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Steigende Handelsspannungen: Auswirkungen auf das Wachstum

Wir gehen davon aus, dass die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen handelspolitischen Maßnahmen relativ gering sein und weit hinter den bisher verabschiedeten wachstumsfördernden Maßnahmen zurückstehen werden. Eine weitere Steigerung der Handelsspannungen könnte den konjunkturellen Gegenwind jedoch verstärken.

Entsprechend unserer Einschätzung im vergangenen Monat, dass die bedeutenderen (und marktbewegenden) handelspolitischen Maßnahmen der Trump-Regierung noch bevorstehen, hat die jüngste Ankündigung von Zöllen auf chinesische Produkte im Zusammenhang mit der unter Berufung auf Section 301 des US Trade Act von 1974 eingeleiteten Untersuchung hinsichtlich des Vorliegens von Diebstahl amerikanischen geistigen Eigentums die Märkte in Aufruhr versetzt und die Unsicherheiten im Hinblick auf einen möglichen Handelskrieg verstärkt.

Zum aktuellen Zeitpunkt hat die Regierung zwar eine Vorschlagsliste mit rund 1.300 chinesischen Produkten veröffentlicht, auf die Zölle verhängt werden sollen (und erwägt Zölle auf zusätzliche Produkte im Umfang von 100 Milliarden US-Dollar), bisher wurden jedoch noch keine Zölle tatsächlich erhoben. Die Liste wird der Öffentlichkeit bis zum 11. Mai zur Stellungnahme vorgelegt, und am 15. Mai folgt eine öffentliche Anhörung. Während dies den USA und China theoretisch die Möglichkeit zur Aushandlung einer Vereinbarung gibt, die Zölle vollends verhindert, halten wir es für unwahrscheinlich, dass so schnell ein Kompromiss erzielt werden kann. Dies liegt insbesondere daran, dass die bisherigen Treffen zwischen amerikanischen und chinesischen Vertretern ohne Ergebnis blieben und die amerikanischen Entscheidungsträger der Überzeugung sind, dass China amerikanisches geistiges Eigentum unfair behandelt.

Die direkten Auswirkungen auf das BIP dürften moderat ausfallen ...

Dies vorausgeschickt rechnen wir damit, dass die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der angekündigten Zölle relativ moderat (aber durchaus negativ) ausfallen und von den positiven Folgen der jüngsten Steuer- und Investitionsgesetze auf das US-BIP überlagert werden.

Der Wert der rund 1.300 Produkte, die gemäß dem Bericht des US-Handelsbeauftragten möglicherweise mit einem zusätzlichen US-Einfuhrzoll in Höhe von 25% belegt werden, beläuft sich auf lediglich 46,3 Milliarden US-Dollar (etwa 0,2% des US-BIP), während gemäß den Daten der US-Außenhandelsbehörde (U.S. International Trade Commission) im Jahr 2017 aus dem Rest der Welt Waren im Wert von 2,3 Billionen US-Dollar in die USA importiert wurden. Zu den wichtigsten drei Produkten (nach dem Importwert chinesischer Produkte) zählen Computer und ähnliche Datenverarbeitungsgeräte sowie Datenspeicher (3,9 Milliarden US-Dollar), Medien-, TV- und Rundfunk-Komponenten und -Ausrüstung (1,1 Milliarden US-Dollar) sowie Sitze für Kraftfahrzeuge (0,4 Milliarden US-Dollar). Die meisten – wenn nicht sogar alle – dieser Waren können die USA aus anderen Ländern beziehen. Nur 7% des Gesamtwerts dieser von den USA 2017 importierten Produkte entfielen auf chinesische Importe.

