PIMCO und das Center for Decision Research (CDR) der Booth School of Business der Universität Chicago kündigten vor Kurzem eine Partnerschaft zur Unterstützung der Forschung des CDR im Bereich Verhaltenswissenschaften an, die Verhaltensökonomie und verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie einschließt. Als Anerkennung für diese Forschungsförderung wurden die Forschungseinrichtungen des CDR in PIMCO Decision Research Laboratories umbenannt. Darüber hinaus wurde ein neues, leicht zugängliches Forschungslabor für Verhaltenswissenschaften eröffnet, um die Öffentlichkeitsarbeit zu vertiefen und den Umfang sowie die Diversität der Studienteilnehmer zu vergrößern.

In der folgenden Frage-und-Antwort-Runde diskutieren Richard Thaler, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2017 und Professor an der Booth School, und Emmanuel Roman, Chief Executive Officer von PIMCO, die Vorteile der verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie für Anlageentscheidungen, die Vermögensverwaltungsbranche und die Gesellschaft.

Frage: Warum sollten sich Anleger für die verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie interessieren?


Roman: Die verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie ist ein spannendes Gebiet und bietet einen guten Einblick in die Preisbildung von Vermögenswerten. Sie kann menschliche Fehler und Verzerrungen bei der Entscheidungsfindung aufzeigen und den Entscheidungsträgern Werkzeuge an die Hand geben, die zu besseren Ergebnissen beitragen können. Die Forschungsergebnisse haben das Potenzial, so gut wie jeden Menschen zu einem besseren langfristigen Anleger zu machen.

Wenn wir unsere Branche betrachten und überlegen, was wir für unsere Kunden erreichen wollen, sind höhere risikobereinigte Renditen unser Ziel. Wir glauben, dass die Märkte insgesamt schnell neue Informationen widerspiegeln und dem nahekommen, was Wissenschaftler als „effizient“ bezeichnen. Wir glauben aber auch, dass es an den festverzinslichen Märkten langfristige strukturelle Ineffizienzen gibt, durch die die Alpha-Generierung im Vergleich zu den Aktienmärkten etwas leichter fällt. Daher sollten Vermögensverwalter regelmäßig überprüfen, wie sie über den Konjunkturzyklus hinweg eine gleichbleibende Outperformance erzielen und sich von ihren Wettbewerbern absetzen möchten.

Wir erkennen zwei Bereiche, die das Potenzial aufweisen, wesentlich zu einer Outperformance beizutragen: bessere Entscheidungen treffen und über differenzierte sowie überlegene Daten verfügen. Mit den von PIMCO im Jahr 2018 angekündigten Partnerschaften sollen diese Bereiche verbessert werden. Durch unsere neue Partnerschaft mit dem Center for Decision Research wollen wir fundierte Forschung, die zu einem tieferen Verständnis des menschlichen Verhaltens und der Entscheidungsfindung beiträgt, fördern und tatkräftig unterstützen. Davon versprechen wir uns Erkenntnisse, die bestehende Techniken von PIMCO ergänzen können, mit denen wir schon jetzt Verzerrungen innerhalb unseres Anlageprozesses kontrollieren und klügere Entscheidungen für Portfolios und letztlich unsere Kunden erreichen möchten. Das Hinterfragen unserer Annahmen ist schon seit Langem ein zentraler Bestandteil von PIMCOs Unternehmenskultur. Zu unseren vierteljährlichen Anlageforen laden wir beispielsweise hochkarätige Referenten aus den Bereichen Kapitalanlage, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und anderen Bereichen ein. Eine lebhafte Debatte ist in unseren internen Beratungen die Regel, nicht die Ausnahme. Das gilt auch für die täglichen Sitzungen unseres Investmentkomitees, wobei wir solchen Diskussionen die neuesten Forschungsergebnisse in einem breiten Spektrum von Bereichen zugrunde legen.

Im Juli 2018 gaben wir eine Partnerschaft mit dem California Institute of Technology (Caltech), dem weltweit renommierten Institut für Wissenschaft und Ingenieurswesen, bekannt. In diesem Rahmen möchten wir untersuchen, wie Künstliche Intelligenz zum Anlageprozess beitragen kann. Wir richteten das PIMCO Postdoctoral Fellowship in Computing and Mathematical Sciences und das PIMCO Graduate Fellowship in Computing and Mathematical Sciences ein. Durch dieses Sponsoring bauen wir entscheidende Verbindungen zwischen PIMCO und Forschern an der Schnittstelle von Datenwissenschaft, maschinellem Lernen und Wirtschaftswissenschaften auf. Die quantitative Analyse ist seit Jahrzehnten ein integraler Bestandteil unseres Anlageprozesses, und weitere Investitionen in diesem Bereich sollten uns helfen, auf diesem sich schnell entwickelnden Gebiet an der Spitze zu bleiben.

