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Könnten die Spannungen in den Handelsbeziehungen die US‑Konjunktur beeinträchtigen?

Alles in allem sind wir der Meinung, dass die jüngsten Maßnahmen und Vorschläge zur Handelspolitik der US-Regierung ein Negativrisiko für den US-Konjunkturausblick über den zyklischen Zeithorizont (sechs bis zwölf Monate) darstellen, während die längerfristigen Auswirkungen weniger gewiss sind.

Schon vor Donald Trumps Amtseinführung haben wir die Ansicht vertreten, dass sich die Handelspolitik unter Umständen negativ auf die ansonsten wachstumsfreundliche Wirtschaftsagenda des US-Präsidenten auswirken wird. Die Entwicklungen des"Sommers der Unzufriedenheit" haben uns in unserer Meinung, die wir bereits zum Jahreswechsel vertreten hatten, nur noch bestärkt, wonach die Handelspolitik dieses Jahr abermals eines der größten politischen Risiken für die Märkte und die Wirtschaft darstellen wird.

Neben den Anfang dieses Jahres eingeführten Zöllen auf Stahl, Aluminium, Waschmaschinen und Solarmodule erhob die US-Regierung kürzlich Zölle in Höhe von 25% auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden US-Dollar. Ferner wird mit weiteren Zöllen auf Einfuhren im Wert von 16 Milliarden US-Dollar in den kommenden Wochen gerechnet. Die US-Regierung erwägt zudem, ab September Zölle in Höhe von bis zu 25% auf chinesische Waren im Wert von weiteren 200 Milliarden US-Dollar zu erheben (zum Beispiel für Kühlschränke, elektrische Bauteile und Meeresfrüchte), wobei sie zusätzliche Zölle androht, sollte China abermals mit Vergeltungszöllen reagieren.

Was wird auf handelspolitischer Ebene geschehen?

Da keine hochrangigen Verhandlungen mit China geplant sind, gehen wir davon aus, dass sich die Handelsbeziehungen zu China vorerst womöglich verschlechtern werden, bevor sich dies wieder umkehrt. Ein Kompromiss zur Vermeidung von Vergeltungszöllen dürfte schwer zu finden sein, da die USA wohl mehr benötigen dürften als bloß eine Zusage seitens China, mehr US-Waren kaufen zu wollen. Unseres Erachtens müsste eine Einigung zwischen den beiden Ländern Zugeständnisse in den Bereichen Marktzugang und erzwungener Technologietransfer umfassen. Jedoch ist es unwahrscheinlich, dass China dem zustimmt, da der Zugang zu fortschrittlichen Technologien ein Schlüsselelement seines industriepolitischen Aktionsplans "Made in China 2025" ist.

Darüber hinaus glauben wir, dass trotz der jüngsten Annäherung (und Umarmung!) zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach wie vor die Möglichkeit besteht, dass die US-Regierung an ihren Zöllen auf Autos und Autoteile, jene aus Europa eingeschlossen, festhält. Und wieso? Erstens prüft die US-Regierung immer noch die Einfuhrzölle auf Autos und Autoteile. Dies dürfte Ende des Monats aber abgeschlossen sein und es der US-Regierung ermöglichen, Zölle zu erheben. Zweitens erkennen wir mehrere potenzielle Stolperfallen für die Verhandlungen mit der EU, einschließlich des schwelenden Konflikts in Bezug auf die Landwirtschaft, ein immerwährender Knackpunkt für beide Parteien, und der Tatsache, dass Kommissionspräsident Juncker die 28 Mitgliedstaaten der EU nicht wirklich zwingen kann, den Verhandlungsbedingungen zuzustimmen (zum Beispiel versprach Kommissionspräsident Juncker US-Präsident Trump, dass die EU mehr Sojabohnen aus den USA importieren würde, obschon er eigentlich nicht in der Position ist, dies auch zu bewirken).

Auch wenn die Beschaffenheit und das Ausmaß der möglichen Zölle auf Autos und Autoteile – sowie etwaige länderbezogene Ausnahmen – ungewiss bleiben: Sollten sie weiterhin im Raum stehen, dürften ihre wirtschaftlichen Folgen unserer Meinung nach nichtsdestotrotz beachtlich sein.

Die langfristigen Auswirkungen der chinesischen Zölle lassen sich nur schwer abschätzen.

Die direkten wirtschaftlichen Folgen der geplanten Zölle in Höhe von 25% auf weitere chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden US-Dollar, neben den bereits angekündigten Zöllen in Höhe von 25% auf chinesische Waren im Wert von 50 Milliarden US-Dollar, könnten im Laufe des nächsten Jahres unseres Erachtens rund 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte zum US-Gesamt-VPI (Verbraucherpreisindex) beitragen und das reale BIP-Wachstum um etwas mehr als das schmälern.

