen sämtlicher Anleihen am Markt gingen infolgedessen um denselben Betrag zurück. In diesem Fall würde der Kurs einer Anleihe mit einer Duration von zwei Jahren um 2 % ansteigen und der Kurs einer Anleihe mit fünfjähriger Duration um 5 %.

Basierend auf den Durationen der einzelnen Anleihen, die in einem Portfolio gehalten werden, lässt sich auch die gewichtete Durchschnittsduration des gesamten Anleihenportfolios berechnen.

Welche rolle übernehmen anleihen in einem portfolio?

Seit die Regierungen im frühen 20. Jahrhundert mit der häufigeren Platzierung von Anleihen begannen und somit zur Entstehung der modernen Anleihenmärkte beitrugen, haben sich Anleger aus unterschiedlichen Gründen für einen Erwerb von Anleihen entschieden: zum Kapitalerhalt, zur Einkommensgenerierung, zur Diversifizierung sowie als Absicherung gegen eine mögliche Konjunkturschwäche oder Deflation. Infolge der zunehmenden Größe und Vielfalt des Anleihenmarkts unterlagen die Anleihen in den 1970er und 1980er-Jahren zunehmend stärkeren und häufigeren Kursschwankungen. Aus diesem Grund nahmen zahlreiche Anleger den Handel mit Anleihen auf, um sich einen weiteren möglichen Vorteil zunutze zu machen: die Kurssteigerung bzw. den Kapitalzuwachs. Heutzutage entscheiden sich Anleger aus einem oder mehrerer dieser Gründe für einen Anleihenkauf.

Kapitalerhalt: Im Gegensatz zu Aktien ist die Rückzahlung des Anlagevermögens bei Anleihen auf ein bestimmtes Datum bzw. einen Fälligkeitstermin festgelegt. Dies macht Anleihen zu einem attraktiven Anlageinstrument für Anleger, die nicht bereit sind, einen Verlust ihres Anlagevermögens zu riskieren, sowie für Anleger, die zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt Verbindlichkeiten nachkommen müssen. Ein zusätzlicher Vorteil der Anleihen besteht darin, dass sie mit fixen Zinszahlungen einhergehen, die meist oberhalb der kurzfristigen Sparzinsen liegen.

Einkommensgenerierung: Die meisten Anleihen sind „fest“ verzinslich. Nach einem festgelegten Zeitplan – ob vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich – erhält der Anleihengläubiger somit Zinszahlungen des Anleihenemittenten, die er sich auszahlen lassen oder in weitere Anleihen reinvestieren kann. Auch Aktien können anhand von Dividendenzahlungen Einkommen generieren, diese sind in der Regel jedoch geringer als die Kuponzahlungen von Anleihen, zudem schütten die Unternehmen Dividenden nach dem eigenen Ermessen aus, während Anleihenemittenten zu den Kuponzahlungen verpflichtet sind.

Kapitalzuwachs: Die Anleihenkurse können aus unterschiedlichen Gründen anziehen, wie beispielsweise durch ein Sinken des Zinsniveaus oder eine Verbesserung der Kreditwürdigkeit des Emittenten. Wird eine Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten, werden etwaige Kursgewinne während ihrer Laufzeit nicht realisiert; stattdessen neigt der Anleihenkurs in der Regel dazu, zunehmend auf seinen Nennwert (100) zurückzugehen, je näher der Fälligkeitstermin und die Tilgung des Kredits rücken. Durch einen Verkauf der Anleihen im Anschluss an eine Kurssteigerung – und vor Laufzeitende – können Anleger jedoch von einem Wertzuwachs der Anleihen profitieren, der auch als Kapitalzuwachs bezeichnet wird. Durch einen derartigen Kapitalzuwachs erhöht sich der Total Return von Anleihen, der sich aus Zinseinkommen und Kapitalzuwachs zusammensetzt. Das Streben nach Total Return hat sich im Verlauf der vergangenen 40 Jahre zu einer der meist angewandten Anleihenstrategien entwickelt (siehe „Anlagestrategien für Anleihen“).

Diversifizierung: Die Einbeziehung von Anleihen kann zur Diversifizierung eines Anlageportfolios beitragen. So nehmen zahlreiche Anleger eine Diversifizierung über ein breites Spektrum unterschiedlicher Anlageformen vor – von Aktien und Anleihen über Rohstoffe bis hin zu alternativen Anlagen - um das Risiko niedriger oder sogar negativer Erträge in ihren Portfolios zu reduzieren.

