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Die Fed: Depression abwehren

Die zahlreichen Hilfen der Fed könnten dazu beitragen, die Märkte funktionsfähig zu halten, die wirtschaftliche Erholung zu beschleunigen und längerfristige Schäden zu vermeiden.

Die US-Wirtschaft wird dieses Jahr in eine Rezession stürzen. Allerdings könnte die Ankündigung der Federal Reserve Bank vom 23. März, eine unbegrenzte Zahl von US-Staatsanleihen und Hypothekenanleihen (Mortgage Backed Securities, MBS) zu kaufen sowie zahlreiche Hilfen einzuführen, die zum Ziel haben, das Finanzsystem zu stabilisieren, dazu beitragen, langfristige Schäden zu vermeiden und die wirtschaftliche Erholung zu beschleunigen.

Das unmittelbare Ziel der Fed ist es, den Kreditfluss in die Realwirtschaft am Laufen zu halten.

In den zurückliegenden Wochen hat das schiere Ausmaß, mit dem Anleger Risiken aus dem Weg gingen und in Liquidität flüchteten, die Finanzmärkte regelrecht überwältigt – und wohl auch die Wertpapierhändler und Banken, die dafür Sorge tragen, dass die Märkte funktionieren und Kapital im Finanzsystem effizient verteilt und allokiert wird. Eine nie zuvor gesehene Volatilität am Markt für US-Staatsanleihen und MBS – die ja als die sichersten Märkte für Anleger gelten – verschärften und beschleunigten diese Flucht in Liquidität sogar noch. Die großen Verwerfungen bei den Kursen pflanzten sich in anderen Sektoren des Anleihe-Spektrums fort und erreichten auch den Markt für Unternehmensanleihen und strukturierte Produkte.

Regulatorische und der Pandemie geschuldete operative Einschränkungen für Finanzinstitute mit Zugang zu herkömmlichen Darlehen der Fed (zum Beispiel durch das Diskont-Fenster und zeitlich befristete Tender) erschwerten es diesen, die kurzfristigen Kredite der Fed zu nutzen, um die Märkte zu stabilisieren. Das Resultat: Die Fed musste über neue Wege und Mittel nachdenken, wie sie auf direkterem Weg die Kreditmärkte, Firmen und Kleinunternehmer unterstützen kann.

Die Fed wagt den großen Wurf

Am Montag kündigte die Fed beispiellose Schritte an, die genau diese direkten Hilfen im Fokus hatten. Die Notenbank nahm dafür nicht eine Seite aus dem Strategiebuch der Krise von 2008 als Vorlage und verkündete nicht etwa ein unbefristetes Programm zum Aufkauf von US-Staatsanleihen und hypothekarisch gesicherte Wertpapieren. Sie versprach stattdessen neue Instrumente, um mit diesem einzigartigen Schock für die Wirtschaft fertig zu werden. Die Finanzkrise von 2008 traf damals vor allem Banken und andere Finanzdienstleister. Jetzt stehen jedoch Unternehmen, die nicht zur Finanzwelt gehören, im Epizentrum der Krise. Um mehr zielgerichtete Hilfen in diese Branchen zu pumpen, kündigte die Fed an, neue, sogenannte Special Purpose Vehicles (SPVs) zu schaffen. Diese SPVs sollen (1) Firmen direkten Zugang zu mittelfristigen Darlehen gewähren, (2) bereits auf dem Markt befindliche Firmen-Bonds guter Qualität auf den Sekundärmärkten aufkaufen und (3) forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) absichern, die nicht nur von Banken, Händlern und Maklern gehalten werden, sondern von einem breiteren Spektrum an Investoren.

Diese Maßnahmen ergänzen andere in der vergangenen Woche eingeführte Programme, die kurzfristige Kredite an Firmen gewähren durch die Ausgabe von Geldmarktpapieren. Das soll auch gewährleisten, dass Geldmarktfonds, die üblicherweise in kurzlaufende Firmenanleihen investieren, ausreichenden und direkten Zugang zu Liquidität haben für den Fall, dass aus diesen Kapital abgezogen wird. Summa summarum hat die Bilanz der Fed bereits jene 4,5 Billionen US-Dollar überschritten, die den Rekord nach der 2008er Finanzkrise markierten. Wir glauben, dass letzten Endes sogar die Grenze von sechs Billionen US-Dollar gut und gerne überschritten werden könnte.

Diese Programme sind weitreichend – und sie werden einem großen Kreis von Märkten und Institutionen zu Gute kommen. Schließlich werden sie flankiert von noch anderen Direkthilfen der Bundesregierung in Form von Zahlungen an Haushalte, Krediten für Kleinunternehmer und Rettungsschirmen für Branchen, die besonders betroffen sind von behördlich angeordneten Geschäftsschließungen. Das Gesetz, das der US-Kongress ausarbeitet, könnte insgesamt 1,5 bis 2,0 Billionen US-Dollar (das sind sieben bis neun Prozent des BIP) in die Wirtschaft pumpen und es der Fed erlauben, das Volumen ihrer Refinanzierungs-Fazilitäten auszuweiten, so dass schlussendlich vier Billionen US-Dollar zusätzlich an Darlehenskapazität zur Stützung der Wirtschaft zur Verfügung stünden.

Ziel ist eine rasche Konjunktur-Erholung

Es ist dennoch wichtig zu bedenken, dass diese Programme kein Allheilmittel sind und sie eine Rezession in der US-Wirtschaft nicht verhindern können (tatsächlich legen die laufenden Daten den Schluss nahe, dass sich die USA bereits in einer Rezession befinden).

Die US-Wirtschaft leidet gegenwärtig unter drei grundlegenden ökonomischen Schocks: Störungen im weltweiten Handel, behördlich verfügte Geschäftsschließungen und Unterbrechungen bei der Kreditversorgung aufgrund der ernsten Stress-Situation an den Finanzmärkten werden im zweiten Halbjahr zu einem starken Schrumpfen der US-Wirtschaft führen. Allerdings können die jetzt verkündeten Hilfsmaßnahmen dazu beitragen, die Wirtschaft vor dem Abrutschen in eine Depression zu bewahren.

Indem Haushalten und Firmen spezielle Finanzierungen gewährt werden, um die behördlich verfügten Unterbrechungen ihrer Geschäftstätigkeit zu überbrücken, kann sich die Wirtschaft schneller erholen, sobald die Pandemie abflaut. Dadurch ließen sich auch langfristige ökonomische Schäden vermeiden, die das Ergebnis einer Welle von Firmenpleiten und einem Anstieg der Zahl von langfristig arbeitslosen Menschen sein können.

Weitere Einschätzungen zur aktuellen Marktvolatilität und die Konsequenzen für Anleger lesen Sie auf unserer Seite Anlegen in unsicheren Zeiten.

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Autor

Tiffany Wilding

Volkswirtin Nordamerika

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