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Das Ende vom Anfang

Auch wenn das Wahlergebnis die Unsicherheit in Verbindung mit dem Brexit erheblich verringert, beseitigt es sie nicht. Wird es eine Verlängerung der Übergangsfrist geben? Wie wird sich ein Abkommen auf die Wirtschaft auswirken? Während britische Banken und das britische Pfund, die seit dem Referendum 2016 besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden, immer noch Wertpotenzial besitzen, wirken die niedrige Renditen einbringenden britischen Staatsanleihen im Vergleich zu anderen Staatsanleihen wie US-Treasuries unattraktiv.

Boris Johnsons überwältigender Sieg bei der Parlamentswahl am Donnerstag wird seiner konservativen Partei ihre größte parlamentarische Mehrheit seit 1987 bescheren. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern Theresa May und David Cameron hat Boris Johnson jetzt eine Plattform, um als starker Premierminister zu regieren, ohne dem rechten Flügel der konservativen Partei oder der Democratic Unionist Party (DUP) Nordirlands allzu sehr entgegenkommen zu müssen.

Jetzt steht fest, dass das Vereinigte Königreich die Europäische Union (EU) Ende Januar offiziell verlassen wird. Es ist jedoch noch nicht klar, wie Boris Johnson die Verhandlungen über die künftige Beziehung mit Europa führen wird – er könnte jetzt einen kooperativeren Ansatz verfolgen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob er bei der Fiskalpolitik entschlossener vorgehen wird, als es das Wahlprogramm der konservativen Partei, das in erster Linie auf Sicherheit bedacht war, vermuten ließ.

Falls er sich dazu entschließt, verfügt der Premierminister über die Mehrheit, sich in der Mitte der politischen Landschaft zu positionieren, die die Labour-Partei unter der Führung von Jeremy Corbyn verlassen hat. Da sich Staatsanleihen derzeit auf historisch niedrigen Niveaus befinden, könnte der ehemalige Londoner Bürgermeister versucht sein, Fremdkapital aufzunehmen und in Infrastruktur und andere Projekte zu investieren, die den neuen nördlichen konservativen Wahlbezirken zugutekommen werden. Das Wahlprogramm der konservativen Partei sah eine fiskalische Expansion von etwas unter einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) vor, doch möglicherweise ist Johnson nun mutiger.

Wie geht es weiter?

Johnsons Brexit-Abkommen wird nach der Rückkehr des Parlaments am Dienstag, dem 17. Dezember, vorgelegt, wobei die letzte Lesung voraussichtlich Anfang nächstes Jahres erfolgen wird. Die Billigung des Brexit-Deals bedeutet, dass das Vereinigte Königreich die EU am 31. Januar verlassen und bis 31. Dezember 2020 in eine Übergangsphase eintreten wird. Sobald der Deal ratifiziert ist, werden das Vereinigte Königreich und die EU die Verhandlungen über die genaue Art der zukünftigen Handelsbeziehung aufnehmen. Unseres Ermessens nach gibt es zwei Szenarien, die mit etwa gleicher Wahrscheinlichkeit eintreten könnten:

  • Ein begrenztes Freihandelsabkommen. Das Ziel, ein umfassendes Freihandelsabkommen in weniger als einem Jahr auszuhandeln, wird sich wahrscheinlich als zu ehrgeizig erweisen, da der Abschluss ähnlicher Abkommen in der Vergangenheit in der Regel mehrere Jahre gedauert hat. Wahrscheinlicher ist es, dass die EU und das Vereinigte Königreich eine begrenzte Vereinbarung erzielen, die nur die wichtigsten Branchen abdeckt und beispielsweise den Handel in kleineren Dienstleistungssektoren bei künftigen Gesprächen regelt.
  • Eine Verlängerung der Übergangsfrist. Während sich die Konservativen in ihrem Wahlprogramm verpflichtet haben, die Übergangsfrist nicht zu verlängern, könnte ihre große Mehrheit Johnson ermutigen, dieses Versprechen zu brechen und bei den Verhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich eine gemäßigtere Haltung einzunehmen. Das Entscheidende ist, dass er seinen Weg frei wählen kann.

Vor allem schätzen wir das Risiko, dass das Vereinigte Königreich die Übergangsfrist ohne ein Abkommen beendet, als gering ein. Falls die Handelsverhandlungen scheitern, gehen wir davon aus, dass beide Seiten die Übergangsfrist verlängern – möglicherweise indem sie das Brexit-Abkommen Ende 2020 ändern oder indem sie vorübergehende Nebenvereinbarungen umsetzen, die den Übergang zu den Handelsbedingungen der WTO erleichtern.

Wie geht es an den Finanzmärkten weiter?

Nach einer Neubewertung nach der Wahl werden die Märkte ihre Aufmerksamkeit auf die Vorgehensweise der Regierung bei den künftigen Handelsverhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich, die mögliche Verlängerung der Übergangsfrist durch Boris Johnson und die Frage, ob sich das schwache makroökonomische Umfeld durch den Brexit-Deal verbessert, richten. Wie wir bereits in unserer Vorschau auf die Parlamentswahl geschrieben hatten, prognostizieren wir auf kurze Sicht ein begrenztes Aufwärtspotenzial für das Wachstum im Vereinigten Königreich, da die Unsicherheit über die genaue Art der Handelsbeziehung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich die Nachfrage wahrscheinlich weiterhin belasten wird. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass wir jetzt eine handlungsfähigere Regierung haben.

Die aktuellen Entwicklungen in Sachen Brexit werden im kommenden Jahr weiterhin für Schlagzeilen sorgen und zu Volatilität an den Finanzmärkten führen. Für diejenigen, die über die politischen Geschehnisse hinausblicken, werden sich jedoch bei britischen Risikoanlagen Relative-Value-Chancen ergeben: Unseres Ermessens nach ist das britische Pfund gegenüber dem US-Dollar immer noch günstig bewertet, und britische Banken bieten gegenüber europäischen Finanzinstituten mit einem ähnlichen Rating trotz der jüngsten Spread-Verengung nach wie vor Wertpotenzial. Der Anstieg des britischen Pfunds wird auch eine dämpfende Wirkung auf die britischen Break-even-Inflationsraten haben, da eine starke Währung die Importe verbilligt. Darüber hinaus werden britische Staatsanleihen unserer Meinung nach mit einer deutlich niedrigeren Rendite als US-Treasuries gehandelt, was zur Folge hat, dass ihre Bewertungen auf Relative-Value-Basis ausgereizt sind.

Die Umstände, die Fundamentaldaten und die Preise werden sich natürlich ändern, wenn Einzelheiten über die künftige Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU bekannt werden. Das Brexit-Drama ist noch lange nicht vorbei – die Wahl vom Donnerstag ist höchstens das Ende des ersten Akts.

Autor

Ketish Pothalingam

Portfoliomanager

Peder Beck-Friis

Portfolio Manager, Global Macro

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