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Die US‑Wirtschaft ist gegen steigende Ölpreise nicht immun

Wir gehen davon aus, dass der jüngste Ölpreisanstieg für die US-Konjunktur eine moderate Belastung darstellen, doch die Inflation stützen wird.

Wie empfindlich reagiert die US-Wirtschaft auf steigende Ölpreise? Eine weit verbreitete Meinung ist, dass die steigende Energieerzeugung in den USA die Wirtschaft gegen die negativen Auswirkungen höherer Ölpreise immun gemacht hat. Als Beweis für die geringere Sensibilität führen viele den Zeitraum von 2014 bis 2016 an, als ein Einbruch der Ölpreise nicht zu der erwarteten deutlichen Konjunkturerholung führte.

Wir stimmen zwar zu, dass sich die Reaktion der US-Wirtschaft auf die Ölpreisentwicklung insgesamt verändert hat – größtenteils aufgrund einer rasch schrumpfenden Handelsbilanz im Energiesektor –, möchten jedoch davor warnen, aus den Ereignissen des Jahres 2014 zu viel abzuleiten. Die reduzierten Pipeline-Kapazitäten sowie weitere Engpässe dürften die Beschleunigung des Investitionswachstums, die normalerweise mit höheren Ölpreisen einhergehen würde, auf kurze Sicht drosseln.

Wir gehen daher davon aus, dass der jüngste Ölpreisanstieg für die US-Konjunktur eine moderate Belastung darstellen, aber die Inflation stützen wird.

Der Ölpreiseinbruch Ende 2014: Die Vergangenheit diktiert nicht automatisch die Zukunft

Die Entscheidung der OPEC im November 2014, die Fördermenge trotz der bereits erhöhten weltweiten Produktion und Vorräte aufrecht zu erhalten, führte bis Anfang 2016 zu einem Einbruch der globalen Rohölpreise um nahezu 75%. Wie die Vergangenheit gezeigt hat, müsste ein derartiger Ölpreisrückgang die Konjunktur der USA, einem Rohöl-Nettoimporteur, normalerweise insgesamt beflügeln, da er die reale Kaufkraft der Haushalte steigert und die Unternehmensgewinne fördert. Tatsächlich waren die US-Wirtschaftswachstumsraten in dieser Phase jedoch geringer.

Zu den Hauptgründen für diese atypische wirtschaftliche Reaktion zählen der Einbruch der Investitionen im US-Energiesektor und dessen Auswirkungen auf andere vorgelagerte Branchen. Zusammengenommen verringerten diese die positiven wirtschaftlichen Nettoeffekte niedrigerer Ölpreise deutlich. So sank etwa die Zahl der Bohrstellen für Erdgas und Erdöl zwischen Ende 2014 und Anfang 2016 um 80%, was zu einem Rückgang des realen US-BIP-Wachstums um nahezu 0,5 Prozentpunkte führte.

Angesichts der aktuell erneut steigenden Ölpreise möchten wir dennoch davor warnen, zu viel in die Erfahrungen von 2014 bis 2016 hineinzuinterpretieren. Während der Rückgang des US-Handelsdefizits bei Rohöl in den vergangenen fünf bis zehn Jahren den wirtschaftlichen Gegenwind abschwächen könnte, dürften einige Schlüsselfaktoren die potenziellen positiven wirtschaftlichen Impulse höherer Investitionen im Energiesektor begrenzen:

  • Engpässe bei qualifizierten Arbeitskräften sowie bei der Bohr- und Förderdruckausrüstung sowie verminderte Pipeline-Kapazitäten in zentralen Fördergebieten werden die Fähigkeit der US-Ölförderer, ihre Investitionsausgaben zu steigern, einschränken.
  • Die von der Regierung Trump angekündigten potenziellen Zölle auf Stahl und Aluminium, bei denen es sich um zentrale Materialien für Bohrausrüstungen handelt, könnten zudem den ökonomischen Wert zusätzlicher Investitionen verringern.

Die US-Ölförderunternehmen dürften die Vorteile höherer Ölpreise wohl eher für Bilanzsanierungen als für Investitionen nutzen, und die Verbraucher werden die höheren Benzinpreise zu spüren bekommen. Wir würden steigende Aktienrückkäufe und Dividendenausschüttungen erwarten, die den Druck auf die reale Kaufkraft teilweise ausgleichen würden. Letztendlich dürften steigende Ölpreise jedoch als regressive Verbrauchsteuer wirken.

Fazit

Wir gehen zwar nicht davon aus, dass der Ölpreisanstieg einen deutlich negativen Einfluss auf die US-Konjunktur haben wird (zumindest nicht in dem Umfang, wie er in der Vergangenheit zu beobachten war), warnen jedoch davor, zu selbstgefällig zu sein und davon auszugehen, dass die steigende US-Energieproduktion die Wirtschaft abschirmt. Anleger sollten unserer Auffassung nach gewisse wirtschaftliche Belastungen sowie Unterstützung für eine steigende Inflation erwarten.

Weitere Einschätzungen zu Rohöl und anderen Rohstoffen finden Sie in unserem "Asset-Allokation-Ausblick 2018".

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Autor

Greg E. Sharenow

Portfolio Manager, Real Assets

Tiffany Wilding

Volkswirtin Nordamerika

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