Frage: Herr Thaler, ein Thema in der verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie, das jeden betrifft, ist die Finanzierung des Ruhestands, ein Bereich, in dem Sie viel gearbeitet haben. Könnten Sie darauf und auf die weitere Entwicklung eingehen?


Thaler: Eine Diskussion über den Ruhestand beginnt mit dem breiteren Thema Finanzkompetenz und mit der Feststellung, dass das Thema für viele, wenn nicht gar alle Menschen herausfordernd ist. Ich würde argumentieren, und es gibt reichlich Studien, um dieses Argument zu bestätigen, dass wir es zwar für nützlich halten, die Menschen über Finanzthemen aufzuklären, eine solche Ausbildung in der Praxis aber nur begrenzt von Nutzen ist. Es ist nicht so, dass die Leute dumm wären. Es liegt vielmehr daran, dass die Probleme groß sind.

Forscher, darunter auch ich selbst, und andere Akteure innerhalb der Branche haben in den vergangenen 20 Jahren daran gearbeitet, das Sparen für Mitarbeiter durch automatische Beitritte und Beitragssteigerungen zu erleichtern. Und Arbeitgeber haben damit begonnen, Fonds mit sinnvolleren Laufzeiten im Hinblick auf den Ruhestand anzubieten. So offensichtlich vorteilhaft das auch ist – die Vorsorgeguthaben haben mit zunehmender Verbreitung dieser Praxis deutlich zugenommen –, dauerte es Jahre, bis es schließlich dazu kam.

Diese Ansätze ermöglicht es den Menschen, nicht viel über die Lösungen nachdenken zu müssen. Das nächste große Problem im Ruhestand ist, was man tun sollte, sobald er beginnt. Wir nennen das Dekumulation. Im Mittelpunkt stand immer nur die Frage, wie man genug sparen kann, um in den Ruhestand gehen zu können. Wenn Sie aber das richtige Alter erreicht haben, wie verteilen Sie dann die Ersparnisse über eine unbekannte restliche Lebensdauer? Wenn man mit 70 in den Ruhestand geht, kann es sein, dass die Ersparnisse 10, 20 oder sogar mehr als 30 Jahre reichen müssen. Dieser Zeitraum kann sich noch verlängern, wenn man früher pensioniert wird oder einen jüngeren Ehepartner hat. Ich glaube, dass die Dekumulation eine kompliziertere Herausforderung ist als die Kumulierung. Meine Generation, die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit, hat damit begonnen, in den Ruhestand zu gehen. Wer es geschafft hat, sich Ersparnisse aufzubauen, wird viel Hilfe brauchen, um diese lange genug zu erhalten. Zumindest aus meiner Sicht ist das ein Problem, über das man nachdenken sollte.

Frage: Ein weiteres relevantes Thema für Vermögensverwalter und wohl fast für jeden Menschen im Erwerbsleben ist das Organisationsmanagement. Wie könnte die Verhaltensforschung (die ja die verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie beinhaltet) dazu beitragen, dass Unternehmen effektiver arbeiten können?


Thaler: Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Personalabteilungen im Allgemeinen am meisten von den Erkenntnissen der Verhaltensforschung profitieren könnten. Das Problem is, die institutionelle Schwerfälligkeit zu überwinden. Denken Sie an die Einstellung von Mitarbeitern: Warum führen Personalverantwortliche immer noch das traditionelle Bewerbungsgespräch? Seit ungefähr vierzig Jahren gibt es zahlreiche Belege dafür, dass ein traditionelles Bewerbungsgespräch nur sehr wenig oder gar nichts darüber aussagt, wie ein Kandidat nach der Einstellung abschneiden wird. Wenn ein Personalverantwortlicher ein 30-minütiges Gespräch nutzt, um Fragen zu stellen wie „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?“, wird das nicht viele Hinweise liefern. Das nennt sich Status-quo-Verzerrung. Sehr viele Dinge tun wir nur, weil wir sie schon immer getan haben. Das zu ändern ist sehr schwer. Wenn Sie vielversprechende Kandidaten haben, schlage ich vor, Einstellungsgespräche als Rekrutierungsinstrument zu nutzen und die Bewerber dadurch für die Arbeit in Ihrem Unternehmen zu begeistern.