Unterdessen hat China in gleicher Weise geantwortet. Der Wert der vom chinesischen Handelsministerium ausgewählten und mit Zöllen in Höhe von 25% belegten US-Produkte wird auf 48,8 Milliarden US-Dollar geschätzt (erneut etwa 0,2% des US-BIP). Im Vergleich dazu beläuft sich der Wert der jährlich weltweit exportierten US-Waren auf 1,5 Billionen US-Dollar. Zu den betroffenen Produkten zählen unter anderem Flugzeuge (15,7 Milliarden US-Dollar), Sojabohnen (12,3 Milliarden US-Dollar) und Fahrzeuge (8,3 Milliarden US-Dollar).

... der konjunkturelle Gegenwind könnte bei Ausbruch eines Handelskriegs jedoch zunehmen

Wir gehen zwar davon aus, dass die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen verhalten sein werden, eine weitere Steigerung der Handelsspannungen könnte den konjunkturellen Gegenwind jedoch verstärken. Ende vergangener Woche beauftragte Präsident Donald Trump den US-Handelsbeauftragten, neben den bereits angekündigten Zöllen auf chinesische Produkte im Wert von 50 Milliarden US-Dollar die Möglichkeit für Zölle auf weitere Produkte im Umfang von 100 Milliarden US-Dollar zu untersuchen, wobei er als Grund die "unfaire Vergeltung" Chinas für die jüngsten US-Maßnahmen anführte. Wir gehen davon aus, dass China erneut in gleicher Weise reagieren wird, wenn der US-Präsident diese Drohung umsetzt und auf praktisch alle Waren im Wert von 130 Milliarden US-Dollar, die die USA 2017 nach China exportiert haben, Zölle erhebt.

Das Ergebnis wird zum Teil von den bevorstehenden Maßnahmen zur Begrenzung chinesischer Investitionen in den USA abhängen, die die Trump-Regierung zwischen Mai und Anfang Juni ankündigen dürfte. Diese Maßnahmen könnten den traditionellen Überprüfungsprozess für chinesische Transaktionen des Ausschusses zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten (Committee on Foreign Investment in the United States, CFIUS) ausweiten. Die Regierung könnte sich jedoch auch auf das Gesetz über wirtschaftliche Befugnisse bei einer internationalen Notlage (International Emergency Economic Powers Act, IEEPA) berufen. Damit hätte das Weiße Haus Spielraum, umfangreichere und drakonischere Beschränkungen im Hinblick auf eine größere Bandbreite von chinesischen Investitionen anzuordnen, ohne dabei den strengen Richtlinien und Fristen des CFIUS unterworfen zu sein. Je nach Art dieser Beschränkungen sowie deren Zeitpunkt könnte China mit stärkeren Vergeltungsmaßnahmen reagieren.

Kein Bluff

Seit dem Wahlsieg von Präsident Trump haben wir dafür plädiert, seine Äußerungen im Hinblick auf den Handel ernst zu nehmen. Dies gilt insbesondere für seinen Wunsch nach einer Korrektur von seiner Ansicht nach schlechten Handelsabkommen und einem Vorgehen gegen unfaire Handelspraktiken und "böse Akteure". Während einige die jüngsten handelspolitischen Maßnahmen der USA als symbolische Maßnahmen verstehen, um China zurück an den Handelstisch zu bringen und eine schnelle und ordentliche Lösung zu finden, gehen wir tendenziell von einem längerfristigen Engagement aus sowie von potenziell erhöhten Handelsspannungen mit China hinsichtlich der Handelsbilanz des Jahres 2018 und darüber hinaus. Zwar dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuell von den beiden Ländern ergriffenen handelspolitischen Maßnahmen relativ gering sein (und weit hinter den bisher verabschiedeten wachstumsfördernden Maßnahmen zurückbleiben), jedoch möchten wir darauf hinweisen, dass die Handelsspannungen je nach den Ankündigungen im Hinblick auf chinesische Investitionen in den USA und den darauffolgenden Maßnahmen von China eskalieren könnten, was den konjunkturellen Gegenwind verstärken würde.

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Autor

Libby Cantrill

Executive Office, Public Policy

Tiffany Wilding

Volkswirtin Nordamerika

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