Die Beurteilung der Folgen für die Wirtschaft (abgesehen von den direkten Auswirkungen) wird durch die Ungewissheit in Bezug auf mögliche Vergeltungszölle erschwert. Da die USA lediglich Waren im Wert von rund 130 Milliarden US-Dollar pro Jahr nach China exportieren, wäre China gezwungen, im Gegenzug höhere Zölle oder zollunabhängige Maßnahmen (zum Beispiel Anlagebeschränkungen, Verkauf von US-Anlagen oder Währungsabwertung) zu verhängen, sollte es angehalten sein, weiterhin dementsprechend zu reagieren. Seit April gab der chinesische Yuan gegenüber dem US-Dollar um knapp 9% nach, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit von US-Waren verringert und, bis zu einem gewissen Grad, die Auswirkungen der Zölle auf die chinesische und die US-Wirtschaft aufgewogen wurden.

Die Zölle auf Autos dürften den Anstieg der Inflation begünstigen, jedoch gibt es keine klaren Sieger.

Mit Blick auf das kommende Jahr dürften die direkten Folgen der Zölle in Höhe von 25% auf sämtliche Autos und Autoteile, sofern ihre Einführung umgesetzt wird, unseres Erachtens zwischen 0,3 und 0,5 Prozentpunkte zum Gesamt-VPI beitragen, während das reale BIP um etwa denselben Prozentwert geschmälert werden dürfte. Diese Prognose berücksichtigt jedoch nicht den etwaigen Wirtschaftsabschwung durch Vergeltungsmaßnahmen der Handelspartner.

In der Regel schaffen handelspolitische Maßnahmen Gewinner (inländische Hersteller von Waren, die von den höheren Einfuhrzöllen betroffen sind) und Verlierer (Haushalte oder Unternehmen, die höhere Preise zahlen müssen). In diesem Fall lässt sich jedoch schwer sagen, wer im Endeffekt gewinnt. Inländische Autohersteller, die von steigenden Preisen profitieren dürften, beziehen einen nicht zu vernachlässigenden Teil ihrer Autoteile aus dem Ausland, weswegen höhere Inputpreise Gewinnsteigerungen vermutlich aufwiegen werden.

Die zunehmende Unsicherheit belastet die Wirtschaft

Wie sich die handelspolitischen Maßnahmen der US-Regierung letztlich auf die Wirtschaft auswirken werden, hängt auch davon ab, wie stark zukunftsorientiert die Unternehmen und Märkte weltweit reagieren werden. Beispielsweise fällt die kürzlich festgestellte zunehmende Unsicherheit (dargestellt durch den Baker, Bloom and Davis Global Economic Policy Uncertainty Index) historisch gesehen mit einer Abnahme der Unternehmensinvestitionen und einer höheren Risikoaversion an den Finanzmärkten zusammen. Häufiger durchgeführte Erhebungen zum US-Unternehmensvertrauen und die Daten des Einkaufsmanagerindex zum kurzfristigen Ausblick wiesen zuletzt ebenfalls auf eine geringfügige Verschlechterung hin. Jede Verlangsamung des globalen Wachstums könnte auch die US-Wirtschaft beeinflussen.

Wichtigste Schlussfolgerungen

Alles in allem sind wir der Meinung, dass die jüngsten Maßnahmen und Vorschläge zur Handelspolitik der US-Regierung ein Negativrisiko für den US-Konjunkturausblick über den zyklischen Zeithorizont (sechs bis zwölf Monate) darstellen, während die längerfristigen Auswirkungen weniger gewiss sind. Sollten diese Taktiken letztendlich zu einem freieren und faireren Handel führen, würde sich dies positiv auf die längerfristigen Wachstumsaussichten auswirken. Wir denken jedoch, dass die Erhebung von Importzöllen und die Tolerierung potenzieller kurzfristiger Störungen des Wirtschaftsgeschehens zur Sicherung längerfristigen Wirtschaftswachstums ein grundsätzlich riskantes Vorgehen sind. In den vergangenen 20 Jahren schritt die globale Integration von Unternehmenswertschöpfungsketten fort, wodurch die Stärke und Komplexität globaler wirtschaftlicher Verknüpfungen und potenzieller wirtschaftlicher Schocks im Falle einer Störung dieser Wertschöpfungsketten deutlich erhöht werden würden.

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Autor

Libby Cantrill

Executive Office, Public Policy

Tiffany Wilding

Volkswirtin Nordamerika

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