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Viel Aufhebens um ... 3%

Am 24. April nahm die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen mit großem Trara die Hürde von 3%. Wir konzentrieren uns nicht auf eine bestimmte Punktschätzung, sondern auf die langfristigen Faktoren, die die Zinsen beeinflussen.

Am 24. April nahm die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen mit großem Trara die Hürde von 3%. Die Aktienmärkte taumelten, und infolge der großen Medienpräsenz haben viele Anleger möglicherweise schon von 3% geträumt.  

Wir sind der Auffassung, dass die Überschreitung der 3%-Hürde – oder überhaupt irgendeiner Hürde – an sich keine besonders große Bedeutung hat. Tatsächlich dauerte es auch nicht lange, bevor die Rendite wieder in den Bereich von 2% fiel. Dies ist in gewisser Hinsicht die Folge zahlreicher Faktoren, die den Renditeanstieg unserer Meinung nach begrenzen dürften. 

Wir konzentrieren uns nicht auf eine bestimmte Punktschätzung, sondern auf die langfristigen Faktoren, die die Zinsen beeinflussen, sowie auf einen vorsichtigen Portfolioaufbau. Nach der weltweiten Finanzkrise haben wir unsere globale Einschätzung der Neuen Normalität, das heißt eines moderaten globalen Wachstums inmitten von Gegenwind durch eine alternde Bevölkerung, geringe Produktivitätssteigerungen und eine hohe Verschuldung, beschrieben. Später haben wir unsere Einschätzung der Neuen Neutralität der Leitzinsen dargelegt sowie die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed Funds Rate auf ein neutrales Niveau tendiert, das geringer als in vergangenen Zyklen ist.

In diesem Monat überdenken wir auf unserem jährlichen Secular Forum unsere Einschätzungen dieser langfristigen Trends. Zu diesem Anlass treffen sich unsere Anlageexperten sowie ausgewählte externe Referenten für drei Tage in Newport Beach, um Präsentationen zu halten und umfassend zu diskutieren. An dieser Stelle möchten wir vorab die Einschätzungen von PIMCO vor dem Secular Forum besprechen.

Zinsausblick

Was können Anleger im Hinblick auf die Zinsen erwarten, nachdem die zehnjährige Rendite für kurze Zeit die 3%-Marke durchbrach? Historische Muster können unserer Ansicht nach eine gewisse Orientierung bieten.

Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen blieb in den letzten Zyklen auf dem Niveau, das dem Höchstwert der Fed Funds Rate entsprach.

Derzeit liegt die Fed Funds Rate bei rund 1,5% bis 1,75%. Auf der Grundlage der aktuellen Marktpreise gehen die Anleger davon aus, dass die Fed Funds Rate bis Ende 2018 um etwa 55 Basispunkte steigen und damit knapp über 2,0% liegen wird. Unser aktueller Rahmen der Neuen Neutralität deutet darauf hin, dass die Fed Funds Rate danach wahrscheinlich nicht den niedrigen 3%-Bereich übersteigen wird. Wir sind allgemein der Auffassung, dass langfristige Kräfte wie hohe Schuldenlasten, die Demografie oder Produktivitätssteigerungen dazu führen werden, dass die Zinsen niedriger als in vorherigen Zinserhöhungszyklen bleiben werden. Niedrige globale Zinsen werden dies ebenfalls unterstützen. 

Wichtig ist, dass die Märkte heute, im deutlichen Gegensatz zum Jahr 2013, als die Renditen für zehnjährige Anleihen die 3%-Hürde ebenfalls nahmen, davon ausgehen, dass die Fed die Zinsen nicht über 3% anheben wird. Dies ist deutlich weniger als die 2013 befürchteten rund 5%. 

Wie die Grafik zeigt, trifft die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen auch auf einen potenziellen Widerstand: Historisch gesehen blieb sie unter dem nominalen US-BIP-Wachstum. Wir gehen nicht davon aus, dass das BIP abgesehen von einem relativ kurzfristigen Zuwachs infolge der fiskalpolitischen Impulse in absehbarer Zukunft deutlich steigen wird, und langfristig ist eine Rezession wahrscheinlich. Darüber hinaus werden Renditesteigerungen im aktuellen Zyklus beschränkt sein, da die Fed nach wie vor Billionen von US-Dollar in Anleihen aus ihrem quantitativen Lockerungsprogramm hält.

Die Zinsen dürften in einer festen Bandbreite bleiben

Ein Maßnahmenplan

Zwar habe ich soeben die Faktoren angeführt, die die Zinsen begrenzen, doch steigen diese nun leicht, und die Marktvolatilität ist insgesamt zurückgekehrt. In diesem Umfeld sollten Anleger im Hinblick auf Anleihen fünf Aspekte berücksichtigen.

  1. Ziehen Sie bei steigenden Renditen Kernanleihen in Betracht. Der Bloomberg Barclays U.S. Aggregate Index, die Benchmark für Kernanleihenstrategien, erzielt aktuell eine Rendite von rund 3,3%. Dies entspricht dem höchsten Wert seit acht Jahren. Kernanleihen stellen in Anbetracht der aktuellen Renditen eine attraktive Gelegenheit zur Diversifizierung dar.

  2. Vermeiden Sie bei Anleihen eine Abhängigkeit von direktionalen Strategien. Income-Strategien, die auf die Renditemaximierung ausgerichtet sind, und Unconstrained-Strategien, die ohne Einschränkungen durch eine Benchmark die Duration und andere Engagements ändern können, sind in diesem Marktumfeld unserer Ansicht nach attraktiv.

  3. Agieren Sie beim Aktien- und Kreditrisiko weiterhin zukunftsorientiert. Sollten die Zinsen schneller als erwartet steigen, könnten sich Aktien und Kreditpapiere unterdurchschnittlich entwickeln; ein defensiver Ansatz könnte also belohnt werden.

  4. Mobilisieren Sie Ihre Cash-Allokation. Für Anleger, die ein im Vergleich zu Bankeinlagen und Geldmarktfonds leicht höheres Risiko eingehen können, sorgen steigende Zinsen für interessante Chancen bei hochwertigen kurzfristigen Anleihen mit Renditen von rund 2% oder mehr. Laut einem aktuellen Bericht der US-Notenbank belaufen sich die Bankeinlagen, die überhaupt nicht oder nur sehr gering verzinst sind, auf derzeit rund 12 Bio. USD.

  5. Konzentrieren Sie sich auf die langfristigen Entwicklungen. Höhere Zinsen stellen kurzfristig zwar eine mögliche Belastung dar, sind für Anleihenanleger jedoch langfristig gesehen positiv. Wir raten Anlegern daher davon ab, sich im Hinblick auf die Diversifizierungsvorteile von Anleihen an Market Timing zu versuchen.

Für uns ist die ganze Aufregung über die 3% also eine Lappalie, die keinen wesentlichen Einfluss auf die globalen Finanzmärkte haben dürfte.

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Autor

Tony Crescenzi

Marktstratege und Portfoliomanager

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