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Vorwahlen zum US‑Präsidentschaftswahlkampf: Spannend wird es im März

Anleger sollten nicht überbewerten, wer bei den ersten Vorwahlen der Demokraten wie etwa in Iowa die Nase vorn hat. Richtig spannend wird es aber diesmal im März.

Obwohl bei der Abstimmung in Iowa am 3. Februar gerade einmal 1 Prozent aller Delegierten für die Vorwahlen der Demokraten bestimmt wurden, scheint dieser Wettbewerb bei jedem Präsidentschaftswahlkampf die Fantasie der Beobachter besonders zu beflügeln. Iowa ist eben nicht nur der erste Probelauf. Nein, noch wichtiger ist folgende Tatsache: Seit dem Jahr 2000 hat noch jeder Bewerber, der in Iowa Erfolg hatte, später auch die Nominierung der Demokraten gewonnen (wobei man fairerweise ergänzen muss, dass die letzten drei Sieger in Iowa auf Seiten der Republikaner nicht nominiert wurden).

Allerdings kommen dieses Mal beim Nominierungs-Zyklus der Demokraten einige sehr spezifische und dynamische Entwicklungen zusammen. Um nur einen Aspekt zu nennen: Viele größere US-Bundesstaaten mit größeren Delegiertenzahlen werden ihre Vorwahlen früher als sonst üblich abhalten. Das könnte dazu führen, dass die Ergebnisse in Iowa (und in New Hampshire nächste Woche) weniger wichtig sind als in der Vergangenheit. Gut möglich, dass sich kein eindeutiger Spitzenkandidat herausschält und der Nominierungsprozess länger spannend bleibt, womöglich bis zur „Convention“, dem großen Parteitag der Demokraten im Juli. Es gibt außerdem eine größere Wahrscheinlichkeit als in jedem früheren Wahlzyklus der jüngeren Vergangenheit für ein Szenario, bei dem keiner der Bewerber bis zur „Convention“ 50 Prozent der Delegiertenstimmen hinter sich versammeln konnte. Man nennt dieses Szenario auch „brokered convention“.

Ein verlängerter Zyklus ist möglich

Bei den Vorwahlen in den USA die Nominierung der Demokratischen Partei zu gewinnen ist simple Mathematik: Jener Kandidat, der 50 Prozent der Delegiertenstimmen hinter sich vereint – oder 1.990 Delegierte – sichert sich die Nominierung bei der „Convention“. Wie bereits gesagt: Dieses Jahr gibt es eine etwas andere Dynamik. Und es könnte etwas länger dauern als gewöhnlich, bis ein Kandidat dieses Ziel erreicht.

Viele große Bundesstaaten einschließlich Kalifornien und Texas haben ihre Vorwahlen auf den „Super-Dienstag“ am 3. März vorverlegt. In der Vergangenheit hatten diese Staaten ihren Wettbewerb erst spät im Juni abgehalten. Zu diesem Zeitpunkt ging es oftmals nur noch darum, mit den Wahlergebnissen den potentiellen Spitzenkandidaten zu bestätigen. Wenn nun aber größere Staaten früher zur Urne schreiten, könnten die Karten wieder neu gemischt werden. Und aus Sicht der Kandidaten könnte es noch einmal spannend werden, unabhängig davon, wer in Iowa oder New Hampshire das Rennen gemacht hat. Tatsächlich will der frühere Bürgermeister von New York City, Michael Bloomberg, die ersten vier Vorwahlen auslassen und sich erst danach bei den größeren Vorwahlen in den Wettbewerb einmischen.

Außerdem dürfte das Rennen ziemlich überfüllt sein und eng werden angesichts der vielen Kandidaten. Die Delegierten in den größeren Bundesstaaten könnten deshalb ihre Stimmen auf mehrere Kandidaten verteilen als sie das zu einem späteren Zeitpunkt getan hätten, wenn sich das Feld der Bewerber gewöhnlich schon gelichtet hat.

Weil Delegierte von jedem Bundesstaat proportional zugeordnet werden (im Gegensatz zum „Alles-oder-nichts“-Prinzip) und Super-Delegierte (die frei entscheiden können, welchen Kandidaten sie unterstützen) jetzt an der Seitenlinie stehen bis zur „Convention“, könnte es im Gegensatz zu früheren Wahlperioden länger dauern, bis sich ein eindeutiger Spitzenkandidat herauskristallisiert beim Rennen um die Stimmen der Delegierten. Und das wiederum vergrößert die Chancen für langwierige und sich hinziehende Vorwahlen.

Das wiederum würde die Chancen erhöhen, dass es zu einer „brokered convention“ kommt, also keiner der Kandidaten bis zum Termin der „Convention“ 50 Prozent der Delegiertenstimmen auf sich vereint. Ein solches Szenario ist im Grunde wie eine Flipper-Kugel: Jeder der Kandidaten kann theoretisch noch die Nominierung gewinnen. (Das wäre indes äußerst dramatisch und ist seit 1952 nicht mehr geschehen).

Was heißt das für Anleger?

Vor dem Hintergrund eines möglicherweise verlängerten Vorwahl-Zyklus sind die Abstimmungen in Iowa und die nächsten drei Voten (New Hampshire am 11. Februar, Nevada am 22. Februar und South Carolina am 29. Februar) insofern von Bedeutung, als die Bewerber die Erwartungen nicht erfüllen oder eben auch übertreffen könnten.

Wir glauben, dass Anleger ihre Investment-Strategie jedoch nicht zu sehr davon abhängig machen sollten, wer bei den ersten Tests zu den Vorwahlen der Demokraten die Nase vorn hat.

Die tatsächlich für Anleger wichtigeren Daten sind der 3. März, wenn 34 Prozent aller Delegiertenstimmen bei 15 Vorwahlen vergeben werden, und der 17. März – an diesem Tag werden dann nämlich bereits 65 Prozent aller Stimmen den Kandidaten zugeordnet sein. Wir glauben: Sollten sich bis Mitte März nicht einer oder zwei Spitzenkandidaten herauskristallisiert haben, steigen die Chancen deutlich an, dass es zu einer „brokered convention“ mit offenem Ausgang kommen wird.

Die Finanzmärkte könnten im Verlauf der kommenden Wochen durchaus auf die Ergebnisse der ersten Vorwahlen reagieren. Wir meinen aber, dass es für Investoren wichtig ist, sich nicht von daraus resultierenden Marktschwankungen ablenken zu lassen. Der Nominierungs-Wettbewerb der Demokraten könnte dieses Mal länger dauern als in früheren Wahlperioden – und das endgültige Ergebnis könnte auch ganz anders aussehen als bei Abstimmungen in der Vergangenheit.

Libby Cantrill ist Head of Public Policy bei PIMCO und schreibt regelmäßig Beiträge für den PIMCO-Blog.

Autor

Libby Cantrill

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