Blickpunkt

„Impact Investing“: der nächste Schritt in der Entwicklung von Volkswirtschaften und der Finanzbranche

„Impact Investing“ beruht auf der grundlegenden Annahme, dass gesunde Gesellschaften und ebensolche Märkte sich langfristig gegenseitig bedingen.

Im vergangenen Oktober veröffentlichte die internationale Natur- und Umweltschutzorganisation WWF eine richtungsweisende Studie, die nach Auffassung des Autors des vorliegenden Artikels von allen Akteuren der Investmentbranche gelesen werden sollte. Der Bericht mit dem Titel „Living Planet Report 2018“ stützt sich auf umfangreiche empirische Daten und Analysen weltweiter Trends und stellt glaubwürdig fest, dass wir unmittelbar vor einem wahrhaft historischen Umbruch stehen, der für die Märkte, Volkswirtschaften und Gesellschaften der gesamten Welt Folgen haben wird. Und dieser Wandel ist alles andere als gut.

Die Kernaussage des Berichts lautet, dass der explodierende menschliche Konsum und die damit verbundene Nachfrage nach Ressourcen wie Energie, Land und Wasser inzwischen die Belastungsgrenze des Planeten Erde überschritten haben. „Auf einem Planeten mit einem instabilen Klima, ausgebeuteten Meeren und Flüssen, verödeten Landflächen und leeren Wäldern, d. h. in einer Welt ohne Biodiversität und damit ohne lebendige Natur, die uns alle trägt, gibt es für die Menschheit keine gesunde und glückliche Zukunft in Wohlstand“, so der Bericht. Zudem hätten das „natürliche Kapital“ und dessen „Beihilfe“ für die Wirtschaftsaktivität Schätzungen zufolge einen Wert von rund 125 Billionen USD pro Jahr.

Der Schwerpunkt des Berichts liegt zwar auf ökologischen Problemen, er zeigt jedoch auch sozioökonomische auf wie die ungleiche Verteilung von Vermögen und Ressourcen in vielen Gesellschaften, die eindeutig mit politischen und sozialen Verwerfungen und Spannungen in Zusammenhang stehen. Diese Problemstellungen könnten wiederum entscheidende Folgen für die Wirtschaft haben. Die Verbindung mit der makroökonomischen Entwicklung von Volkswirtschaften, Sektoren und Finanzmärkten ist so überzeugend, dass die Financial Times einen Leitartikel zu dem Bericht veröffentlichte.

Doch was hat die fortschreitende Entwicklung des „Impact Investing“ damit zu tun? Um es mit einem Wort zu sagen: alles.

Mit „Impact Investing“ die negativen Folgen menschlichen Handelns weltweit mildern

So, wie es sich aktuell entwickelt, stellt „Impact Investing“ im Kern einen radikalen Wandel in der Anlagementalität dar, der zudem über das Potenzial verfügt, die Zukunft der Menschheit in einer Art und Weise zu beeinflussen, von der auch Volkswirtschaften und Märkte profitieren dürften. Anleger, die bereits heute auf „Impact Investing“ setzen, sind sich des schädlichen Einflusses bewusst, das menschliches Handeln auf wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Ebene auf unendlich viele Systemen hat. Sie versuchen, Renditen aus Finanzgeschäften mit positiven Effekten in Einklang zu bringen, die im schlechtesten Fall keinen Schaden anrichten und im besten wichtige und messbare Verbesserungen für die Menschheit und den Planeten bringen und negative Auswirkungen abschwächen oder sogar umkehren. Dieser wirtschaftlich fundierte und ethisch motivierte Ansatz beruht auf der grundlegenden Annahme, dass sich gesunde Gesellschaften und ebensolche Märkte auf lange bis sehr lange Sicht gegenseitig bedingen.

Der Ansatz des „Impact Investing“ könnte zu einer neuen Philosophie der globalen Investmentbranche werden, die den aktuellen, stärker auf Risikofaktoren ausgerichteten ESG-Ansatz (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) erweitert bzw. irgendwann vielleicht sogar ersetzt und in diesem Zuge die Finanzwirtschaft und die Gesellschaft so zur Deckung miteinander bringt, dass alle davon profitieren.

