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Grünes Licht für eine grünere Wirtschaft: Drei Trends der Vermögensanlage

Einige führende Nationen der Welt haben unlängst wichtige Nachhaltigkeitsziele verkündet. Diese Schritte mit dem Ziel, den wirtschaftlichen Aufschwung zu beschleunigen und nachhaltiger zu gestalten, werden auch Anlagechancen schaffen.

Während viele 2007 als das Jahr in Erinnerung behalten mögen, in dem die Weltwirtschaft in eine massive Finanzkrise schlitterte, war es wohl die Einführung des iPhones, die die Art und Weise, wie viele Menschen heute arbeiten und leben, revolutionierte. In ähnlicher Weise könnte 2020 rückblickend als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Welt endlich maßgebliche Schritte unternahm, um den Klimawandel zu bekämpfen und auf eine umweltfreundlichere Zukunft zuzusteuern. Dieser Wandel wird beträchtliche Konsequenzen für die Märkte und die Anleger haben.

2020 richteten einige einflussreiche Regierungen ihre Konjunkturprogramme auf eine stärkere Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus, wobei „Netto-Null“, also die Klimaneutralität, allgemein als Motto anerkannt wurde. Der Klimawandel dürfte sich zu einem zentralen Thema und einem entscheidenden Faktor im globalen Konkurrenzkampf entwickeln. Europa und China fördern schon jetzt umweltfreundliche Strategien wie Wasserstoffenergie, und die USA werden sich dem Wettlauf voraussichtlich anschließen. Ganz gleich, ob ein Land das Ziel der geopolitischen Vorherrschaft verfolgt, gute Absichten hegt oder lediglich der Notwendigkeit Rechnung trägt, knappe Ressourcen zu erhalten, hat sich die grüne Welle zu einem Tsunami entwickelt, wie die folgenden Sachverhalte signalisieren:

  • China: Die Volksrepublik tätigt beträchtliche Investitionen in grüne Technologien und verfolgt das Ziel, ihren Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ab 2030 zu senken und bis 2060 einen Zustand der Klimaneutralität zu erreichen.
  • Japan: Der fünftgrößte CO2-Emittent der Welt hat sich bis 2050 zur Klimaneutralität verpflichtet. Da Japan 87 Prozent seines derzeitigen Energiebedarfs durch fossile Brennstoffe deckt, steht das Land der aufgehenden Sonne vor einer beachtlichen Herausforderung. Um ihr Ziel zu erreichen, schlug die Nation unlängst einen Steuerabzug von zehn Prozent für die Produktion von Gütern vor, die zur Senkung der Kohlenstoffemissionen beitragen.
  • Europa: Obgleich das Ziel noch nicht endgültig festgelegt ist, hat das Parlament der Europäischen Union (EU) dafür plädiert, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 60 Prozent zu senken (in Relation zu 1990), was die Empfehlung der EU-Kommission von 55 Prozent übertrifft. Der Deutsche Bundestag beschloss kürzlich eine Besteuerung von Treibhausgasemissionen, die sich ab 2021 in höheren Preisen für Heizöl, Kfz-Kraftstoffe und Erdgas niederschlagen wird. Darüber hinaus schloss sich Spanien anderen europäischen Ländern an und lässt künftig 70 Prozent seiner Hilfszahlungen für die Jahre 2021 bis 2023 grünen und digitalen Projekten zukommen. Sogar die sakrosankte Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) wird einer Generalüberholung unterzogen: Ab sofort werden Landwirte – auch kleine –, die die Anforderungen des EU-Klimaziels nicht erfüllen, keine Beihilfen mehr erhalten. 
  • USA: Nach unserer Einschätzung wird der gewählte US-Präsident Joe Biden die Umweltschutzbemühungen des Landes intensivieren, was wichtige Konsequenzen für die Branche der erneuerbaren Energien und das gesamte Ökosystem um sie herum haben wird. Nach eigenen Angaben wird einer der ersten Schritte des künftigen Staatsoberhaupts sein, dem Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten – einer richtungsweisenden multinationalen Übereinkunft zur Bekämpfung des Klimawandels. Sollten sich die USA dem Klub der „Netto-Null-Emissionen“ anschließen, würden 60 Prozent des weltweiten BIP für diesen Zweck aufgewendet (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1 zeigt eine Weltkarte, die herausstellt, welche Länder diverse Verpflichtungen zur Klimaneutralität eingegangen sind (Stand: Oktober 2020). In einigen Fällen werden die Zielsetzungen noch diskutiert oder liegen in Form von Gesetzesvorlagen vor, in anderen Ländern werden sie bereits umgesetzt. Unter den großen Volkswirtschaften sind die Netto-Null-Ziele bereits in mehreren europäischen Ländern sowie in Großbritannien, Japan, Südafrika und Neuseeland gesetzlich oder politisch verankert. In China, Argentinien, Mexiko und einigen anderen Schwellenländern stehen die Reduktionsziele noch zur Diskussion.