Absicherung gegen eine mögliche Konjunkturschwäche oder Deflation: Anleihen können aus vielfältigen Gründen zum Schutz der Anleger vor einem konjunkturellen Abschwung beitragen. Der Kurs einer Anleihe hängt davon ab, wie viel Wert die Anleger dem Einkommen beimessen, das die Anleihe generiert. Die meisten Anleihen zahlen einen fixen Zinssatz, der sich nicht ändert. Steigt das Preisniveau der Güter und Dienstleistungen an – ein wirtschaftlicher Umstand, der als Inflation bezeichnet wird – verliert die festgelegte Verzinsung von Anleihen an Attraktivität, da sich mit diesem Zinseinkommen weniger Güter und Dienstleistungen erwerben lassen. Die Inflation geht in der Regel mit einem beschleunigten Wirtschaftswachstum einher, das eine erhöhte Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen schafft. Im Gegenteil dazu resultiert eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums üblicherweise in einer Verringerung der Inflation, wodurch die Rendite von Anleihen wiederum attraktiver wird. Ein konjunktureller Abschwung hat zudem meist negative Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne und Aktienrenditen, wodurch sich die relative Attraktivität der Anleihenrenditen als Ertragsquelle zusätzlich erhöht.

Ist der Abschwung derart stark ausgeprägt, dass die Verbraucher keine Einkäufe mehr tätigen und das Preisniveau der Volkswirtschaft zu fallen beginnt – eine katastrophale Wirtschaftslage, die als Deflation bezeichnet wird -, wird die Anleihenrendite noch attraktiver, da Anleihengläubiger anhand desselben Zinseinkommens nun mehr Güter und Dienstleistungen erwerben können (bedingt durch die deflationierten Preise). Mit der zunehmenden Nachfrage nach Anleihen steigen auch die Anleihenkurse sowie die Erträge der Anleihengläubiger an.

Anleihen aller art

In den 1970er-Jahren setzte die Evolution des modernen Anleihenmarkts ein: So stieg das Anleihenangebot an, während die Anleger sich dessen bewusst wurden, dass mit dem Kauf und Verkauf von Anleihen am Sekundärmarkt Geld zu verdienen ist und Kursgewinne zu erzielen sind.

Bis zu diesem Zeitpunkt war der Anleihenmarkt jedoch vorwiegend ein Ort gewesen, an dem Regierungen und Großunternehmen Kredite aufnehmen konnten. Dabei traten Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds und Privatanleger als Hauptanleger auf, die einem qualitativ hochwertigen Anlageinstrument für Kapital bedurften, das zu einem bestimmten künftigen Zweck benötigt werden würde.

Als das Anlegerinteresse an Anleihen in den 1970er- und 1980er-Jahren anstieg (und die Anleihenmathematik dank der schnelleren Computer verständlicher wurde), schufen Finanzexperten innovative Wege, die es Schuldnern ermöglichten, den Anleihenmarkt für eine Finanzierung anzuzapfen, sowie neue Wege für Anleger, ihr Engagement auf das angestrebte Risiko-Ertrags-Profil zuzuschneiden. Aus historischer Sicht verfügten die USA über den umfangreichsten Anleihenmarkt; seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 ist jedoch auch der europäische Anleihenmarkt beträchtlich angewachsen. Die wachstumsstarken Schwellenländer wurden im frühen 21. Jahrhundert Teil dessen, was sich inzwischen zu einem globalen Anleihenmarkt entwickelt hat.

Ganz allgemein bleiben Staats- und Unternehmensanleihen nach wie vor als größte Sektoren des Anleihenmarkts bestehen, dennoch gibt es weitere Anleihenarten, wie beispielsweise Mortgage-Backed Securities, die eine zentrale Rolle bei der Finanzierung bestimmter Sektoren, wie Immobilien, spielen und spezifischen Anlagebedürfnissen gerecht werden.

Staatliche Schuldverschreibungen: Die Kategorie der staatlichen Schuldverschreibungen ist breit und umfasst sämtliche Schuldtitel souveräner Staaten, die durch eine Zentralregierung begeben und im Allgemeinen auch besichert werden. Als Beispiele für staatliche Schuldverschreibungen sind kanadische GoCs, britische Gilts, US-Treasuries, deutsche Bunds, japanische JGBs und brasilianische Staatsanleihen zu nennen. Aus historischer Sicht waren die USA, Japan und Europa die größten Emittenten am Staatsanleihenmarkt.

