Blog

Das 60/40‑Portfolio bleibt aktuell

Gehört das 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen der Vergangenheit an? Dieser Meinung sind wir nicht.

Eine bearbeitete Fassung dieses Blog-Beitrags erschien ursprünglich in der „Financial Times“ vom 22. Dezember 2020.

In einem Jahr, in dem die Anleger infrage stellten, ob der traditionelle Mix aus Aktien und Anleihen – das sogenannte 60/40-Portfolio – überholt ist, wies die viel beachtete Benchmark1 dieser Strategie per 15. Dezember eine Rendite von elf Prozent aus. Dieses Ergebnis folgt auf drei Jahrzehnte mit einer annualisierten Rendite von 7,6 Prozent, trotz des stetigen Rückgangs der Zinssätze und der Sorge, dass die langfristige Hausse für Zinspapiere vorüber sei. Das neue Jahr wird Anleihen unweigerlich vor neue Herausforderungen stellen, und es bleibt offen, ob 60/40-Portfolios auch in Zukunft eine angemessene Anlagerendite einbringen können, und vor allem, ob Anleihen eine geeignete Ergänzung für risikoreichere Vermögensklassen wie Aktien sind.

Obwohl es über den langfristigen Anlagehorizont schwieriger sein dürfte, Renditen zu erzielen, werden Anleihen nach wie vor eine entscheidende Rolle in Anlageportfolios spielen. In der Tat tragen Anleihen zur Diversifikation und zur Unterdrückung der Volatilität in Multi-Asset-Portfolios bei (siehe Abbildung 1), was in den kommenden Jahren von besonderem Vorteil sein könnte, wenn die holprige Erholung und der langfristige Wandel der Weltwirtschaft deutlich heftigere Schwankungen nach sich ziehen werden, als der Markt im vergangenen Jahrzehnt durchlebte.

Abbildung 1: Reine Aktienportfolios sind in der Regel volatiler als ein Mix aus Aktien und Anleihen

Volatilität über einen gleitenden Zeitraum von drei Jahren: 60/40-Multi-Asset- ggü. reinen Aktienportfolios

Traditionell gingen Anlagen in Festzinspapiere wie US-Staatsanleihen gleich mit zwei Vorteilen einher: einer Mehrrendite und einer Diversifikation für all jene, die in verschiedene Anlagegattungen investieren. In den letzten 30 Jahren rangierte die fixe und verlässliche Rendite von US-Staatsanleihen bei durchschnittlich vier Prozent, womit sie einen Beitrag zur Gesamtrendite von Multi-Asset-Portfolios leistete. Tatsächlich wurden 2,3 Prozent der Rendite, die das zuvor beschriebene 60/40-Multi-Asset-Portfolio in den letzten drei Jahrzehnten erzielte, von festverzinslichen Wertpapieren generiert. Diese Rendite war mit einem geringen Kapitalverlustrisiko behaftet und bot den risikoreicheren Anteilen der Anlageportfolios eine gewisse Stabilität in Zeiten hoher Kursschwankungen.

Diese historische Absicherungsfunktion von Festzinspapieren verhalf dem 60/40-Portfolio zu seiner heutigen Popularität. Während Aktien im Lauf der vergangenen drei Jahrzehnte 8,8 Prozent pro Jahr abwarfen, war die Anlageklasse von einer hohen Volatilität2 gekennzeichnet – diese lag im Schnitt bei 15 Prozent und beinhaltete drei Zeiträume, in denen der Markt, gemessen am MSCI ACWI Index, um mehr als 30 Prozent nachgab. Obgleich Aktien eine renditestarke Vermögensklasse sind, können sie den Portfolios erhebliche Risiken aufbürden, und eine Diversifizierung innerhalb der Anlageklasse schlägt oftmals dann fehl, wenn sie am nötigsten ist.

Anleihen sorgen dagegen für den nötigen Ballast. In den letzten zwei Jahrzehnten war die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen weitgehend negativ (siehe Abbildung 2), das heißt, dass Anleihen bei rückläufigen Aktienmärkten üblicherweise Kursgewinne verzeichneten. Diese negative Korrelation bzw. der dämpfende Effekt von Anleihen bescherte dem vorstehend beschriebenen Multi-Asset-Portfolio in Verlauf der vergangen 30 Jahre eine Volatilität von 9,1 Prozent, die um 5,9 Prozentpunkte unter jener eines reinen Aktienportfolios lag.

Abbildung 2: Die Korrelation von Anleihen- und Aktienrenditen bleibt negativ

Korrelation zwischen Aktien- und Anleihenrenditen über einen gleitenden Zeitraum von drei Jahren

Diese historische Beziehung zwischen Aktien und Anleihen steht in der heutigen Welt mit niedrigen und in einigen Fällen negativen Zinssätzen auf dem Prüfstand. Nichtsdestotrotz stellen volatile Zeiträume, in denen Anleger „sichere Häfen“ aufsuchen – wie etwa im ersten Quartal dieses Jahres –, die Eignung festverzinslicher Wertpapiere zur Absicherung von Aktien bei ultraniedrigen Zinsen nach wie vor unter Beweis. Trotz des geringen Ausgangsniveaus der Renditen zu Beginn des Jahres 2020 lieferten festverzinsliche Anlagen nach wie vor die erwartete Risikodiversifikation. Im Fall von Deutschland starteten die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen bereits leicht negativ in das Jahr 2020, um anschließend im Zuge der Covid-bedingten Volatilität des ersten Quartals auf ein Rekordtief von -0,86 Prozent zu sinken. Dagegen erbrachten US-Staatsanleihen während jeder US-Rezession der vergangenen fünf Jahrzehnte durchweg eine positive nominale Rendite.