Anlageimplikationen: Drei Sektoren

„Dem Geld folgen“ – in diesem Sinne könnten die digitalen und nachhaltigen Themen, die derzeit im Zentrum der fiskalpolitischen und langfristigen Trends stehen, den Anlegern Chancen eröffnen, da einige Vermögenswerte wohl neu bewertet werden. Diesbezüglich können wir beträchtliches Potenzial in drei Sektoren ausmachen (einige grün, andere gut positioniert, um von einer umweltfreundlicheren Wirtschaft zu profitieren), die in den nächsten Jahren ein zweistelliges Wachstum erfahren könnten:

  1. Solar- und Windkraft: Neben der zunehmenden Unterstützung von Regierungen, die das Ziel der Klimaneutralität verfolgen, könnte die Branche der erneuerbaren Energien einen Wachstumsschub infolge von sinkenden Kosten erfahren. Wie die Internationale Energieagentur unlängst verkündete, löst Solarenergie die Kohleverstromung in immer mehr Regionen als günstigste Stromquelle ab. In der Tat sind Wind- und Solarkraft inzwischen die günstigsten neuen Energiequellen in Ländern, auf die insgesamt rund 75 Prozent des globalen BIP entfallen.
  2. Elektrofahrzeuge: Die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Europa und den USA – mit einem aktuellen Anteil von weniger als zehn Prozent an den verkauften Neuwagen – könnte dank ihrer besseren Erschwinglichkeit und Effizienz, des wachsenden Klimabewusstseins, der Subventionen und der Einrichtung weiterer Ladestationen deutlich zunehmen. Nach Angaben von Bloomberg könnte ihre Marktdurchdringung in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf mehr als 50 Prozent steigen (siehe Abbildung 2; Elektrofahrzeuge beinhalten batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) und Plug-in-Hybridfahrzeuge (PHEVs)). So hat der chinesische Staatsrat kürzlich einen Plan für die Umstellung auf Elektrofahrzeuge verabschiedet, der die Marktdurchdringung auf schätzungsweise 20 Prozent bis 2025 sowie auf 50 Prozent bis 2035 steigern könnte. Großbritannien schloss sich jüngst Irland und den Niederlanden an und signalisierte ein Verkaufsverbot für neue Benzin- und Dieselfahrzeuge ab 2030, während Frankreich und Spanien, ebenso wie Kalifornien, diese Maßnahme für 2035 anpeilen.
  3. Abbildung 2 listet die aktuellen und prognostizierten Verkaufszahlen für Elektrofahrzeuge als Anteil am Gesamtabsatz von Fahrzeugen in mehreren großen Ländern auf. Per Mai 2020 beläuft sich der Absatz von Elektrofahrzeugen in keinem der Länder auf mehr als zehn Prozent. Gemäß den Prognosen soll ihr Absatz in China, Deutschland und Großbritannien 2030 dagegen mehr als 40 Prozent der Neuwagenverkäufe ausmachen, in den USA rund 25 Prozent und in Japan etwa 15 Prozent.

  4. Halbleiter: Vermögenswerte, die sowohl eine grüne als auch eine digitale Komponente beinhalten, könnten in den kommenden Jahren gut abschneiden, da sie einige der stärksten Wachstumsmodelle der Welt unterstützen (mehr über diese konjunkturelle Entwicklung erfahren Sie in unserem kürzlich veröffentlichten Blog-Beitrag „Konjunkturelle Erholung 2.0: Grün und digital“). Als ein entscheidender Wegbereiter der aktuellen Konjunkturbelebung könnten Halbleiter von mehreren Trends profitieren:
  • Vermehrte Produktion von Elektrofahrzeugen: Elektrofahrzeuge enthalten dreimal mehr Halbleiter als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. In selbstfahrenden Autos (ein möglicher Trend auf extrem lange Sicht) sind überdies noch mehr Mikroprozessoren eingebaut.
  • 5G: Geräte, die für die 5G-Kommunikation konzipiert sind, beinhalten in der Regel zwei- bis dreimal so viele Halbleiter wie entsprechende 4G-Geräte.
  • Robotisierung und das „Internet der Dinge“: Die Automatisierung vieler Aufgaben über digitale Netzwerke setzt eine stärkere Nutzung von Halbleitern voraus.
  • Energieeffizienz: Umweltfreundlichere Produktionsprozesse erfordern umweltfreundlichere Systeme, die mehr und bessere Chips benötigen, um die Spannung zu regulieren und Strom zu sparen.

Festzuhalten ist, dass ein umweltbewusstes Verhalten nicht bloß Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit ist – sondern überdies aussichtsreiche Anlagechancen bergen könnte.

Weitere Informationen zu nachhaltigen Anlagen mit Fokus auf Aspekte von Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung (ESG) finden Sie auf der ESG-Seite von PIMCO sowie in unserer kurzen Abhandlung zu grünen, sozialen und nachhaltigen Anleihen.

Geraldine Sundstrom ist Managing Director und Portfoliomanagerin mit Schwerpunkt auf Strategien der Asset-Allokation und verfasst regelmäßig Beiträge für den PIMCO Blog.

Autor

Geraldine Sundstrom

Head of Asset Allocation EMEA

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