Darüber hinaus begeben einige Regierungen Staatstitel, die an die Inflation gekoppelt sind; diese sind als inflationsgebundene Anleihen bzw. in den USA als TIPS (Treasury Inflation Protected Securities) bekannt. Bei inflationsgebundenen Anleihen werden die Zinszahlungen und/oder das Anlagekapital regelmäßig angepasst, um mögliche Änderungen der Inflationsrate zu reflektieren, und bieten somit eine „reale“ bzw. inflationsbereinigte Rendite. Im Gegensatz zu anderen Schuldtiteln könnten inflationsgebundene Anleihen jedoch größere Verluste erleiden, wenn sich die realen Zinssätze stärker ändern als das Niveau der Nominalzinsen.

Neben den Staatsanleihen umfasst der staatliche Sektor weitere Unterkategorien, wie:

  • Agency- und „quasi-staatliche“ Anleihen: Die Zentralregierungen verfolgen diverse Ziele mithilfe von Agenturen – wie die Bereitstellung von erschwinglichem Wohnraum oder die Unterstützung von Kleinunternehmen. Um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können, platzieren einige dieser Agenturen Anleihen, wobei die Zentralregierung bei manchen Agency-Anleihen als Bürge auftritt und bei anderen wiederum nicht. Auch supranationale Organisationen, wie die Weltbank und die Europäische Investitionsbank, leihen am Anleihenmarkt, um öffentliche Projekte und/oder Entwicklungsarbeit zu finanzieren.
  • Anleihen lokaler Regierungen: Lokale Regierungen – ob Provinzen, Staaten oder Städte – nehmen Kredite zur Finanzierung unterschiedlicher Projekte auf, vom Brückenbau über das Schulwesen bis hin zum allgemeinen Geschäftsbetrieb. In den USA ist der Markt für Anleihen lokaler Regierungen gut etabliert; die entsprechenden Schuldverschreibungen werden dort als Kommunalanleihen bezeichnet. Auch in Europa ist die Anleihenemission durch lokale Regierungen in den vergangenen Jahren beträchtlich angestiegen. In den USA können Kommunalanleihen steuerliche Vorteile gegenüber anderen Anleihen bergen, da das Zinseinkommen zahlreicher Kommunalanleihen nicht der Bundessteuer unterliegt. Auch bei Anleihen, die durch einen US-Staat begeben wurden, sind die Zinsen für die Einwohner des jeweiligen Staats unter Umständen steuerbefreit. Allerdings sind die Kapitalgewinne aus US-Kommunalanleihen nicht steuerfrei, demnach sind auf die Erträge von Portfolios, die Kommunalanleihen halten, möglicherweise staatliche und lokale Steuern, sowie eventuell die alternative Mindeststeuer, zu entrichten.

Unternehmensanleihen: Nach dem staatlichen Sektor stellten die Anleihen von Unternehmen in der Vergangenheit das zweitgrößte Segment des Anleihenmarkts dar. Unternehmen nehmen Kredite am Anleihenmarkt auf, um ihre Geschäftsaktivitäten auszubauen oder neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der Unternehmenssektor ist in einer rasanten Entwicklung begriffen, insbesondere in Europa und in zahlreichen Entwicklungsländern.

Unternehmensanleihen lassen sich in zwei breite Kategorien einteilen: Investment-Grade- und Speculative-Grade-Anleihen (auch bekannt als High-Yield- bzw. Hochzinsanleihen oder Junk-Bonds bzw. Schrottanleihen). Speculative-Grade-Anleihen werden durch Unternehmen begeben, denen eine geringere Kreditwürdigkeit und höhere Ausfallrisiken beigemessen werden als den besser bewerteten Investment-Grade-Unternehmen. Darüber hinaus besteht innerhalb dieser zwei breiten Kategorien ein breites Spektrum an unterschiedlichen Ratings, was darauf hindeutet, dass die Finanzlage zwischen einzelnen Emittenten stark variieren kann.

