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Öl und der steile Weg zu einem ausgeglichenen Haushalt im Nahen Osten

Anleihen aus dem Nahen Osten machen einen immer größeren Anteil der Schwellenländeranleihen aus. Wie sich diese Länder auf ihre fiskalpolitischen Herausforderungen einstellen, wird für Anleger entscheidend sein.

Ein jüngster Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Oman und Bahrain zeigte gerade wieder einmal, wie sehr das Schicksal der Region trotz der Diversifizierungsbemühungen mehrerer Länder noch immer von den Ölpreisen abhängt. Und obwohl sich die Ölpreise im vergangenen Jahr deutlich erholt haben, sind wir der Ansicht, dass die sechs Länder im Golf-Kooperationsrat (GKR) den Gürtel noch enger schnallen müssen, um ihre derzeitige fiskalische Gesundheit zu verbessern – und in manchen Fällen sogar, um sie überhaupt aufrechtzuerhalten.

Anleihen aus den Ländern des Nahen Ostens machen einen immer größeren Anteil am Emissionsvolumen der Schwellenländeranleihen aus. Wie sich diese Länder auf ihre fiskalpolitischen Herausforderungen einstellen, wird für Anleger entscheidend sein.

Die „Besitzenden“ und die „Besitzlosen“

Der GKR lässt sich unterteilen in die „Besitzenden“ – die Länder mit erheblichen Ölreserven und Staatsfonds, namentlich Saudi Arabien, die VAE und Kuwait – und die „Besitzlosen“ – die Länder mit begrenzteren Ressourcen, die sich haushaltspolitisch einschränken müssen, darunter Oman und Bahrain. Die jüngste Erholung der Ölpreise kommt dem GKR entgegen, lenkt aber auch vom Kurs der fiskalpolitischen Anpassung ab, der noch immer notwendig ist (siehe Tabelle).

Die meisten Länder haben einige positive Schritte unternommen. Die VAE und Kuwait haben beispielsweise in ihrer Haushaltsplanung einen angemessenen Ölpreis von 50 US-Dollar pro Barrel angesetzt, was einigen Druck wegnehmen könnte und zu niedrigeren Anleihenemissionen führen dürfte, wenn der Ölpreis im Bereich von 60 US-Dollar oder höher liegt. Die kürzliche Einführung einer Mehrwertsteuer (MwSt.) von 5 Prozent in den VAE und in Saudi Arabien dürfte die fiskalische Position in beiden Ländern weiter stärken, solange dies nicht durch zu viele „Gefälligkeiten“ wieder aufgehoben wird. Und obwohl der Konflikt, der im Juni 2017 zwischen Katar und mehreren GKR-Staaten ausbrach, wahrscheinlich noch lang anhalten wird, hat das Land eine große Kasse mit Reserven (und hochwertiger Kunst) aufgebaut, die es ihm ermöglichen dürfte, die von Saudi Arabien angeführte Blockade zu überstehen. Schließlich könnten die fiskalisch stärksten Länder im GKR gut von der verbesserten Transparenz profitieren, und wir beobachten gemeinsame Bemühungen von Saudi Arabien, den VAE und Kuwait, die Anlegerbeziehungen und die Berichterstattungsstandards zu verbessern.

VAE: Baue ihn, und sie werden kommen

Hinter der Ferrari World in Abu Dhabi, der Hauptstadt der VAE, liegt der neue Louvre, die atemberaubende neue Struktur von Jean Nouvel, die als ein Anlaufpunkt für internationale Touristen dient und Abu Dhabis Fokus auf die Kultur und sein nach vorne gerichtetes Denken zeigt.

Können aber bei so vielen Orten im Nahen Osten, an denen opulente Stätten entstehen, die den Tourismus anziehen sollen, wirklich alle von ihnen gleichzeitig erfolgreich sein? Der Versuch der Diversifizierung über das Öl hinaus ist klug, aber Dubai nimmt bei der Selbstdarstellung die Führungsposition ein, und seine Nachbarn werden es wahrscheinlich schwer haben aufzuschließen.

Deshalb wird nach unserer Auffassung trotz ihrer Diversifizierungsbemühungen selbst die GKR-Elite – einschließlich der VAE – ohne hohe Ölpreise, auf die sie sich stützen kann, den Gürtel etwas enger schnallen müssen.

