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Die Ölpreise dürften mit dem Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran steigen

Die letztendlichen Auswirkungen werden von den Antworten Russlands und der OPEC-Staaten auf die steigenden Preise und das sinkende Angebot abhängen.

Die Entscheidung der USA, aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen, hat möglicherweise tiefgreifende Auswirkungen auf den Ölmarkt. Der Rückzug aus dem Abkommen (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) sorgt zwar für viele bekannte Unbekannte, eine Verringerung der iranischen Fördermengen wird das Marktdefizit jedoch vermutlich verschärfen, was einen Aufwärtsdruck auf die Preise nahelegt.

Angesichts des zunehmend angespannten Ölmarkts haben wir unseren kurzfristigen Ausblick auf 80 US-Dollar je Barrel angehoben. Damit liegt dieser deutlich über unseren langfristigen Preiserwartungen, die sich im Bereich von rund 65 US-Dollar bewegen. Die Gesamtfördermenge der OPEC-Staaten liegt aufgrund des jähen Rückgangs der venezolanischen Produktion in den vergangenen sechs Monaten und des fehlenden Ausgleichs durch Erhöhungen anderer Mitglieder der Organisation nahezu 500.000 Barrel pro Tag unter der Quote. Unterdessen ist der Anstieg der US-Produktion in den kommenden 18 Monaten beschränkt und bietet damit wenig Ausgleichsmöglichkeiten für Rückgänge in anderen Ländern.

Wir erwarten, dass die iranischen Ölexporte in der zweiten Jahreshälfte im Vergleich zum ersten Halbjahr um 150.000 Barrel pro Tag sinken werden. Der Wert könnte 2019 auf 300.000 Barrel pro Tag steigen, wenn man annimmt, dass die auf der Grundlage von Exporten im Umfang von rund zwei Millionen Barrel pro Tag verlangte Kürzung um 20% nicht vollständig aber nahezu vollständig umgesetzt wird. Die Nettoauswirkungen auf den Ölmarkt könnten größer ausfallen, wenn die Exporte von Kondensaten und Flüssiggas ebenfalls beeinträchtigt werden. Letztendlich wird jedoch die Reaktion der OPEC auf die zunehmende Anspannung des Ölmarkts entscheidend sein, um zu bestimmen, wie groß das Ungleichgewicht wird und wie stark die Preise steigen können.

Rückzug der USA

Mit der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump am 8. Mai, dass die USA aus dem Atomabkommen aussteigen würden, begann ein 90 beziehungsweise 180 Tage dauernder Prozess, in dessen Verlauf sämtliche zuvor im Rahmen des 2015 von sieben Ländern unterzeichneten Abkommens aufgehobenen Sanktionen schrittweise wieder eingeführt werden. Neben dem Handel mit Erdöl werden die Sanktionen auch Einschränkungen im Hinblick auf Transaktionen mit der iranischen Zentralbank sowie Transportunternehmen und Versicherungsgesellschaften — entscheidende Akteure im Ölhandel — umfassen. Für die Ölmärkte war die vollständige Wiedereinführung der Sanktionen ohne einen klaren Ansatz zur Verhandlung eines neuen oder eines zusätzlichen Abkommens das günstigste Ergebnis.

Wie günstig das Ergebnis war, wird man jedoch erst nach Klärung einiger bekannter Unbekannter wissen. Obwohl die Sanktionen gegen Ölexporte in 180 Tagen wieder eingeführt werden und erwartet wird, dass die Handelspartner bereits davor das Importvolumen verringern werden, wird die Menge an Öl, die vom Markt genommen wird, von einigen wichtigen Variablen abhängen.

Angebot und Nachfrage

Zunächst müssen die Handelspartner des Irans ihre Importe in einem Maße reduzieren, dass die USA deren verbleibende Importe aus dem Iran teilweise zulassen. Dies lässt sich erst nach Rücksprachen mit den amerikanischen Handelspartnern klären.

Darüber hinaus dürften die Handelspartner des Irans sowie andere Unterzeichner des JCPOA ihre Käufe nur widerwillig reduzieren, und einige unter ihnen werden versuchen, ihre eigenen Unternehmen zu schützen und die Handelsbeziehungen aufrechtzuerhalten. Im Gegensatz zu 2012, als etwa die europäischen Sanktionen die Importe aus der Region unmittelbar von 650.000 Barrel pro Tag auf null verringerten und nicht, wie zur Verhinderung von US-Sanktionen nötig, alle 180 Tage um 20%, dürfte dies die Auswirkungen der Sanktionen reduzieren. Im Endeffekt wird viel davon abhängen, wie aggressiv die US-Regierung bei der Verhängung von extraterritorialen Sanktionen vorgehen wird.

Die letztendlichen Auswirkungen auf die Handelsbilanzen werden von den Antworten Russlands und der OPEC-Staaten auf die steigenden Preise und das sinkende Angebot abhängen. Der Druck von Verbündeten auf die OPEC-Staaten, die Lieferungen zu erhöhen, um Rückgänge bei den iranischen Öl-Exporten auszugleichen, wird infolge steigender Preise nur zunehmen, vor allem da dieser Anstieg unserer Ansicht nach das globale Wachstum belasten wird. In der Tat zeigen die aktuellen globalen Daten zur Nachfrage bereits eine Verlangsamung bei den georderten Raffinerieprodukten. Dieser Trend dürfte sich angesichts der jüngsten Preisanstiege beschleunigen. Wir gehen letztendlich davon aus, dass die OPEC mit einer vorsichtigen abwartenden Haltung reagieren wird, was die Preise kurzfristig stützen sollte.

Ein letzte bekannte Unbekannte ist die Frage, ob die partielle Auflösung des JCPOA zu einer erhöhten regionalen Instabilität führen wird. Dies könnte für den Ölmarkt von Bedeutung sein, sollten regionale Konfrontationen wie die jüngsten Raketenangriffe auf Riad in Saudi-Arabien die Ölförderung beeinflussen.

Insgesamt verstärkt die geopolitische Ungewissheit die Anspannung auf dem Ölmarkt, und sie sorgt für Unsicherheiten im Hinblick auf die künftigen Förderkapazitäten, was die Preise in absehbarer Zukunft vermutlich unterstützen wird. Natürlich könnte die OPEC zu einer Beruhigung der Preisentwicklung beitragen, und die USA könnten Kontingente aus der strategischen Ölreserve freigeben, wenn das Rohölangebot deutlich sinkt. Die Preise müssten hierfür jedoch wahrscheinlich erheblich steigen.

Weitere Einschätzungen zu Rohstoffen finden Sie im "Asset-Allokation-Ausblick 2018".

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Autor

Greg E. Sharenow

Portfolio Manager, Real Assets

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