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Konjunktur‑Boom: Drei Gründe, warum 2018 das Wachstum der Weltwirtschaft seinen Höhepunkt überschreiten könnte

Die Schlussfolgerung von PIMCOs Cyclical Forum ist, dass in 2017/2018 der Höhepunkt des Wirtschaftswachstum in diesem Konjunkturzyklus erreicht wird und dass Anleger sich auf die Risiken vorbereiten sollten, die 2018 und danach wieder vermehrt auftauchen können.

Klammert man einmal die Zombie-Apokalypse oder den urplötzlichen Absturz der Wertpapier-Preise aus, dann werden wir 2018 sehr wahrscheinlich eine Fortsetzung des Goldlöckchen-Umfelds sehen: ein synchrones, überdurchschnittliches Wachstum der Weltwirtschaft, dazu niedrige und nur sehr langsam ansteigende Inflationsraten.

Der Schluss, den wir daraus beim jüngsten Cyclical Forum von PIMCO gezogen haben, lautet: Die Jahre 2017 und 2018 könnten gleichwohl den Höhepunkt des Wachstums in diesem Zyklus markieren. Folglich sollten sich Investoren allmählich darauf vorbereiten, dass 2018 und danach wieder vermehrt Risiken auftauchen können.

Wir diskutieren unseren 2018er Ausblick und die daraus resultierenden Konsequenzen für Investments detailliert in unserem aktuellen Konjunkturausblick „Spitzenwachstum“.

Die Weltwirtschaft wächst weiter

Die aktuelle Wachstums-Dynamik ist in vielen Volkswirtschaften sogar noch kräftiger als erwartet. Das garantiert einen guten Start ins neue Jahr 2018. Ferner sorgen günstigere Refinanzierungs-Konditionen (was auf aufnahmefähige Märkte für risikoreiche Anlagen und noch immer niedrige Zinsen hindeutet) kurzfristig für anhaltenden Rückenwind. Hinzu kommen steuerpolitische Stimuli in den USA und eventuell bald auch in anderen Industriestaaten. China wiederum gelingt es, starke Schwankungen der heimischen Konjunktur und der lokalen Finanzmärkte zu unterbinden. Derweil verbessern sich die Fundamentaldaten in zahlreichen anderen Schwellenländern weiter. In der Summe führt das dazu, dass die Basis-Prognose von PIMCO für das reale Weltwirtschaftswachstum 2018 in einem Korridor von 3,0 bis 3,5 Prozent liegt.

Allerdings ist die Fortsetzung des Goldlöckchen-Szenarios schon nahezu vollständig in Konsens-Prognosen und Wertpapier-Kursen eingepreist. Während dem Cyclical Forum im Dezember bekräftigten wir unsere grundlegende Konjunkturprognose. Wir konzentrierten uns sodann auf die möglichen kürzer- und längerfristigen Konsequenzen eines synchronen Wachstums der Weltwirtschaft, die Steuerreform in den USA, die zu einem Zeitpunkt bereits hoher Ressourcenauslastung kommt, sowie auf die geldpolitische Normalisierung, die die wichtigsten Notenbanken begonnen haben.

Wir achten dabei im Besonderen auf diese drei entscheidenden Entwicklungen:

Anleihen auf die Zukunft

Erstens: Die anstehende expansive Fiskalpolitik in den USA scheint von der Politik, nicht etwa vom Konjunkturzyklus diktiert zu sein. Die Einlösung der Versprechen aus dem Wahlkampf 2016 – also Steuerkürzungen und höhere öffentliche Ausgaben im Vorfeld der Zwischenwahlen zum Kongress im Herbst 2018 – mag politisch sinnvoll sein, könnte auf längere Sicht aber nachteilige ökonomische Konsequenzen haben. Warum?

Das wohl Letzte, was eine Volkswirtschaft braucht, die sich nahe der Vollbeschäftigung befindet und die seit nunmehr neun Jahren wächst, ist ein zusätzlicher Schuss in den Arm von Seiten der Steuerpolitik. Die USA erhöhen ihre öffentliche Schuldenlast um 1,0 Billionen US-Dollar in den kommenden zehn Jahren, ohne dass dies zu einem deutlich höheren Wachstum und in der Folge zu höheren Steuereinnahmen führen wird. Wenn die Zinsen in der Zukunft wieder steigen, könnte sich das für den Staatssäckel als bitter erweisen. Am schwersten wiegt jedoch: Es hat stets einen Preis, wenn man sein steuerpolitisches Pulver dann verschießt, wenn die Wirtschaft rund läuft: Höhere Haushaltsdefizite und Schulden-Stände bedeuten, dass der Spielraum für steuerpolitische Anreize während der nächsten Rezession stärker begrenzt sein wird.

Konjunktureller Druck könnte die Inflation anheizen

Ein zweites großes Risiko, das unser 2018er Ausblick bereithält, ist dieses: Die Lohn- und/oder Preis-Inflation könnte schlussendlich doch noch deutlich anziehen, wenn die Beschäftigungsquote über ihr natürliches Maß hinausschießt.

Es gibt gute Gründe, warum dies bislang nicht passiert ist: Dazu zählt das langsame Wachstum der Produktivität, der jüngste Anstieg der Erwerbsquote und eine schwindende Verhandlungsmacht der Gewerkschaften.

Trotzdem steigt jetzt, 2018, das Risiko eines konjunkturbedingten Überschießens der Inflation. Gründe hierfür sind das synchrone Wachstum der Weltwirtschaft, die zusätzlichen steuerpolitischen Anreize, der jüngste Anstieg der Rohstoffpreise sowie extrem günstige Refinanzierungs-Konditionen für Kredite. Noch unterdrücken globale, strukturelle Kräfte die Inflation, aber der konjunkturbedingte Druck nimmt zu.

Das Risiko des geldpolitischen Overkills

Es gibt noch ein drittes Risiko für 2018: Es könnte sich herausstellen, dass die Normalisierung der expansiven Geldpolitik – die gutgemeint und angebracht ist, wenn man sich das ordentliche Konjunkturwachstum ansieht – von den Volkswirtschaften und den Kapitalmärkten eben doch als Belastung empfunden wird, weil diese nach niedrigen Zinsen und unterdrückten Prämien-Aufschlägen über alle Laufzeiten und über die gesamte Zinskurve hinweg regelrecht süchtig geworden sind.

Die Zeitenwende in der Politik der globalen Notenbanken stellt ein bedeutendes Risiko für die Märkte und Volkswirtschaften dar – insbesondere auch deshalb, weil sich die gerade formierende, neue Fed-Führung erst noch bewähren muss.

Joachim Fels ist PIMCOs Global Economic Advisor und schreibt regelmäßig Beiträge für den PIMCO Blog.

Autor

Joachim Fels

PIMCO-Chefvolkswirt

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