Dieser Prozess wird Zeit und Aufwand erfordern, da selbst die zahlreichen aktuell an den globalen Märkten angebotenen ESG-Strategien nicht das gesamte Spektrum der Anlageklassen abdecken. Zudem wird der ESG-Ansatz in zu vielen Unternehmen nach wie vor isoliert betrachtet und als exotisch oder sogar versponnen angesehen. Der Fokus von ESG-Ansätzen auf die Verwaltung zentraler Risiken in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung soll positive gesellschaftliche Entwicklungen fördern und gleichzeitig ein risikobereinigtes Renditepotenzial ermöglichen. Damit berücksichtigen die ESG-Kriterien in vielerlei Hinsicht schon die Prinzipien des „Impact Investing“. Letzten Endes können ESG-Anlagen dabei helfen, Hürden für eine weltweit nachhaltige Entwicklung zu überwinden und wichtige Veränderungen zu fördern. „Impact Investing“ geht lediglich einen Schritt weiter und verankert positive gesellschaftliche Ergebnisse als zentrale Anlageziele.

Der Weg zu einer vollständigen Umsetzung ist zwar noch lang, doch „Impact Investing“ könnte dabei helfen, die Zukunft von Gesellschaften, Volkswirtschaften und Märkten besser zu gestalten. Eine aktuelle Umfrage von RBC Global Asset Management ergab, dass 29 Prozent der institutionellen Anleger davon ausgehen, dass sie in den kommenden ein bis fünf Jahren „Impact Investing“-Strategien Mittel zuweisen werden. Im Jahr 2017 waren es noch 20 Prozent. Die Mehrheit der Anleger ist also noch nicht überzeugt.

Wie lässt sich „Impact Investing“ fördern?

Zunächst sind Innovationen und neue Strategien erforderlich, die vorhandene finanzielle Gelegenheiten erkennen und anvisieren. Mit „Impact Investing“ lassen sich positive Ergebnisse erzielen. Ein Beispiel hierfür sind die multilateralen Entwicklungsbanken, deren Portfolios und Bücher Anlagen im Privatsektor umfassen. Diese Banken verfügen über langjährige Erfolgsbilanzen mit Projekten und Vermögenswerten, die Erträge generieren und positive soziale und ökologische Entwicklungen messbar fördern.

Ein weiterer Bereich, der erhebliche Chancen bietet, sind sogenannte nachhaltige Anleihen, die auch als grüne Anleihen, soziale Anleihen oder SDG-Anleihen bezeichnet werden (weitere Informationen zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen weiter unten). PIMCO setzt auf den schnell wachsenden Markt grüner Anleihen und sieht die Emission neuer Anleihen durch Unternehmen und Staaten als einen vielversprechenden Ansatz, der zentrale gesellschaftliche Herausforderungen in Bezug auf die Themen Gesundheit, Gender, Bildung oder Infrastruktur umfassender berücksichtigt.

In einem weiteren Schritt müssen die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals – SDG) und der übergeordnete Rahmen des „Impact Investing“ vollständig integriert werden. Als ehemaliger UN-Mitarbeiter kann ich bestätigen, dass die SDG mit viel Sorgfalt in einem globalen Prozess entwickelt wurden, der sich auf umfassende Beratungen und Fakten stützte. Hierzu trafen sich weltweit führende Experten, politische Entscheidungsträger sowie Vertreter der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.

Die 17 sozioökonomischen und ökologischen Ziele der SDG können als Geschenk an Anleger verstanden werden und sollten als globaler Rahmen für die Ausrichtung und Überprüfung von „Impact Investing“-Strategien dienen.

Schließlich müssen wir in dieser entscheidenden Phase fachliche Gräben überwinden und in bisher ungekannter Art und Weise zusammenarbeiten. Die Vereinten Nationen leisten einen wichtigen Beitrag, um den Privatsektor und private Kapitalgeber von Engagements zu überzeugen. Wir müssen uns jedoch bewusst sein, dass gemeinsame Anstrengungen erforderlich sind und sämtliche Akteure ins Boot geholt werden müssen. Wir benötigen neue Partnerschaften und gemeinschaftliche Bemühungen, die politische Entscheidungsträger, Führungskräfte aus der Wirtschaft und der Finanzbranche sowie Vertreter der Zivilgesellschaft an einen Tisch bringen. Die Ziele für nachhaltige Entwicklung können dabei eine gemeinsame Grundlage und das „Impact Investing“ eine gemeinsame Strategie bieten.

Der „Living Planet Report 2018“ schließt mit den Worten, dass derzeit die einmalige Chance bestehe, die Tendenz zum Niedergang der Ökosysteme, die das Fundament unserer modernen Gesellschaften bilden, umzukehren. Denn: „Jeder muss einen Beitrag leisten – Regierungen, die Wirtschaft, die Finanzbranche, die Forschung, die Zivilgesellschaft und Privatpersonen.“

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Autor

Gavin Power

Chief of Sustainable Development and International Affairs

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