Speculative-Grade-Anleihen werden in der Regel durch jüngere Unternehmen, Unternehmen in besonders wettbewerbsintensiven oder volatilen Sektoren oder Unternehmen mit beunruhigenden Fundamentaldaten begeben. Während ein Credit-Rating der Speculative-Grade-Kategorie auf eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit hindeutet, werden die Anleger im Gegenzug für die höheren in Kauf genommenen Risiken mit höheren Kuponzahlungen belohnt. Sobald sich die Bonität eines Emittenten verschlechtert, können die Ratings heruntergestuft, und bei sich verbessernden Fundamentaldaten entsprechend heraufgestuft werden.

Schwellenländeranleihen: Staats- und Unternehmensanleihen, die durch Schwellenländer begeben werden, sind auch als Schwellenländeranleihen bzw. Emerging-Markets-Anleihen (EM) bekannt. Seit den 1990er-Jahren hat diese Anlageklasse deutliche Entwicklungen vollzogen und umfasst inzwischen ein breites Spektrum an Staats- und Unternehmensanleihen, die in den wichtigsten Fremdwährungen begeben werden, wie dem US-Dollar und dem Euro, sowie in der jeweiligen Lokalwährung (die entsprechenden Anleihen werden häufig als Lokalwährungsanleihen bezeichnet). Da Schwellenländeranleihen aus verschiedenartigen Ländern stammen, die möglicherweise über unterschiedliche Wachstumsaussichten verfügen, können sie zur Diversifizierung eines Anlageportfolios beitragen und Potenzial für attraktive risikobereinigte Renditen bergen.

Mortgage-Backed und Asset-Backed Securities: Ein weiterer Hauptbereich des globalen Anleihenmarkts entsteht durch einen Prozess, der als „Verbriefung“ bezeichnet wird. Im Zuge dieses Verfahrens werden die Cashflows verschiedener Darlehensarten (z. B. Hypotheken, Autokredite oder Kreditkarten) gebündelt und in Form von Anleihen an die Anleger verkauft. Zu den größten Sektoren, in denen eine Verbriefung stattfindet, zählen Mortgage-Backed Securities (durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere) und Asset-Backed Securities (forderungsbesicherte Wertpapiere).

  • Mortgage Backed Securities (MBS): Diese Anleihen werden auf Basis der Hypothekenzahlungen von Wohneigentümern geschaffen. So verkaufen Hypothekenfinanzierer, meist Banken und Finanzunternehmen, einzelne Hypothekarkredite an eine weitere Institution, die diese Kredite anschließend in einem Wertpapier bündelt, das eine dem durch Wohneigentümer entrichteten Hypothekenzins ähnliche Zinszahlung leistet. Gleichermaßen wie andere Anleihentypen reagieren auch Mortgage-Backed Securities empfindlich auf Veränderungen des herrschenden Zinsniveaus und können bei steigenden Zinssätzen an Wert verlieren. Wertpapiere, die durch fixe Hypothekenzinsen gesichert sind, reagieren besonders sensibel auf Zinsänderungen, da die Schuldner bei sinkenden Zinssätzen möglicherweise eine vorzeitige Tilgung und Refinanzierung ihrer Hypotheken vornehmen, wodurch die Rückzahlung der Wertpapiere, die durch diese Darlehen besichert sind, ebenfalls früher erfolgt als erwartet. Aus diesem Grund sowie als Anreiz für unterschiedliche Anlegertypen können Mortgage-Backed Securities als Anleihen mit definierten Rückzahlungsdaten und-charakteristiken strukturiert sein; diese werden als Collateralized Mortgage Obligations (CMOs) bezeichnet.
  • Asset Backed Securities (ABS): Diese Anleihen werden auf Basis von Ratenzahlungen für Autokredite, Kreditkartenzahlungen oder sonstigen Darlehen geschaffen. Wie bei den Mortgage-Backed Securities werden auch hier ähnliche Darlehen gebündelt und in einem Wertpapier zusammengefasst, das anschließend an die Anleger veräußert wird. Für die Verwaltung von Asset-Backed Securities werden spezielle Institutionen gegründet, die es den Kreditkartenunternehmen und anderen Gläubigern ermöglichen, die entsprechenden Darlehen aus ihren Bilanzen zu streichen. Asset-Backed Securities werden üblicherweise in „Tranchen“ aufgeteilt, das heißt, dass die Darlehen in Wertpapierklassen höherer und niedrigerer Qualität gebündelt werden. Asset-Backed Securities sind mit Risiken behaftet, dazu zählt auch das Kreditrisiko.
  • Pfandbriefe und covered bonds: Deutsche Wertpapiere, die durch Hypotheken gesichert sind, werden als Pfandbriefe oder, je nach Volumen, als „Jumbo“-Pfandbriefe bezeichnet. Der Markt für Jumbo-Pfandbriefe stellte in der Vergangenheit einen der größten Sektoren des europäischen Anleihenmarkts dar. Der wesentliche Unterschied zwischen Pfandbriefen und Mortgage-Backed oder Asset-Backed Securities besteht darin, dass Banken, die Kredite vergeben und sie in Form von Pfandbriefen zusammenfassen, diese Positionen auch weiterhin in ihren Büchern führen. Aufgrund dieser Besonderheit werden Pfandbriefe gelegentlich zur Klasse der Unternehmensanleihen gezählt. Auch durch andere europäische Länder werden zunehmend Pfandbrief-ähnliche Wertpapiere begeben, die als Covered Bonds bezeichnet werden.

