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US‑Handelszölle: Auswirkungen auf Anleihen asiatischer Technologie- und Konsumgüterunternehmen

Während größere chinesische Unternehmen die Auswirkungen von Zöllen verkraften dürften, könnten kleinere Unternehmen und andere offene Volkswirtschaften Asiens in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die US-Zölle und Handelskonflikte beherrschten in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen. Da bestimmte Zölle direkt gegen China gerichtet waren, antwortete Peking Anfang Juli umgehend mit eigenen Zöllen auf bestimmte US-Waren. Welche Bedeutung haben diese Zölle für Anleger, die in Anleihen von Technologie- und Konsumgüterunternehmen aus China und anderen asiatischen Ländern investiert sind?

Wir erwarten, dass die Zölle kurzfristig gesehen keine erheblichen Auswirkungen auf die Fundamentaldaten haben werden, da die meisten Emittenten von auf US-Dollar lautenden Anleihen des asiatischen Technologie- und Konsumgütersektors nur einen kleinen Teil ihrer Umsätze in den USA erwirtschaften. Angesichts der anhaltenden Schlagzeilen über die Handelskonflikte gehen wir allerdings davon aus, dass Anleihen von asiatischen Technologie- und Konsumgüterunternehmen in gewissem Maße unter Marktschwankungen leiden werden.

Längerfristig dürften für den Umfang der Auswirkungen die Größe und der Standort der Unternehmen ausschlaggebend sein. Größere Unternehmen in China sollten die Auswirkungen von Zöllen verkraften können. Kleinere chinesische Firmen und offene Volkswirtschaften Asiens, in denen viele Unternehmen in die USA und nach China exportieren, wie etwa Südkorea, Taiwan und Singapur, dürften hingegen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Kleine Unternehmen in China und offene Volkswirtschaften in Asien sind unter Umständen anfällig

Gemäß Section 301 des Trade Act von 1974 erließ das Weiße Haus am 6. Juli Einfuhrzölle in Höhe von 25% auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden US-Dollar, wobei wichtige Konsumgüter wie Mobiltelefone und Fernseher jedoch ausdrücklich ausgenommen wurden. China konterte seinerseits mit Zöllen von 25% auf 545 US-Produkte im Wert von 34 Milliarden US-Dollar. Es wird erwartet, dass die USA in den kommenden Wochen ihre Zölle in Höhe von 25% auf weitere chinesische Waren im Wert von 16 Milliarden US-Dollar ausweiten werden. Darüber hinaus hat das Land mit zusätzlichen Steuern von 10% auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar gedroht. Dies dürfte allerdings nicht ohne Folgen für den US-Einzelhandel und die Verbraucher bleiben.

Wir gehen davon aus, dass größere Unternehmen die Auswirkungen dieser Zölle im Allgemeinen verkraften können, indem sie mit ihren US-Kunden verhandeln, Produktionskapazitäten von China in andere Länder verlagern oder die komplexe globale Lieferkette nutzen, um zum Zwecke der potenziellen Verringerung der Zollbelastung die Verteilung der internen Kosten auf die Tochtergesellschaften anzupassen.

Kleinere Unternehmen in China, die ihren Umsatz vorwiegend mit zu verzollenden Exporten erwirtschaften, dürften hingegen beeinträchtigt werden, vor allem weil diese Firmen bereits mit steigenden Löhnen und Sozialversicherungsbeiträgen sowie strengeren Umweltschutzgesetzen zu kämpfen haben. Private Unternehmen, bei denen es sich größtenteils um kleine und mittlere Firmen handelt, vereinten gemäß den chinesischen Zolldaten im Januar und Februar dieses Jahres rund 45% der chinesischen Exporte auf sich. Sollten die Zölle diese Unternehmen erheblich belasten, könnte dies für steigende Zahlungsausfälle im Inland und möglicherweise für soziale Instabilität sorgen.

Andere asiatische Länder, deren Wachstum von der Inlandsnachfrage abhängt, befinden sich in einer besseren Position, die aktuellen Handelskonflikte zu überstehen. Demgegenüber dürften offene Volkswirtschaften wie Südkorea, Taiwan und Singapur, die in hohem Maße nach China und in die USA exportieren, eher leiden. Gemäß DBS Group Research lag der Anteil der Exporte in die USA und nach China an den Gesamtexporten im Jahr 2017 für Taiwan bei 42,3%, für Südkorea bei 29,4% und für Singapur bei 23,1%.

Unternehmen in diesen Ländern mit Bezug zu Verbrauchertechnologien könnten von den Zöllen durchaus beeinträchtigt werden, da sie Teil komplizierter Lieferketten sind. Der Umsatz asiatischer Halbleiterunternehmen weist im Rahmen der Lieferkette von Apple etwa eine starke Abhängigkeit von den USA auf. Rund 70% des Umsatzes des weltgrößten Herstellers Taiwan Semiconductor Manufacturing Company wurde 2017 in den USA realisiert. Betrachtet man die Liste der Lieferanten von Apple im Jahr 2017, so stellt sich heraus, dass 25,8% der Zulieferer aus Taiwan, 5,9% aus Südkorea und 3,4% aus Singapur stammten.

Anlagekonsequenzen

Da die meisten Emittenten von auf US-Dollar lautenden Anleihen des asiatischen Technologie- und Konsumgütersektors nur einen begrenzten Teil ihrer Umsätze in den USA erwirtschaften, dürften die Zölle keine erheblichen direkten Folgen für ausstehende Anleihen haben. Kurzfristig könnten die Kurse allerdings von durch Schlagzeilen ausgelösten Marktschwankungen beeinflusst werden.

Wenn die US-Regierung chinesischen Unternehmen den Kauf oder den Zugang zu US-Unternehmen und -Technologien verwehrt, könnte dies längerfristig die Wachstumsaussichten beeinträchtigen. Einige protektionistische Maßnahmen gegen asiatische Technologieunternehmen wurden bereits umgesetzt. Hierzu zählen etwa die Verhinderung von Transaktionen, wie der Übernahme von MoneyGram durch Alibaba oder jener von Qualcomm durch Broadcom, und das Verbot für das Pentagon, Waren oder Dienstleistungen von ZTE oder Huawei zu erwerben. Wir werden die Entwicklung der US-Politik im Hinblick auf Anlagebeschränkungen und das geistige Eigentum genau beobachten.

Zwar könnte es sich als schwierig erweisen, in der komplizierten globalen Lieferkette der Verbraucherelektronik Zölle zu verhängen. Sollte sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China jedoch ausweiten, könnten die ausländischen Direktinvestitionen und die Portfolioanlagen in asiatischen Ländern in Mitleidenschaft gezogen werden. In Verbindung mit den Folgen der Zölle könnten hierunter das BIP-Wachstum und die Währungen dieser Länder leiden.

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Autor

Yishan Cao

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