Blickpunkt

Klima und COP26: Erkenntnisse zweier Teilnehmer

Hier präsentieren wir unsere Einschätzung der wichtigsten Ergebnisse des UN-Klimagipfels.

Als Teilnehmer der 26. UN-Klimakonferenz (COP26), die am 12. November endete, stufen wir ihren Ausgang weder als großen Erfolg noch als herbe Enttäuschung ein. Folgt daraus, dass sie für Anleger keine Konsequenzen hat?

Auf keinen Fall.

Denn es wurden wichtige neue Ziele und Initiativen seitens der Regierungen und des Privatsektors angekündigt, die klimabezogenen Anlegern Chancen eröffnen könnten.

Im Vorfeld von COP26 forderte UN-Generalsekretär Antonio Guterres institutionelle Anleger dazu auf, nach Glasgow zu reisen und die Regierungen dazu zu drängen, umfassendere Verpflichtungen einzugehen.

Das geschah auch. Doch bevor wir die wichtigsten politischen und privatwirtschaftlichen Maßnahmen zusammenfassen, die auf dem Gipfeltreffen beschlossen wurden, sei auf eine aktualisierte Analyse der Internationalen Energieagentur (IEA) hingewiesen, aus der Folgendes hervorgeht: Wenn die Länder ihren aktuellen Verpflichtungen – gemäß ihren Strategien zur Erfüllung der Nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) – nachkommen, würde dies ausreichen, um die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert auf etwa 1,8 Grad Celsius zu begrenzen.

Dieses optimistische Szenario der IEA basiert größtenteils auf den neuen Zielen der Länder, die im Vorfeld und während der Klimakonferenz bekannt gegeben wurden, unter anderem von Indien, das sich zur Klimaneutralität bis 2070 verpflichtet hat – ein großer Schritt für den drittgrößten Emittenten der Welt.

Offen gesagt legt die Analyse der IEA allerdings zugrunde, dass die Länder ihre angekündigten Verpflichtungen und Zusagen in vollem Umfang umsetzen, was höchst unwahrscheinlich ist. Die meisten Klimawissenschaftler sagen einen Temperaturanstieg zwischen zwei und vier Grad Celsius voraus – mit den unterschiedlichsten Auswirkungen auf den Planeten.

Im Folgenden fassen wir unsere Einschätzung der wichtigsten Ergebnisse von COP26 zusammen mit Blick auf politische Maßnahmen und Initiativen des Privatsektors sowiederen Bedeutung für Anleger.

Die politische Ebene

  • Rund 200 Staaten haben sich auf den Glasgow-Klimapakt geeinigt, der die Staaten dazu aufruft, ihre Klimaschutzanstrengungen im Einklang mit den Pariser Zielen deutlich zu intensivieren. Außerdem ist es das erste Klimaabkommen, das sich direkt mit der Rolle der fossilen Brennstoffe auseinandersetzt – und „Bemühungen in Richtung eines Ausstiegs“ aus der Kohlenutzung beinhaltet –, während es allgemeine Regeln für die Kohlenstoffmärkte aufstellt.
  • Die Geberländer haben ihr Versprechen bekräftigt, jährlich 100 Milliarden US-Dollar bereitzustellen, um Entwicklungsländer im Umgang mit den Folgen des Klimawandels zu unterstützen – ein Ziel, das nach Angaben des US-Klimagesandten John Kerry im Jahr 2022 und damit zwei Jahre später als geplant erreicht werden könnte.
  • Die USA haben ein umfassendes Maßnahmenpaket verkündet, um den Ausstoß von Methan – einem der schädlichsten Treibhausgase – im Zuge der nationalen Öl- und Gasförderung zu senken. Der sogenannte US-Aktionsplan zur Reduzierung des Methan-Ausstoßes sollte fortan eine Säule der US-Klimapolitik sein und wurde von mehr als 100 Ländern unterstützt, die an der Klimakonferenz teilnahmen.

