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Der Sommer der Handelsunzufriedenheit? Fristen, Schlagzeilen und Impulse für eine Eskalation

Angesichts der Anzahl potenzieller Impulse im kommenden Monat könnten wir eine Eskalation der Handelsrisiken erleben.

Entsprechend unserer Einschätzung im Januar 2018 stand der Handel in Washington ganz oben auf der politischen Agenda und überschattete einige Marktsegmente. Weiterhin sind wir der Meinung, dass US-Präsident Donald Trump in der Handelspolitik beim Wort genommen werden sollte. Viele Beobachter mögen seine Handelsansichten nur als politisches Wahlkampfthema aus dem Jahr 2016 betrachten, doch er war beim Thema Handelspolitik bemerkenswert konsequent. Ein Paradebeispiel dafür ist sein Interview in der Oprah Winfrey Show aus dem Jahr 1988.

US-Präsident Trump ist überzeugt, dass die USA beim Handel ausgenutzt werden. Da die Exekutive in der Handelspolitik eine hohe Flexibilität aufweist und seine Mitarbeiter seine Ansichten überwiegend teilen (wie beispielsweise der US-Handelsbeauftragte Bob Lighthizer), erwarten wir zumindest in absehbarer Zeit keine rückläufigen handelspolitischen Risiken. Vielmehr könnte es angesichts der potenziellen Impulse während des nächsten Monats zu einer Eskalation kommen.

Welche Wendepunkte für den Handel sollten die Anleger im Sommer im Auge behalten?

  • 12. Juni: Nordkorea-Gipfel in Singapur und Eröffnung einer neuen Niederlassung des American Institute in Taiwan. Überwiegend wird davon ausgegangen, dass die USA erst nach dem Nordkorea-Gipfel am 12. Juni Strafzölle auf chinesische Waren erheben werden. US-Präsident Trump neigt jedoch dazu, entgegen den Erwartungen zu handeln. Auch aus einem anderen Grund könnte dieses Datum bedeutend sein: Falls die USA einen Regierungsvertreter auf Ministerebene zur Eröffnung der neuen Niederlassung des American Institute, also der De-facto-Botschaft der USA in Taiwan, schicken, könnte China dies als Provokation betrachten, was die Spannungen weiter verstärken würde.
  • 15. Juni: Ablauf der Frist des Weißen Hauses für den Abschluss von Strafzöllen von 25% auf chinesische Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar als Bestandteil der US-Untersuchung nach Section 301 über Chinas Nutzung amerikanischer Technologie. Bei genauerer Betrachtung der Arten von Zöllen, die auf der vom Weißen Haus im März veröffentlichten Liste aufgeführt sind, ist zu erkennen, dass die Zölle darauf ausgelegt sind, China im Hinblick auf seine Strategie „Made in China 2025“ maximalen Schaden zuzufügen und gleichzeitig die Auswirkungen auf die US-Verbraucher zu minimieren. Es bestand zwar die Hoffnung, dass ein Mini-Deal über das Handelsdefizit erreicht werden könnte, sodass die Zölle vermieden werden. Nun aber werden erste Zölle auf chinesische Waren immer wahrscheinlicher, und diese würden sicherlich Vergeltungsmaßnahmen bewirken.
  • 20. Juni: Vergeltungszölle Europas auf US-Waren. Die EU hat bereits die Liste der US-Güter bekannt gegeben, die sie mit Zöllen belegen wird. Die Zölle sind auf einen maximalen politischen Druck ausgelegt, zum Beispiel Cranberries aus Wisconsin, dem Distrikt des Sprechers des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, oder Whisky aus Kentucky, dem Distrikt des Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell. Aus Washington ist zu hören, dass eine Entspannung unwahrscheinlich ist. Gegenseitige Retourkutschen zwischen der EU und den USA könnten die bereits angespannten Beziehungen zwischen den USA und ihren wichtigsten Verbündeten weiter verschlechtern.
  • 22. Juni: Öffentliche Kommentierungsfrist für die US-Untersuchung des Autosektors nach Section 232. Für diese Untersuchung stellt das die erste einer Reihe von Fristen in diesem Sommer dar. Es wird geprüft, ob Autoimporte ein nationales Sicherheitsrisiko darstellen und daher Zöllen unterliegen sollen. Falls die Regierung dem zustimmt, können wir weitere Vergeltungszölle, insbesondere aus Europa und Japan, erwarten.
  • 30. Juni: Erwartete Bekanntgabe von Beschränkungen chinesischer Beteiligungen in den USA. Zu dieser Meldung könnte es bereits früher kommen, insbesondere falls es keine weiteren Gespräche zwischen China und den USA gibt. Der 30. Juni wurde aber durch das Weiße Haus als Frist festgelegt.
  • Mitte bis Ende Juni: NAFTA-Vereinbarung (wetten Sie aber nicht darauf). Eine "NAFTA-Vereinbarung 2.0" scheint aus heutiger Sicht selbst in Grundzügen schwer erreichbar zu sein, vor allem weil von der EU Zölle beschlossen wurden. Gleichzeitig schien eine Vereinbarung auch ohne diese Zölle bereits schwer erreichbar zu sein. Unter Berücksichtigung der Fristen gemäß Trade Promotion Authority (TPA) muss eine verbindliche NAFTA-Vereinbarung wahrscheinlich Mitte bis Ende Juni im Kongress ankommen, falls eine Aussicht bestehen soll, dass es während der sogenannten „Lame Duck Session“ nach den Zwischenwahlen, also noch vor dem Antritt des neuen Kongresses, zu einer Abstimmung kommt. Ohne NAFTA 2.0 könnte das Risiko steigen, dass US-Präsident Trump einen Austritt zumindest androht.
  • 1. Juli: Präsidentschaftswahl in Mexiko. In Washington wird dieser Termin von vielen Beobachtern als endgültige Frist für eine NAFTA-2.0-Vereinbarung im Jahr 2018 betrachtet, da Verhandlungen mit einer neuen Regierung wohl eine Art Neustart bedeuten würden.
  • 1. Juli: Erwartete Vergeltungszölle Kanadas. Rechnen Sie mit Zöllen auf Stahl und Aluminium sowie auf Agrarprodukte.

Fazit: Anleger sollten im kommenden Monat einige Wendepunkte zum Thema Handel beachten. Eine Deeskalation der Spannungen ist zwar möglich, wir erkennen aber zumindest kurzfristig ein größeres Risiko einer Eskalation.

Weitere Informationen über Faktoren, die Volkswirtschaften und Märkte weltweit beeinflussen könnten, finden Sie in unserem jüngsten langfristigen Ausblick mit dem Titel „Unsanftes Erwachen“.

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Autor

Libby Cantrill

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