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Der Umgang mit Volatilität in kurzfristigen Märkten: die globale Liquiditätsleiter

Da die finanziellen Bedingungen immer restriktiver werden, kann die Flexibilität bei der Verwaltung und Bereitstellung von Portfolioliquidität mit einer Leiter verglichen werden, die den Zugang zu einer höher gelegenen Ebene ermöglicht.

Bei Hochwasser möchte man sich beispielsweise auf höher gelegene Ebenen retten. Die jüngste Marktvolatilität, die unter anderem durch Sorgen um die Zinsen, die Inflation, den globalen Handel und den Technologiesektor ausgelöst wurde, führte dazu, dass sich viele Anleger defensiveren Portfoliopositionen zuwandten.

Die Flexibilität bei der Verwaltung und Bereitstellung von Portfolioliquidität vor dem Hintergrund sich schnell ändernder und schwieriger Bedingungen ist wie eine Leiter, die den Zugang zu einer höher gelegenen Ebene ermöglicht. Sie kann dazu beitragen, Kapital zu erhalten und gleichzeitig Erträge zu erwirtschaften.

Die Liquiditätsleiter

Kurz nach der Finanzkrise entwickelte PIMCO ein Konzept beziehungsweise ein Bild, das wir die „konzentrischen Kreise des Risikos“ nannten, um die verschiedenen Kreditrisikostufen in einer Welt zu veranschaulichen, die von quantitativen Lockerungsmaßnahmen vonseiten der Zentralbanken geprägt ist. Im Zentrum des Kreises standen die Vermögenswerte mit dem geringsten Risiko (zum Beispiel US-Staatsanleihen), während sich in den äußeren Kreisen risikoreichere Anlageklassen wie Unternehmens- und Immobilienanleihen befanden.

Heute ändern sich die Bedingungen erneut, da die Zentralbanken ihre Programme zur Quantitativen Lockerung zurückfahren und zu einer Normalisierung der Zinssätze übergehen. In diesem restriktiveren Finanzumfeld liegt unser Augenmerk auf der Liquidität: Wir müssen verstehen, wie sie zu- und abnimmt, wie sie sich auf die Preise von risikoreichen Vermögenswerten auswirkt und wie Anleger, die alle verschiedene Ziele, Anlagehorizonte und eine mehr oder weniger hohe Toleranz für kurzfristige Verluste haben, mit ihr umgehen.

Unser Team für kurzfristiges Portfoliomanagement veranschaulicht die Liquiditätsbedingungen von heute mithilfe des Bildes einer Leiter, wobei sich die Marktteilnehmer auf verschiedenen Sprossen befinden, je nach ihrer Fähigkeit, Einfluss auf den Preis der Liquidität zu nehmen, nach der Reaktion der anderen Marktteilnehmer und nach den Bewertungsänderungen der Liquidität selbst.

Für Anleger ist es sehr wichtig zu wissen, wo genau sie sich auf der „Liquiditätsleiter“ befinden. Begrifflich stellt die Leiter das umfassende, aber dynamische globale Liquiditätssystem dar, und Sie selbst können auf den Sprossen dieser Leiter hinauf- und hinabsteigen, und zwar je nach den Änderungen in der Gesetzgebung, nach den Marktbedingungen, die sich auf die Kosten der Liquidität auswirken, und, am wichtigsten, je nach der Anlagestrategie, die Sie verfolgen.

Die „Preisgestalter“ der Liquidität haben tendenziell längerfristige Anlagehorizonte, sind weniger um tagtägliche Schwankungen besorgt und befinden sich am oberen Ende der Leiter. Dazu gehören derzeit die Zentralbanken, Pensionskassen und regulierte Einrichtungen wie Versicherungsunternehmen und Geldmarktfonds. Die weniger flexiblen „Preisnehmer“ befinden sich am unteren Ende der Leiter; dazu gehören aktuell Hedgefonds, passive ETF/ETN-Anleger, Market Maker und Wertpapierverleiher. Sie können zu ungünstigen Zeitpunkten gezwungen werden, sonst attraktive Vermögenswerte zu verkaufen, während sie versuchen, durch die widrigen Bedingungen eines von Risikoaversion geprägten Marktes zu navigieren. Unsere Sicht auf die Liquidität wird nicht nur davon beeinflusst, wie weit Kauf- und Verkaufsangebote auseinanderliegen (Geld-Brief-Spannen), sondern auch von der Risikobereitschaft, die wir bei allen Teilnehmern auf der Leiter beobachten.

