Blickpunkt

Investieren nach ESG‑Kriterien und festverzinsliche Anlagen: die nächste Neue Normalität?

Aus unserer Sicht ist der Anleihenmarkt auf einzigartige Art und Weise dazu geeignet, sowohl von Bemühungen im Hinblick auf ESG-Aspekte zu profitieren als auch solche Bemühungen zu finanzieren.

Es vollzieht sich ein stiller aber tief greifender Wandel im Bereich des nachhaltigen Investierens – ein Wandel, der aus unserer Sicht die Märkte umgestalten und festverzinslichen Anlagen einen prominenten Platz im ESG-Umfeld verschaffen wird.

Als der United Nations Global Compact 2004 sein Konzept des Investierens nach ESG-Kriterien (ESG Investing) einführte, lag der Schwerpunkt eindeutig auf Maßnahmen und Taktiken, die internationale Anleger (insbesondere Vermögensverwaltungsgesellschaften) als Kapitaleigner umsetzen können, um das Verhalten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte zu beeinflussen.

Dieser entscheidende Rahmen und die damit verbundene Betonung der finanziellen Wesentlichkeit einer Reihe von ESG-Themen haben die gewünschte Wirkung erzielt, nämlich nachhaltiges Investieren weg von rein normenbasierten ethischen Ansätzen (das heißt Negativ-Screening und potenzieller Verzicht auf Renditen) in Richtung Verständnis und Akzeptanz auf breiter Basis zu verlagern.

Bis heute entfällt jedoch der größte Teil der Aufmerksamkeit und des Engagements der Anleger noch auf Aktien. Zu den Gründen hierfür gehören im Vergleich zu anderen Anlageklassen wesentlich umfangreicheres ESG-Research-Material, zahlreiche Benchmarks und Indizes und klarer erkennbare Verbindungen zum Engagement der Unternehmen.

Wir glauben, dass sich das ändert und dass möglicherweise eine „Neue ESG-Normalität“ entsteht, bei der festverzinslichen Anlagen eine zentrale Bedeutung im Universum des nachhaltigen Investierens zukommt. Dies könnte letztendlich dazu führen, dass aus den jährlich im ESG-Umfeld aufgenommenen Milliarden Dollars an Krediten die Billionen werden, die erforderlich sind, um die Glaubwürdigkeit eines Landes oder eines Unternehmens langfristig zu sichern.

Doch welche Hinweise lassen uns zu dieser Schlussfolgerung kommen?

Erstens beobachten wir, dass viele Marktteilnehmer ESG-Themen zunehmend als wesentliches Kreditrisiko wahrnehmen, was für Schulden sowohl von Unternehmen als auch von Staaten gilt. Die Integration einer ESG-Kreditanalyse durch PIMCO im gesamten Anlageuniversum ist Ausdruck der Erkenntnis, dass Anleger, wie alle anderen Kreditgeber auch, Aspekte der Nachhaltigkeit und der Unternehmensführung, die die Fähigkeit eines Kreditnehmers beeinträchtigen können, seine Schulden zurückzuzahlen, nicht außer Acht lassen dürfen. Unsere frühe Analyse von Korruptionsbehauptungen gegen den Präsidenten Südafrikas im Jahr 2015 hat beispielsweise zu einem aktiven Aufruf geführt, das Exposure gegenüber dem Land zu verringern.

Die Wesentlichkeit von ESG-Aspekten im Zusammenhang mit dem Kreditrisiko ergibt sich natürlich aus der zunehmenden Anzahl von Belegen, die zeigen, dass Unternehmen, die effizient mit Nachhaltigkeitsaspekten umgehen und sie integrieren, von einer Reihe von Wettbewerbsvorteilen profitieren, darunter Ressourcen- und Kosteneinsparungen, Produktivitätssteigerungen, Chancen für neue Umsatzquellen und Produkte und einem guten Ruf.

Zweitens gewinnen ESG-Aspekte im Anleihenuniversum sowohl bei der Produktinnovation als auch auf der Beschaffungsseite zunehmend an Bedeutung. Es wurden sowohl von großen Institutionen als auch von kleineren Häusern zahlreiche ESG-Anleihenfonds aufgelegt, oder sie befinden sich in Vorbereitung.

Und bei "grünen" Anleihen ist gemäß Bloomberg damit zu rechnen, dass das Angebot in diesem Jahr um über 60% auf 250 Milliarden US-Dollar steigen und damit seinen Rekord aus dem Jahr 2017 von 155 Milliarden US-Dollar brechen wird. Wobei anzumerken ist, dass bei Unternehmensanleihen, Staatsanleihen und forderungsbesicherten Papieren 2017 ein nahezu gleiches Wachstum der Emissionen zu verzeichnen war. Diese ermutigenden Wachstumsprognosen müssen natürlich vor dem Hintergrund des Volumens des gesamten weltweiten Anleihenmarktes von fast 100 Billionen US-Dollar gesehen werden.