In den bevorstehenden Jahren dürften die Märkte stärkeren Schwankungen unterliegen als im vergangenen Jahrzehnt – vor allem, wenn die Unterstützung der Geld- und der Fiskalpolitik schwindet, die Inflation allmählich anzieht und die Deglobalisierung des Handels und der Populismus womöglich einen anhaltend destabilisierenden Effekt auf die Politik ausüben. Darüber hinaus werden die durch den technologischen und demografischen Wandel bedingten Wirtschafts- und Marktumbrüche die Wahrscheinlichkeit von Extremrisiken erhöhen und die Unsicherheit verstärken. Mithin wird es für die meisten Anleger unabdingbar sein, Engagements mit volatilitätsdämpfenden Eigenschaften, wie beispielsweise Anleihen, in ihren Portfolios zu halten, um das Aktienrisiko in angespannten Zeiten teilweise auszugleichen.

Was die Renditekomponente angeht, bergen traditionelle festverzinsliche Anlagen, wie beispielsweise Nominalanleihen aus Industrieländern, kaum Potenzial, attraktive Renditen zu erwirtschaften. Schließlich haben die politischen Maßnahmen und die Risikoaversion in Reaktion auf Covid-19 die Renditen von Industrieländer-Staatsanleihen noch weiter in die Knie gezwungen. Anstelle dessen sollten die Anleger bestimmte Regionen und Abschnitte der Renditekurve ins Visier nehmen, um das Rendite- und Diversifikationspotenzial zu maximieren. Gelegenheiten bieten sich unter anderem bei erstklassigen Vermögenswerten, die politische Unterstützung erhalten, wie etwa hypothekarisch gesicherte Wertpapiere öffentlich-rechtlicher US-Emittenten und mit AA/AAA bewertete Investment-Grade-Unternehmensanleihen, besicherte Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern oder diversifizierende alternative Strategien.

Indem sie den Wert festverzinslicher Anlagen in seine zwei Komponenten untergliedern – erstens Absicherung und zweitens Rendite –, können Anleger ein gut diversifiziertes Fixed-Income-Portfolio zusammenstellen, das nach wie vor von enormem Nutzen für Multi-Asset-Portfolios sein kann.

Detailliertere Einschätzungen zu allen Anlageklassen finden Sie in unserem Asset-Allokation-Ausblick vom Dezember 2020: Anlegen in der Anfangsphase des Konjunkturzyklus: Navigieren der Wachstumserholung.“

Erin Browne ist Managing Director und Portfoliomanagerin in der PIMCO-Firmenzentrale in Newport Beach und konzentriert sich auf Multi-Asset-Strategien.



1 60 % MSCI All Country World Index Total Return (USD Unhedged)/40 % Bloomberg Barclays Global Aggregate Index (USD Unhedged)
2 annualisierte Standardabweichung
Autor

Erin Browne

Portfoliomanagerin, Asset-Allokation

Profil anzeigen

Latest Insights

ÄHNLICHE ARTIKEL

Rechtliche Hinweise

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie und kein zuverlässiger Indikator für künftige Ergebnisse.

Als „sicherer Hafen“ werden Anlagen bezeichnet, deren Wert auch in volatilen Märkten erhalten bleibt oder steigt.Anleger nutzen solche „sicheren Häfen“, um ihr Verlustrisiko bei Marktturbulenzen zu begrenzen. Alle Investments enthalten Risiken und können an Wert verlieren.

Anlagen am Anleihenmarkt unterliegen Risiken wie zum Beispiel Markt-, Zins-, Emittenten-, Kredit-, Inflations- und Liquiditätsrisiken. Der Wert der meisten Anleihen und Anleihenstrategien wird durch Zinsänderungen beeinflusst. Anleihen und Anleihenstrategien mit längerer Duration sind häufig sensitiver und volatiler als Papiere mit kürzerer Duration; die Anleihenpreise sinken in der Regel, wenn die Zinsen steigen, und das aktuelle Niedrigzinsumfeld erhöht dieses Risiko. Verringerungen der Kreditfähigkeit des Anleihenkontrahenten können zu einer niedrigeren Marktliquidität und einer höheren Kursvolatilität beitragen. Der Wert von Anlagen in Anleihen kann bei der Rücknahme über oder unter dem ursprünglichen Wert liegen. Diversifizierung schützt nicht vor Verlusten.

Aussagen zu Trends an den Finanzmärkten oder Portfoliostrategien basieren auf den aktuellen Marktbedingungen, die Schwankungen unterliegen. Es wird keinerlei Gewähr dafür übernommen, dass die angegebenen Anlagestrategien in jedem Marktumfeld erfolgreich durchsetzbar und für alle Anleger angemessen sind. Anleger sollten daher ihre Möglichkeiten eines langfristigen Engagements insbesondere in Phasen rückläufiger Märkte überprüfen. Anleger sollten vor einer Anlageentscheidung ihren Anlageexperten konsultieren. Ausblick und Strategien können jederzeit ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Eine Direktanlage in einem nicht verwalteten Index ist nicht möglich.

Building Resiliency Amid Uncertainty
XDismiss Next Article
Small Germany Flag

DE

unidentified

[Ändern]

Abonnieren
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.