Der Wert der beschriebenen nicht-staatlichen Anleihen wird meist in Relation zur Staatsanleihenrendite oder zum Referenzzinssatz LIBOR (London Interbank Offered Rate) angegeben. Der Renditeunterschied zwischen einer nicht-staatlichen Anleihe und einer Staatsanleihe oder dem LIBOR wird als „Credit Spread“ bezeichnet. Ein Unternehmen mit einem geringfügig schlechteren Bonitätsrating als seine Regierung könnte beispielsweise eine Anleihe mit einer Rendite oder einem Credit Spread von 50 Basispunkten (0,5 %) gegenüber einer Staatsanleihe derselben Laufzeit platzieren. Die Credit Spreads passen sich entsprechend der Wahrnehmung der Anleger hinsichtlich Bonität und Wirtschaftswachstum an, dabei spielt auch die Risikobereitschaft und die Nachfrage nach höheren Renditen von Seiten der Anleger eine Rolle.

Nachdem eine Anleihe durch einen Emittenten platziert wurde, kann diese am Sekundärmarkt gekauft und verkauft werden. Im Zuge dessen kann ihr Preis unter anderem aufgrund von Änderungen der Konjunkturprognosen, der Bonität der Anleihe bzw. des Emittenten sowie aufgrund von Angebot und Nachfrage variieren. Als zentrale Käufer und Verkäufer am Sekundärmarkt für Anleihen treten die Broker-Dealer auf, während die Kleinanleger ihre Anleihen üblicherweise über diese erwerben – entweder als direkte Kunden oder indirekt anhand von Investmentfonds und Exchange Traded Funds.

Anlagestrategien für anleihen

Anleiheninvestoren können unter zahlreichen unterschiedlichen Anlagestrategien wählen, je nach Aufgabe oder Aufgaben, die die Anleihen in ihren Portfolios übernehmen sollen.

Zu den passiven Anlagestrategien zählen der Ansatz, Anleihen zu kaufen und bis zur Fälligkeit zu halten, sowie die Anlage in Anleihenfonds oder Portfolios, die Anleihenindizes abbilden. Passive Ansätze richten sich an Anleger, die von den traditionellen Vorteilen der Anleihen, wie Kapitalerhalt, Zinseinkommen und Diversifizierung, profitieren möchten. Allerdings unternehmen diese Strategien keinen Versuch, sich das aktuelle Zins-, Kredit- oder Marktumfeld zunutze zu machen.

Im Gegensatz zu den passiven Anlagestrategien sind aktive Anlagestrategien darauf ausgerichtet, eine Outperformance gegenüber den Anleiheindizes zu erzielen, meist durch den Kauf und Verkauf von Anleihen, um sich Preisbewegungen zunutze zu machen. Während sie über das Potenzial verfügen, viele oder alle Vorteile der Anleihen zu bieten, ist für eine erfolgreiche und langfristige Outperformance gegenüber den Indizes darüber hinaus die Fähigkeit erforderlich, sich eine Meinung über die Volkswirtschaft, die Richtung der Zinsbewegungen und/oder das Kreditumfeld zu bilden, die Anleihen entsprechend dieser Einschätzungen zu handeln und ein angemessenes Risikomanagement zu gewährleisten.

Passive Strategien: Buy-and-Hold-Ansätze: Anleger, die einen Kapitalerhalt, ein Zinseinkommen und/oder eine Diversifizierung anstreben, können sich für die einfache Variante entschließen, Anleihen zu kaufen und sie bis zu ihrem Fälligkeitstermin zu halten.

