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Wahl in Italien: Kurzfristige Volatilität auf dem Stimmzettel?

Italiens Parlamentswahl an diesem Wochenende ist das wohl wichtigste politische Ereignis Europas in diesem Jahr

Italiens Parlamentswahl an diesem Wochenende ist das wohl wichtigste politische Ereignis Europas in diesem Jahr, das ansonsten nach einer relativ ruhigen Agenda aussieht. Die Unterstützung der Wähler scheint sich recht gleichmäßig auf die drei politischen Fraktionen aufzuteilen – den Mitte-Rechts-Block, angeführt von der Forza Italia und der Lega Nord (LN), den Mitte-Links-Block, angeführt von der Demokratischen Partei, und die gegen das Establishment gerichtete Fünf-Sterne-Bewegung (M5S). Die Chancen, dass die Wahl am 4. März zu einer starken, reformorientierten Regierung führt, dürften demnach gering sein.

Für einen Staat mit einer hohen Schuldenlast und einem deutlichen Reformbedarf verheißt das nichts Gutes. Und doch ist die Bildung einer schwachen Regierung kein ernsthafter Grund zur Sorge für die Finanzmärkte, die durch den anhaltenden Konjunkturaufschwung in Europa in heiterer Stimmung und nicht so sehr auf mittelfristige Probleme fokussiert sind. Am wichtigsten erscheint den Märkten, dass ein „kurzfristiger Unfall“ vermieden wird. Im Zusammenhang mit dieser Wahl wäre ein solcher Unfall wahrscheinlich die Bildung einer gegen das Establishment gerichteten Regierung auf einer euroskeptischen Plattform.

Extremrisiko und wahrscheinlichere Ergebnisse

Wir können einen solchen Unfall als Ergebnis nicht völlig ausschließen, würden ihn aber lediglich als Extremrisiko betrachten. Eine gegen das Establishment gerichtete Regierung könnte möglicherweise aus einer nach der Wahl gebildeten Allianz zwischen der M5S, der LN und vielleicht den rechtsextremen Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) hervorgehen.

Allerdings erscheint dieses Szenario aus mehreren Gründen als unwahrscheinlich. Erstens deuten die jüngsten Meinungsumfragen darauf hin, dass diese Parteien nicht genügend Stimmen auf sich vereinigen können, um eine absolute Mehrheit der Sitze zu erreichen. Zweitens sprechen die Parteien tendenziell eine unterschiedliche Wählerbasis an (die LN zielt auf Wähler aus dem Norden und auf dem rechten Flügel ab, die M5S auf Wähler aus dem Süden und solche mit unterschiedlichen ideologischen Einstellungen). Und drittens hat sich die M5S in letzter Zeit von ihrer euroskeptischen Haltung wegbewegt.

Wahrscheinlich ist, dass eine gemäßigte Regierung gebildet wird, angeführt vom Mitte-Rechts-Block (wenn er genügend Stimmen gewinnen kann), oder im Rahmen einer großen Koalition aus dem Mitte-Rechts- und dem Mitte-Links-Block. Eine weitere Möglichkeit ist, dass keine Einigung gefunden werden kann und schließlich Neuwahlen angesetzt werden. Die Anleger werden eine gemäßigte Regierung wahrscheinlich als positiv empfinden, Neuwahlen als neutral bis leicht negativ und eine euroskeptische Allianz als klar negativ.

Nachwahlszenarien und Aussichten

Wie steuern Anleger also durch die italienischen Wahlen? Wir erkennen drei mögliche Szenarien:

  1. Die Mitte-Rechts-Koalition erreicht eine absolute Mehrheit. Die Regierungsbildung dürfte in diesem Fall schnell gehen. Die Forza Italia wird wahrscheinlich die führende Partei sein und den Ministerpräsidenten stellen können. Die Spreads italienischer Staatsanleihen (BTP) dürften sich nach diesem Ergebnis verengen.
  2. Es gibt keinen Gewinner, die Ergebnisse liegen weitgehend auf der Linie der bislang letzten Meinungsumfragen (das wahrscheinlichste Szenario). Die Mitte-Rechts-Koalition schneidet gut ab, scheitert aber knapp an einer absoluten Mehrheit der Sitze; die Demokratische Partei und die Fünf-Sterne-Bewegung liegen dahinter zurück, wobei die Fünf-Sterne-Bewegung maximal rund 30 Prozent der Stimmen erzielt. Die Verhandlungen zur Regierungsbildung könnten sich hinziehen, würden aber wahrscheinlich mit einer großen Koalition enden, die von der Forza Italia beziehungsweise der Demokratischen Partei angeführt und von den Abgeordneten anderer Parteien/Koalitionen unterstützt wird. Die Marktvolatilität könnte während der Verhandlungen aufgrund der Unsicherheit hoch bleiben, aber wenn es schließlich zu einer Einigung über die Regierungsbildung kommt, dürfte dies zu einer gewissen Verengung der Spreads von italienischen Staatsanleihen (BTP) führen. Wenn keine Einigung erzielt wird und Neuwahlen nötig werden sollten, könnten die Spreads noch für eine gewisse Zeit hoch bleiben.
  3. Es gibt keinen Gewinner, und die M5S schneidet sehr gut ab. In diesem Szenario erzielt die M5S mehr als 35 Prozent der Stimmen. Es wäre schwierig, eine euroskeptische Allianz zu schmieden, aber die Märkte würden diese Möglichkeit in Betracht ziehen. Luigi Di Maio, der Spitzenkandidat der M5S, könnte ein „Sondierungsmandat“ zur Regierungsbildung erhalten, die scheitern, aber die Märkte erschrecken könnte. Die BTP-Spreads würden sich bei diesem Ergebnis fast sicher ausweiten. Das wahrscheinliche Scheitern der M5S bei der Regierungsbildung könnte schließlich zu einer Verengung der Spreads führen, es sei denn, es wird eine euroskeptische Allianz zwischen M5S/LN/Fratelli d'Italia gebildet (unser Extremrisikoszenario).

Volatilitätsschübe sind möglich, wenn es Italien nicht gelingt, kurz nach der Wahl eine Regierung zu bilden. Dennoch gehen wir über den Zeitraum der nächsten sechs bis zwölf Monate davon aus, dass die BTP-Spreads in den meisten Szenarien im Rahmen bleiben werden.

Wir sind bei den gegenwärtigen Niveaus italienischen Staatsanleihen (BTPs) gegenüber weitgehend neutral eingestellt. Diese Position spiegelt unsere Prognose eines Gleichgewichts zwischen guten Konjunkturbedingungen / begrenztem politischen Risiko und mittelfristiger Besorgnis über die Infrastruktur der Eurozone wider. Nach dem Wahlsonntag werden wir diese Position, je nach Wahlergebnis und Marktbewegungen, überprüfen.

Italian polls: voting intention by coalition

Wenn Sie mehr erfahren wollen, lesen Sie bitte „Ausblick für die Eurozone: Wirtschaftswachstum verbirgt die zugrunde liegende Anfälligkeit.“

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Autor

Nicola Mai

Portfoliomanager, Sovereign Credit Analyst

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