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Trump, Zölle und Handel: drei Aspekte für Anleger

Nach unserer Einschätzung lassen die handelspolitischen Maßnahmen mit den potenziell stärksten Folgen für Wirtschaft und Markt noch auf sich warten.

Wie von uns bereits im Januar erwartet, richtet die Trump-Administration den Fokus im zweiten Amtsjahr auf die Handelspolitik. Dieses Thema, das Donald Trump schon lange beschäftigt, kommt nicht nur bei der politischen Basis gut an, sondern kann auch (mehr oder weniger) ohne den Kongress angegangen werden. Präsident Trump ist seit den 1990er-Jahren ein lautstarker Kritiker der US-Handelspolitik und ihres wachsenden Handelsdefizits und forderte von der Politik einen faireren, auf mehr Gegenseitigkeit beruhenden Handel ("reciprocal trade"). Diesen Begriff nutzte er bereits im Wahlkampf sehr häufig, und er hat ihn auch seit seinem Amtsantritt immer wieder ins Gespräch gebracht. Und der jüngste Anstieg des US-Handelsdefizits auf 57 Milliarden US-Dollar (saisonbereinigte Jahresrate) dürfte die Alarmstimmung in der Administration noch verstärken.

Während die jüngst eingeführten Zölle der Trump-Administration auf Aluminium und Stahl am meisten Beachtung finden, lassen die handelspolitischen Maßnahmen mit den potenziell stärksten Folgen für die Wirtschaft und den Markt nach unserer Einschätzung noch auf sich warten – insbesondere die Untersuchungen über die Nutzung geistigen Eigentums aus den USA durch China. 

Was ist bisher geschehen?

Im Januar kündigte die Administration mehrjährige Zölle auf Solarpaneele und Waschmaschinen gemäß Section 201 des Trade Act von 1974 an, einem Abschnitt des Handelsrechts, der dem Präsidenten die Verhängung von Zöllen auf bestimmte Produkte erlaubt, um einheimische Branchen zu „schützen“, wenn sie als durch den Handel „ernsthaft geschädigt“ gelten.

Ende Februar gab Präsident Trump seine Absicht bekannt, nach Section 232 des Trade Expansion Act von 1962 unbegrenzte Zölle auf Aluminium und Stahl zu verhängen (10% beziehungsweise 25%, mit einigen bedeutenden Ausnahmen, darunter für Kanada und Mexiko). Dies ist ein selten genutzter Abschnitt des Handelsrechts, der dem Präsidenten großen Spielraum zur Verhängung von Zöllen einräumt, um die „nationale Sicherheit“ zu schützen.

Drei wichtige Aspekte für Anleger

Anleger sollten an diese Punkte denken, wenn sie die jüngsten handelspolitischen Maßnahmen beurteilen: 

  1. Auch wenn die direkten Folgen der neuen Zölle für die US-Wirtschaft gering sein dürften, schaffen Zölle Gewinner und Verlierer – und wenn die Vergeltung eskaliert, könnten das US-Wachstum und wichtige Handelsbeziehungen auf breiterer Basis getroffen werden. Wie heftig sich die Zölle auswirken, wird zwischen Branchen und Regionen unterschiedlich sein, aber ganz allgemein stellen metallverarbeitende Branchen, die von höheren Input-Preisen beeinträchtigt werden, einen größeren Teil der US-Wirtschaft dar als die geschützten Branchen. So dürften US-Stahlproduzenten in Ohio, Indiana und Pennsylvania von den Zöllen profitieren, dies jedoch zum Nachteil anderer Branchen, die Primärverbraucher von Stahl sind, darunter Öl- und Gasförderung sowie Automobil-, Maschinen- und Anlagenbau. Nach Angaben des Bureau of Economic Analysis entfallen rund 0,8% des BIP auf die US-Stahlindustrie, während Branchen, die Stahl als primären Produktionsstoff verwenden, gemessen an der Wertschöpfung rund 3% des BIP stellen. Die Möglichkeit, dass die US-Handelspartner mit eigenen Maßnahmen Vergeltung für die Zölle üben, ist ein zusätzliches Risiko.
  2. Zwar scheinen viele Marktteilnehmer von den jüngsten Maßnahmen überrascht, doch diese waren schon längere Zeit absehbar. Das Verfahren nach Section 232 begann im April 2017, als das Handelsministerium selbst eine Untersuchung für Stahl und Aluminium einleitete, und im Mai ersuchten die Hersteller von Solarpaneelen und Waschmaschinen das Handelsministerium um Prüfung angeblich unfairer Praktiken von Handelspartnern.
  3. Die unter Umständen schwerwiegendsten handelspolitischen Entwicklungen, insbesondere das Ergebnis der Untersuchung über China nach Section 301, stehen noch aus. Section 301 des Trade Act von 1974 ist ein weiterer in jüngerer Vergangenheit selten genutzter Abschnitt des Handelsrechts, der dem Präsidenten großen Spielraum gewährt, um Zölle und sonstige Vergeltungsmaßnahmen für unfaire Handelspraktiken zu verhängen. Nach unserer Auffassung könnten der alleinige Fokus auf China (im Gegensatz zu anderen kürzlichen Maßnahmen mit breiterem Anwendungsbereich) und die äußerst umfangreichen Untersuchungen in Sachen Diebstahl geistigen Eigentums und erzwungenem Technologietransfer diese Auswirkungen verstärken. Auch wenn die Administration für ihre Entscheidung bis August 2018 Zeit hat, rechnen wir viel früher damit. Je nach Ergebnis der Untersuchung könnte Präsident Trump umfassende Zölle möglicherweise sogar auf Unterhaltungselektronik (wie Telefone) verhängen und die chinesischen Investitionen in den USA verringern. Tatsächlich deuten aktuelle Medienberichte darauf hin, dass die Administration Zölle in Höhe von 30 bis 60 Milliarden US-Dollar auf eine Vielzahl chinesischer Güter erwägt. Zwar sieht das Basisszenario von PIMCO eine relativ gemäßigte Reaktion Chinas auf diese Maßnahmen vor, doch wir erkennen ein Risiko, dass die Handelsspannungen abhängig von Umfang und Höhe der Zölle und Beschränkungen eskalieren.

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Autor

Libby Cantrill

Executive Office, Public Policy

Tiffany Wilding

Volkswirtin Nordamerika

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