Dabei werden die Preise, die so genannte Buy-and-Hold-Anleger beim ersten Kauf der Anleihen und erneut bei der Reinvestition ihres Anlagevermögens nach Fälligkeit der Anleihen bezahlen, durch das Zinsumfeld beeinflusst. Um Buy-and-Hold-Anleger beim Management dieses inhärenten Zinsrisikos zu unterstützen, wurden diverse Strategien entwickelt. Zu den beliebtesten unter ihnen zählt die Leiter-Strategie (Bond Ladder): Dabei wird ein gestaffeltes Anleihenportfolio zu gleichen Teilen in Anleihen investiert, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten fällig werden, üblicherweise im Abstand von einem oder zwei Jahren. Bei Fälligkeit der Anleihen wird das Anlagekapital reinvestiert, um die sogenannte Fälligkeitsleiter aufrechtzuerhalten. Im Allgemeinen greifen Anleger auf den Leiter-Ansatz zurück, um einem stetigen Strom an Verbindlichkeiten zu begegnen und um das Risiko zu mindern, einen beträchtlichen Teil des Anlagevermögens in einem Niedrigzinsumfeld reinvestieren zu müssen.

Als weiterer Buy-and-Hold-Ansatz wäre die Barbell-Strategie zu nennen, im Zuge derer das Anlagevermögen in eine Kombination aus kurz- und langlaufenden Anleihen investiert wird. Bei Fälligkeit der kurzlaufenden Anleihen können die Anleger somit eine Reinvestition vornehmen, um Marktchancen zu nutzen, während sie attraktive Kuponzahlungen durch die langlaufenden Anleihen erhalten.

Weitere passive Strategien: Anleger, die von den traditionellen Vorteilen der Anleihen profitieren möchten, können auch eine passive Anlagestrategie wählen, die eine Abbildung der Performance von Anleihenindizes anstrebt. So kann ein Kern-Anleiheportfolio in den USA beispielsweise einen breiten Investment-Grade-Index als Benchmark oder Richtlinie wählen, wie den Barclays Capital U.S. Aggregate Index. Ähnlich der Aktienindizes sind auch die Anleihenindizes transparent (d. h. die enthaltenen Wertpapiere sind bekannt) und ihre Performance wird täglich aktualisiert und veröffentlicht.

Zahlreiche Exchange Traded Funds (ETFs) und spezifische Anleihen-Investmentfonds kaufen dieselben oder ähnliche Wertpapiere, die in Anleihenindizes enthalten sind, und bilden somit die Wertentwicklung der Indizes nahezu ab. Kommt es bei den zugrunde liegenden Indizes dieser passiven Anleihenstrategien zu Veränderungen, nehmen die Portfoliomanager zu den entsprechenden Zeitpunkten eine Anpassung der Zusammensetzung ihrer Portfolios vor; im Allgemeinen treffen sie jedoch keine unabhängigen Entscheidungen hinsichtlich des Kaufs und Verkaufs von Anleihen.

Aktive Strategien: Anleger, die eine Outperformance gegenüber den Anleihenindizes anstreben, wählen eine aktiv gemanagte Anleihenstrategie. Aktive Portfoliomanager verfolgen das Ziel, das Zinseinkommen oder den Kapitalzuwachs (bzw. die Kurssteigerung) der Anleihen zu maximieren, oder auch beides. Zahlreiche Anleihenportfolios für institutionelle Anleger, Anleihen-Investmentfonds sowie eine zunehmende Anzahl von ETFs werden aktiv gemanagt.

Einer der meist angewandten aktiven Ansätze ist das „Total Return Investing“, im Zuge dessen unterschiedliche Strategien zur Maximierung des Kapitalzuwachses zum Einsatz kommen. Aktive Anleihenportfoliomanager, die auf eine Kurssteigerung abzielen, sind bestrebt, unterbewertete Anleihen zu kaufen, sie während des Preisanstiegs zu halten und sie anschließend noch vor Laufzeitende zu verkaufen, um Gewinne zu realisieren – idealerweise also „billig zu kaufen und teuer zu verkaufen“. Zur Identifizierung von Anleihen, die einen Kursanstieg erfahren könnten, stehen aktiven Managern eine Reihe unterschiedlicher Verfahren zur Verfügung.