Wir sind der Ansicht, dass aktive Portfoliomanager sich selbst auf der Leiter positionieren können, je nachdem, wie sich die Marktbedingungen ändern und sich Chancen bieten. Aktive Anleger können Liquidität defensiv und auch als ein opportunistisches Mittel einsetzen, indem sie durch die Übernahme von Risiken eine Rendite anstreben. Mit unserem aktiven Managementansatz versuchen wir, Änderungen bei der weltweiten Liquidität vorwegzunehmen und unsere zahlreichen Anlagestrategien dynamisch zu bewerten und auf verschiedenen Sprossen der Liquiditätsleiter neu zu positionieren, wenn es die Umstände erfordern. Im Allgemeinen streben wir danach, Verkäufer von Liquidität zu sein, wenn andere Käufer sind, und Käufer von Liquidität zu sein, wenn andere Verkäufer sind.

Unsere Positionierung auf der Liquiditätsleiter ist ausschlaggebend für die Schaffung von Mehrwert für unsere Anleger. Unser Ziel ist es, die divergierenden Interessen der Preisgestalter und Preisnehmer so zu managen, dass dies unseren Anleger zugutekommt ‒ ohne dass wir uns nur auf „Wetten“ auf Marktereignisse wie zum Beispiel Zinsänderungen verlassen, um eine Outperformance zu erzielen.

Die Sprossen hinauf und hinunter

In den vergangenen Wochen haben Marktteilnehmer fortlaufend die Funktion, den Preis und den Einsatz der Liquidität neu bewertet, was weitestgehend die Folge von drei geänderten Marktgegebenheiten war:

  • höhere Finanzierungskosten in Verbindung mit eingeschränkten saisonalen Änderungen und Illiquidität am Quartalsende;
  • ein höherer Libor-Satz und höhere Libor/OIS-Spreads (die Differenz zwischen dem Libor und dem Overnight-Index-Swap-Satz), womit sich die relativen Finanzierungskosten für viele Banken erhöht haben;
  • eine sich ändernde Angebots- und Nachfragedynamik im Frontend (das heißt, ein höheres Angebot an T-Bills und kurzfristigen Unternehmensanleihen gegenüber einer rückläufigen Nachfrage in Bezug auf Corporate Treasuries und vonseiten ausländischer Anleger).

Ein Beispiel für aktives Management in diesem Umfeld wäre der Kauf von Nullkuponanleihen und Unternehmensanleihen mit Laufzeiten von bis zu 18 Monaten, während Marktteilnehmer am unteren Ende der Leiter zu Verkäufen gezwungen sind. Sofern sie sich in einer unabhängigen Kreditanalyse gut behaupten, können viele dieser Anleihen bei einem begrenzten Zinsrisiko attraktive Renditen von 2,5% oder mehr bieten.

Aktive Anleger sollten kontinuierlich das Auf und Ab der Liquiditätsbedingungen überwachen. Wir raten Anlegern, sich auf eine volatile Marktentwicklung einzustellen und ihre Portfolios mit Flexibilität und Liquidität auszustatten, um kurzen, aber sintflutartigen Regenfällen standhalten zu können, wenn sich die Marktstimmung trübt, während man nach attraktiven Risiko-Rendite-Chancen Ausschau hält. Stellen Sie sicher, dass Sie wissen, wo Sie sich auf der Liquiditätsleiter befinden, damit Sie sich rechtzeitig auf eine höher gelegene Ebene retten können.

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Autor

Jerome M. Schneider

Head of Short-term and Funding Desk

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