Nach der Einstellung gibt es mehrere Bereiche, in denen sich eine Untersuchung und Verbesserung lohnt, zum Beispiel der Bereich Coaching. Sportmannschaften sind dafür bekannt, Daten zur Leistungsmessung zu verwenden. Bei einer richtigen Verwendung helfen sie den Spielern, ihre Stärken zu nutzen. Beim Basketball zum Beispiel gibt es unglaubliche Datenmengen darüber, was die Spieler in jeder Sekunde des Spiels machen, wie oft sie beispielsweise von bestimmten Positionen auf dem Platz aus werfen. Ein Anlageverwalter wie PIMCO könnte Daten über Handelsgeschäfte und Händler sammeln und auswerten, um zu erkennen, was die Händler zu einer Entscheidung veranlasst hat und was das Ergebnis war. Wenn Sie jemandem beibringen können, einen Freiwurf zu treffen, könnten Sie ihm wahrscheinlich auch beibringen, ein besserer Händler zu sein. Ich denke, dass wir in fast keinem Bereich genug Coaching betreiben.

Frage: Gibt es noch etwas hinzuzufügen, Herr Roman?


Roman: Ich möchte noch einmal auf das Thema der Vermögensdekumulation im Ruhestand zurückkommen. Zunächst einmal wollen wir bei PIMCO mehr tun, als nur eine überdurchschnittliche Anlage-Performance zu erzielen. Wir arbeiten mit unseren Kunden zusammen, um innovative Lösungen für komplexe Probleme zu finden. Die Finanzierung des Ruhestands ist eines der größten Probleme, mit denen Menschen konfrontiert sind. Unsere Client Analytics Group hat für US-Kunden zu diesem Thema einen Text mit dem Titel „Income for the Retirement Years“ (Einkommen für die Ruhestandsjahre) verfasst. Darin wird erörtert, wann man in Rente gehen sollte, wie man seine Vermögenswerte aufteilen sollte und ob der Abschluss eines Vertrags über eine Leibrente empfehlenswert ist. In einem Modell kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die empfehlenswerte Mischung aus Aktien und Anleihen im Ruhestand stark vom Vermögen einer Person abhängt. Die Entscheidung, eine Rentenversicherung abzuschließen, ist aber über das gesamte Vermögensspektrum hinweg relativ konsistent, wenn auch mit unterschiedlichen Allokationen. Ich empfehle die Lektüre dieses Textes, und wir beabsichtigen, unsere Kunden auch weiterhin bei der Dekumulation zu unterstützen.

Abschließend kann ich nicht genug betonen, wie wichtig es ist, dass Vermögensverwalter und alle Anleger allgemein über die für ihre Schwerpunktbereiche relevante Forschung auf dem Laufenden bleiben. Dies ist entscheidend, wenn man vermeiden möchte, frühere Schritte einfach zu wiederholen und dadurch Bestätigungsfehler zu begehen, neue Chancen zu verpassen und möglicherweise von sich entwickelnden Risiken überrascht zu werden. PIMCO und das CDR haben vor, bei einer Reihe von Forschungsprojekten im gesamten Spektrum der Verhaltenswissenschaften zusammenzuarbeiten. Wir möchten unsere Fähigkeit stärken, eine Outperformance für unsere Kunden zu erreichen und ihnen innovative Lösungen anzubieten.

In Entscheidungen investieren

Die PIMCO Decision Research Laboratories des Center for Decision Research der Booth School of Business der University of Chicago ermöglichen es Wissenschaftlern, Verhaltensforschungsexperimente mit dem größtmöglichen Einfluss dort durchzuführen, wo Menschen tatsächlich leben und arbeiten. PIMCO fördert durch diese innovative Partnerschaft mit der University of Chicago vielfältige und fundierte Forschungen, die zu einem tiefer gehenden Verständnis des menschlichen Verhaltens und der Entscheidungsfindung beitragen, und unterstützt Führungskräfte dabei, im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich klügere Entscheidungen zu treffen.

Autor

Emmanuel Roman

Chief Executive Officer

Richard Thaler

Distinguished Service Professor of Economics and Behavioral Science an der University of Chicago's Booth School of Business

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