  • Einzeltitelanalyse: Anhand einer fundamentalen „Bottom-Up“-Einzeltitelanalyse zielen aktive Manager auf die Identifizierung einzelner Anleihen ab, deren Kurse aufgrund einer verbesserten Kreditwürdigkeit der Emittenten ansteigen könnten. Der Preis einer Anleihe kann beispielsweise anziehen, wenn ein Unternehmen ein neues und effizienteres Management einsetzt.
  • Gesamtwirtschaftliche Analyse: PUm Anleihen ausfindig zu machen, die aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage, des vorteilhaften Zinsumfelds oder der globalen Wachstumsmuster einen Kursanstieg verzeichnen könnten, greifen Portfoliomanager auf Top-Down-Analysen zurück. Als sich die Schwellenländer beispielsweise in den vergangenen Jahren zu stärkeren globalen Wachstumstreibern entwickelten, war eine Kurssteigerung zahlreicher Staats- und Unternehmensanleihen aus diesen Ländern zu beobachten.
  • Sektorrotation: Gemäß ihrer Einschätzung der Wirtschaftslage tätigen Anleihenmanager Anlagen in bestimmten Sektoren, die während einer bestimmten Phase des Konjunkturzyklus in der Vergangenheit stets Kursanstiege verzeichneten, und vermeiden jene, die sich in diesem Zeitabschnitt schlechter entwickelten. Wendet sich der Konjunkturzyklus, so werden Anleihenverwalter die Anleihen eines Sektors möglicherweise veräußern und durch Anleihen eines anderen Sektors ersetzen.
  • Marktanalyse: Portfoliomanager können Anleihen kaufen und verkaufen, um sich Veränderungen von Angebot und Nachfrage zunutze zu machen, die einen Einfluss auf die Kursbewegungen ausüben.
  • Durationsmanagement: Um ihren Ansichten hinsichtlich der Zinsentwicklung Ausdruck zu verleihen und das damit verbundene Risiko zu managen, können Portfoliomanager eine Anpassung der Duration in ihren Anleihenportfolios vornehmen. So können Manager, die einen Anstieg des Zinsniveaus antizipieren, die Duration ihrer Anleihenportfolios entsprechend kürzen, um sie vor einer negativen Kursentwicklung zu schützen; dies ließe sich durch einen Verkauf längerfristiger Anleihen und einen Kauf kurzlaufender Anleihen realisieren. Umgekehrt können aktive Manager die Duration ihrer Anleihenportfolios verlängern, um die positiven Auswirkungen eines erwarteten Zinsrückgangs zu maximieren.
  • Zinskurvenpositionierung: Aktive Anleihenverwalter können die Laufzeitenstruktur eines Anleihenportfolios an die erwartete Veränderung der Verhältnisse zwischen Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten anpassen – dieses Verhältnis wird durch die Zinskurve ausgedrückt. Während Renditen mit zunehmender Laufzeit üblicherweise ansteigen, kann sich dieses Verhältnis ändern und Chancen für aktive Anleihenmanager schaffen, ein Portfolio in jenem Bereich der Zinskurve zu positionieren, der in einem bestimmten wirtschaftlichen Umfeld voraussichtlich am besten abschneiden wird.
  • Roll-Down: Sind die kurzfristigen Zinssätze niedriger als die langfristigen (bekannt als „normales“ Zinsumfeld), wird eine Anleihe zu sukzessive niedrigeren Renditen und höheren Preisen bewertet, je mehr sie sich ihrem Laufzeitenende nähert oder „die Zinskurve herunter rollt“. Dementsprechend kann ein Anleihenverwalter eine Anleihe für einen bestimmten Zeitraum halten, während dem ihr Kurs ansteigt, und sie vor dem Ende der Laufzeit verkaufen, um einen Kurgewinn zu realisieren. Diese Strategie verfügt über das Potenzial, den Total Return in einem normalen Zinsumfeld kontinuierlich zu steigern.
  • Derivate: Anleihenmanager können Futures, Optionen und Derivate anwenden, um ein breites Spektrum an Ansichten auszudrücken – von der Kreditwürdigkeit eines einzelnen Emittenten bis hin zur Richtung der künftigen Zinsentwicklung.
  • Risikomanagement: Des Weiteren kann ein aktiver Anleihenverwalter Schritte zur Einkommensmaximierung unternehmen, ohne dabei eine beträchtliche Erhöhung der Risiken einzugehen, beispielsweise durch den Kauf einiger längerfristiger oder geringfügig schlechter bewerteter Anleihen, die mit höheren Kuponzahlungen einhergehen.