Der Privatsektor

  • Wie die so genannte Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ) unter Leitung des UN-Klimaschutzbeauftragten Mark Carney bekannt gab, gehören dem Kollektiv inzwischen über 450 Unternehmen an, die 130 Billionen US-Dollar an Privatkapital beisteuern. Der UN-Generalsekretär betonte die Bedeutung, die Vermögensinhabern beim Vorantreiben des Wandels über Initiativen wie die Net-Zero Asset Owner Alliance, zu deren Gründungsmitgliedern PIMCOs Muttergesellschaft Allianz gehört, zukommt.
  • Mehr als 30 Finanzinstitute kündigten an, sich gegen die Abholzung von Wäldern stark zu machen, mit Fokus auf die Bereiche Rindfleisch, Soja, Palmöl, Zellstoff und Papier. Ihr Ziel besteht darin, der durch Rohstoffneschaffung verursachten Entwaldung ein Ende zu bereiten.
  • Führende Versicherungsunternehmen, die unter den Teilnehmern des Klimagipfels waren, bezeichneten den Klimawandel als „ultimatives systemisches Risiko“ und plädierten für einen reibungslosen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Weltwirtschaft. Wie der Verband der britischen Versicherer erklärte, „besteht die Gefahr, dass bei einem ungeordneten Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft viele der Vermögenswerte, in die Versicherer investieren, ohne Vorwarnung an Wert verlieren“.

Anlagekonsequenzen

  • Unserer Ansicht nach sollten Anleger, die sich für klimabezogene Investitionen interessieren, die aktualisierten Nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs) prüfen oder – noch besser – alle NDCs. Diese stellen in vielerlei Hinsicht Fahrpläne für die Vermögensanlage dar – indem sie die nationalen Zielsetzungen und Finanzierungsbedürfnisse aufzeigen, die wohl größtenteils durch private Investitionen und Finanzmittel gedeckt werden müssen.
  • Es ist zu erwarten, dass dem Markt für Klima- und grüne Anleihen (neben dem breiteren Markt für nachhaltigkeitsgebundene Anleihen) ein exponentielles Wachstum bevorsteht, da sowohl Staaten als auch Unternehmen ihre Emissionen zur Finanzierung der Klimaneutralität und anderer Klimaverpflichtungen aufstocken werden. Daraus sollten sich neue Chancen für klimaschutzorientierte Festzinsanleger ergeben, sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern.
  • Nach unserem Dafürhalten wartet auch die nachhaltige Infrastruktur als Anlageklasse mit immensen globalen Anlagechancen auf, und es gibt neue Wege, um etwa Entwicklungsbanken und den Privatsektor zusammenzubringen und dem nachzugehen, was wir für überzeugende kommerzielle Anlagegelegenheiten halten. In der Tat wurden auf dem 26. Klimagipfel zahlreiche Diskussionsrunden über Entwicklungsbanken und Privatinvestitionen veranstaltet, auch über Themen wie die Mischfinanzierung. PIMCO nahm an einer solchen Sitzung teil, die von IDB Invest abgehalten wurde, sowie an einer Diskussionsrunde über Investitionen in dezentrale Energiesysteme in Afrika (veranstaltet von der Shell Foundation unter Teilnahme der CDC, der U.K. Development Bank und der Rockefeller Foundation) und an einer Sitzung zum Thema Liquiditäts- und Nachhaltigkeitserfordernisse in Afrika, die von der UN-Wirtschaftskommission für Afrika abgehalten wurde.
  • Was die Sorge der Versicherungsbranche um einen ungeordneten Übergang betrifft, sind wir der Meinung, dass die Anleger mit kohlenstoffintensiven und anderen betroffenen Unternehmen zusammenarbeiten sollten, um sie frühzeitig in der Umstellung auf nachhaltigere Anlagen und Geschäftsmodelle zu unterstützen.

Ein abschließendes Wort: Ohne die Klimakonferenzen der Vertragsparteien – deren 27. Runde (COP27) nächstes Jahr in Ägypten stattfinden wird – gäbe es kein internationales Forum, das die Zusammenarbeit und koordinierte Maßnahmen zur Bewältigung eines wahrlich globalen Problems fördern würde. Die gute Nachricht ist, dass der Privatsektor inzwischen einen festen Platz am Tisch zu haben scheint.


1 Mark Carney ist Mitglied des Global Advisory Board von PIMCO
Autor

Scott A. Mather

CIO U.S. Core Strategies

Gavin Power

Chief of Sustainable Development and International Affairs

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