Währenddessen legen das Engagement und die Gespräche von PIMCO mit Unternehmens- und Staatsvertretern nahe, dass wir kurz vor einer grundlegenden Veränderung bei sozialen Anleihen stehen, die mit Themen wie Versorgung mit Wasser und Sanitäreinrichtungen, Geschlechtergleichstellung, Gesundheit und anderen Infrastrukturbereichen mit sozialem Bezug (zum Beispiel Lebensmittelverteilung, Transport) zusammenhängen. Hierzu sei die jüngste Bekundung des Interesses von Entwicklungsbanken und -agenturen erwähnt, mit privaten und institutionellen Anlegern zusammenzuarbeiten, um Deals zu generieren und gemeinsam zu investieren – und das in vielen Fällen zum ersten Mal.

Drittens und eng verknüpft mit dem vorangegangenen Punkt wecken die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen als übergreifender ESG-Orientierungsrahmen für Anlagen, die Renditen generieren und gleichzeitig eine positive gesellschaftliche Auswirkung haben, Interesse und Begeisterung. Die 17 SDGs, die 2016 von allen 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen einstimmig angenommen wurden, kann man als umfassende und sorgfältige Ausarbeitung von ESG-Aspekten betrachten, die den zusätzlichen Vorteil bietet, dass sie Ziele und sogar Indikatoren umfasst.

Von entscheidender Bedeutung ist zudem die Schätzung der Vereinten Nationen, dass für das Erreichen der SDGs bis 2030 zwischen drei und fünf Billionen US-Dollar jährlich erforderlich sein werden, wobei der größte Teil dieser Investitionen aus dem privaten Sektor kommen muss. Aufgrund des langfristigen Charakters der SDGs, die bis ins Jahr 2030 reichen, und der Tatsache, dass ein großer Teil der Finanzierung, insbesondere (aber nicht nur) der von staatlicher Seite, sich auf langfristige soziale und ökologische Projekte beziehen muss, könnten Schuldeninstrumente hierfür ideal geeignet sein.

Wir erkennen daher Aussichten auf einen florierenden Markt für „SDG-Anleihen“ von Staaten, Entwicklungsbanken und Unternehmen, die entweder allgemeiner Natur sind oder thematisch auf ein oder mehrere spezielle Ziele ausgerichtet sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Auflegung einer Gender-Anleihe durch die Asiatische Entwicklungsbank Ende 2017.

Schon jetzt entwickelt der UN Global Compact einen „Blueprint for SDG Bonds“, dessen Einführung für September 2018 auf der UN-Generalversammlung geplant ist. Dieser Plan wird Unternehmen, Anlegern, Staaten und Gemeinden als Leitlinie bei Definitionen, Entwicklung und Ergebnismessung dienen.

Der Anleihenmarkt ist in vielerlei Hinsicht auf einzigartige Weise dazu geeignet, sowohl von Bemühungen im Hinblick auf ESG-Aspekte zu profitieren als auch solche Bemühungen zu finanzieren. Emittenten kehren – anders als beim Aktienmarkt – häufig an den Anleihenmarkt zurück, wenn sie alte Schulden refinanzieren oder neue Gelder aufnehmen wollen. Hierdurch haben Anleihenanleger die einzigartige Gelegenheit, Risiken zu ermitteln, Emittenten in die Pflicht zu nehmen und Beziehungen aufzubauen, die den Wandel beeinflussen können. Wir glauben, dass es beim Investieren nach ESG-Kriterien nicht nur um eine Partnerschaft mit jenen Emittenten geht, die bereits einen fest verankerten Ansatz im Hinblick auf ESG-Aspekte unter Beweis stellen, sondern auch darum, sich bei jenen zu engagieren, die ihre eigenen Initiativen verbessern wollen und bereit sind, mit Kreditgebern zusammenzuarbeiten, um ihre Ziele zu erreichen.

Zudem ist langfristiges Denken ein entscheidendes Merkmal von ESG-Initiativen, was Anleihenanlegern sehr entgegenkommt. Das gilt insbesondere für PIMCO, da das Fundament unseres Anlageprozesses darin besteht, Risiken und Chancen auf den Märkten über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren zu ermitteln.

Wir glauben, dass die Einbindung von ESG-Analysen in Anleihenportfolios das Potenzial besitzt, attraktive langfristige Renditen zu liefern und gleichzeitig positive Wirkungen zu haben. Es muss nicht ein „entweder/oder“ sein – dieser Tatsache wird sich der Markt allmählich bewusst.

PIMCOs Nachhaltigkeitsinitiative widmet sich der unternehmensweiten Einbindung von Grundsätzen rund um Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG). Der Schwerpunkt unseres Anlageprozesses liegt auf der sorgfältigen Analyse allgemeiner langfristiger Trends, die zentrale Elemente der langfristigen Nachhaltigkeit sind.

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Autor

Gavin Power

Chief of Sustainable Development and International Affairs

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