Aktive versus passive strategien

Die Vorteile, die ein aktiver Managementstil, wie der Total-Return-Ansatz, gegenüber einem passiven Managementstil oder Leiter- bzw. Barbell-Strategien aufweist, wurden in Anlegerkreisen ausgiebig diskutiert. Ein zentraler Streitpunkt in dieser Debatte ist, ob der Anleihenmarkt zu effizient ist, um aktiven Managern eine kontinuierliche Outperformance gegenüber dem Markt zu erlauben. Ein aktiver Anleihenverwalter, wie PIMCO, würde diesem Argument entgegenhalten, dass sowohl seine Größe als auch seine Flexibilität aktive Manager darin unterstützen, eine Outperformance gegenüber dem Markt anhand einer Optimierung der kurz- und langfristigen Trends zu erzielen. Um die Anlageerträge zu sichern, können aktive Manager in den Anleihenportfolios zudem Anpassungen der Zins-, Bonitäts- oder weiterer potenzieller Risiken entsprechend der sich verändernden Marktbedingungen vornehmen.

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Rechtliche Hinweise

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie und kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse. Alle Investments enthalten Risiken und können an Wert verlieren.< Anlagen am Anleihenmarkt unterliegen Risiken, zum Beispiel Markt-, Zins-, Emittenten-, Kredit-, Inflations- und Liquiditätsrisiken. Der Wert der meisten Anleihen und Anleihenstrategien wird durch Zinsänderungen beeinflusst. Anleihen und Anleihenstrategien mit längerer Duration sind häufig sensitiver und volatiler als Wertpapiere mit kürzerer Duration; die Anleihenpreise sinken in der Regel, wenn die Zinsen steigen, und das aktuelle Niedrigzinsumfeld erhöht dieses Risiko. Aktuelle Verringerungen der Kreditfähigkeit des Anleihe-Kontrahenten können zu einer niedrigeren Marktliquidität und einer höheren Kursvolatilität beitragen. Der Wert von Anlagen in Anleihen kann bei der Rücknahme über oder unter dem ursprünglichen Wert liegen. Anlagen in Wertpapieren, die auf Fremdwährungen lauten und/oder im Ausland begeben wurden, können mit höheren Risiken aufgrund von Wechselkursschwankungen sowie wirtschaftlichen und politischen Risiken behaftet sein. Dies gilt vor allem für Schwellenländer. Hypotheken- und forderungsbesicherte Wertpapiere können aufgrund des Risikos einer vorzeitigen Rückzahlung empfindlich auf Zinsveränderungen reagieren, und obgleich sie im Allgemeinen durch einen staatlichen, staatsnahen oder privaten Bürgen besichert werden, gibt es keine Garantie, dass der Bürge seine Verpflichtungen erfüllt. Hochrentierliche, niedriger bewertete Wertpapiere bergen ein höheres Risiko als höher bewertete Wertpapiere. Portfolios, die darin anlegen, können einem höheren Kredit- und Liquiditätsrisiko unterliegen als andere Portfolios.Obligationen von Stellen und Behörden der US-Regierung werden unterschiedlich stark, aber im Allgemeinen nicht in voller Höhe vom US-amerikanischen Staat besichert. Portfolios, die in diese Wertpapiere investieren, sind nicht garantiert und unterliegen Wertschwankungen. Inflationsindexierte Anleihen (Inflation-linked Bonds, ILBs), die von einem Staat begeben werden, sind Rentenpapiere, deren Nennwert regelmäßig an die Inflationsrate angepasst wird; der Wert von ILBs sinkt, wenn die Realzinsen steigen. Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS) sind ILBs, die von der US-Regierung ausgegeben werden. Derivate können mögliche Kosten oder Risiken beinhalten, wie beispielsweise Liquidationsrisiken, Zinsrisiken, Marktrisiken, Kreditrisiken, Managementrisiken sowie das Risiko, dass Wertpapiergeschäfte im Portfolio nicht zum günstigsten Zeitpunkt geschlossen werden. Portfolios, die in Derivate investieren, können möglicherweise einen höheren Verlust aufweisen, als den Betrag, der ursprünglich investiert wurde. Diversifikation schützt nicht vor Verlusten.

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