Oman: kurzfristig und langfristig betrachtet

Omans natürliche Schönheit und die freundlichen Menschen vermitteln ein Gefühl der Ruhe, zumindest dem Autor dieses Beitrags. Doch erstreckt sich diese Ruhe auch auf die Fiskalpolitik des Landes? Mit fünf Milliarden Barrel Öl im Boden (die beim gegenwärtigen Förderungstempo noch 15 Jahre reichen) ist die Regierung bereit, in langfristige Projekte zu investieren, wie in die Sonderwirtschaftszone Duqm, einen 25-Jahres-Plan zur Entwicklung der Hafenstadt Duqm. Allerdings scheint der Fokus weniger stark auf dringlichere Probleme gerichtet zu sein wie Subventionen für die Strom- und Wasserversorgung, eine durchlässige Verschuldungsobergrenze und die Einführung einer Mehrwertsteuer. Die in letzter Zeit höheren Ölpreise könnten es den politischen Entscheidungsträgern erlauben, ihren Fuß von der Sparbremse zu nehmen.

Aus außenpolitischer Sicht pflegt Oman geschickt gute Beziehungen zu seinen Nachbarn in der Region, was eine natürliche Absicherung gegen finanzielle Probleme sein kann. Allerdings zeigt das Land auch ein Bestreben nach Unabhängigkeit, das dem Vertrauen auf den GKR, ganz zu schweigen vom IWF, entgegenstehen könnte.

Bahrain: Überlegungen der internationalen Gemeinschaft

Bahrain hat einen Deckungsgrad der Währungsreserven zu den Importen von nur einem Monat aufrechterhalten, wogegen die Empfehlung des IWF einen Deckungsgrad von mindestens drei Monaten vorsieht. Obwohl die GKR-Nachbarn des Landes viele Wege (und Gründe) haben, Bahrain falls nötig zu unterstützen, ist der genaue zeitliche Ablauf oder die Art dieser möglichen Unterstützung unklar.

Wird sich die Hilfe realisieren, ohne dass zuerst Bahrain fiskalische Straffungsmaßnahmen unternimmt? Die Erfahrungen der Vergangenheit deuten darauf hin, dass die GKR-Staaten äußerste Anstrengungen unternehmen werden, um einen Bruch der Wechselkursbindungen in einem der Mitgliedsländer zu vermeiden, weil sie einen Ansteckungseffekt für die Region befürchten. Eine US-Marinebasis und der Nachdruck auf Verteidigungsausgaben sprechen ebenfalls dafür, dass Bahrain auf die US-Interessen abgestimmt handelt. Allerdings werden Anleihenanleger wohl weiterhin nach Anzeichen einer Haushaltskonsolidierung suchen, um die Finanzierung des Landes aufrechtzuerhalten.

Strahlende Zukunft?

Die Länder im GKR unterscheiden sich stark in der Art und Weise, wie sie sich dem gegenwärtigem Preisspektrum für Öl und der Notwendigkeit haushaltspolitischer Einschränkungen anpassen. Da für dieses Jahr ein große Strom von Anleihenemissionen aus der Region erwartet wird, könnte eine selektive Positionierung in Staatsanleihen von GKR-Staaten, die die notwendigen Anpassungen vornehmen, nach unserer Auffassung potenziell Alpha für Anleger generieren. Solche Staaten sind im Allgemeinen in den Schwellenländerindizes nicht vertreten und spiegeln sich daher wahrscheinlich nicht in passiven Anlageinstrumenten wider.

Was wir mit Blick auf die Zukunft im Nahen Osten für erfrischend halten, ist der Kader der jungen, kompetenten politischen Entscheidungsträger, die mehr und mehr in der Hierarchie aufsteigen und von denen viele weiblich sind. Mit dieser Generation künftiger finanzieller Führungskräfte könnte der GKR ein weiteres Ass im Ärmel haben.

Golf-Kooperationsrat: die Schwierigkeiten eines fiskalischen Gleichgewichts

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Autor

Yacov Arnopolin

Portfoliomanager, Schwellenländer

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