Blog

Rohstoffe: Die Erwartung eines chinesischen Konjunkturpakets könnte Unterstützung bieten

Die Markterwartungen in Bezug auf die Infrastrukturausgaben könnten den chinesischen Eisenerz- und Stahlpreisen weiterhin mehr Unterstützung bieten als den Basismetallen.

Anleger, die erwarten, dass der Handelskonflikt mit den USA bald zu weiteren positiven Impulsen aus Peking führen wird, könnten enttäuscht werden. Die Besorgnis über die Staatsschulden wird in unseren Augen den Spielraum für weitere Impulse begrenzen, es sei denn, das Wachstum wird durch den Handelskonflikt drastisch gebremst.

Die politischen Entscheidungsträger in China steuern seit einigen Monaten auf eine flexiblere Geldpolitik zu. So hat Chinas Zentralbank (People’s Bank of China, PBOC) ihren Mindestreservesatz (RRR) im Juli zum dritten Mal in diesem Jahr gesenkt. Dies zeigt, dass sie angesichts des anhaltenden Handelskonflikts zwischen den USA und China und schwächerer Konjunkturdaten eine Verlangsamung des Wachstums befürchtet.

Manche spekulieren, ob dies den Beginn einer Phase mit stärkeren Impulsen markiert, etwa in Form von höheren Ausgaben für Infrastrukturprojekte, die mit der Zeit zu höheren Rohstoffpreisen führen könnten. Dies spiegelt sich in höheren Preisen für Eisenerz und Stahl aus China wider, während die Weltmarktpreise für Zink, Kupfer und Aluminium auf oder im Bereich der tiefsten Stände seit Jahresbeginn sind.

Unterschiedliche Daten zu Immobilien und Infrastruktur

Infrastrukturausgaben und Immobilienverkäufe sind wichtige Kennzahlen für die Nachfrage nach Rohstoffen in China, zeichnen 2018 aber ein uneinheitliches Bild.

Die starke Nachfrage hat den Immobilienabsatz (in qm Fläche) in den ersten acht Monaten des Jahres 2018 nach Angaben des Amtes für Statistik der Volksrepublik China (National Bureau of Statistics, NBS) um solide 4,2% steigen lassen. Der Bau neuer Immobilien (Baubeginne in qm Fläche) nahm im selben Zeitraum um 15,9% zu.

Darüber hinaus waren die Baubeginne und der Absatz von Immobilien im laufenden Jahr bis August zwar sehr gut, jedoch haben wir Zweifel, ob die hohe Zahl der Baubeginne in den Vormonaten auch zu einer ebenso hohen Zahl von Fertigstellungen führt, denn zwischen den Trendlinien für begonnene und für fertiggestellte Bauprojekte stellen wir einen deutlichen Unterschied fest. Die fertiggestellten Immobilienbauprojekte (in qm Fläche) haben nach Angaben des NBS in den ersten acht Monaten des Jahres 2018 um rund 10% abgenommen.

Eine Erklärung ist, dass Umweltschutzmaßnahmen in Nordchina im Winter den Bau und die Fertigstellung verzögert haben. Eine weitere Erklärung ist, dass sich die Immobilienentwickler beeilt haben, im Bau befindliche Projekte zu registrieren, um die Vertriebs-Pipeline aufzubessern, ohne dass die Bauarbeiten letztlich auch begonnen wurden. In diesem Fall dürfte die Immobilienbautätigkeit im zweiten Halbjahr solide ausfallen.

Ausgehend von den Daten des NBS glauben wir, dass die Anlageinvestitionen in Infrastrukturprojekte in den ersten acht Monaten des Jahres nur um 0,7% gestiegen und im August im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahrs um 5,9% gesunken sind. Dies spiegelte den negativen Effekt wider, den die restriktiveren Kreditvergabebedingungen in China im ersten Halbjahr auf die Infrastrukturausgaben hatten. Die jüngsten Maßnahmen der PBOC zur Lockerung der Kreditvergaben müssen ihre Wirkung auf den Sektor erst noch entfalten, und ihr Effekt auf die reale Aktivität dürfte sich frühestens mit dem Beginn der Hochsaison im Baugewerbe im September oder Oktober zeigen.

Die geringe Zahl der Immobilienfertigstellungen und die schwachen Infrastrukturdaten in diesem Jahr erklären auch, warum die Nachfrage nach spätzyklischen Rohstoffen wie Kupfer, Aluminium und Zink zwar positiv ist, aber schwächer als erwartet. Falls sich die Daten im zweiten Halbjahr erholen, könnten wir ein kräftigeres Nachfragewachstum bei diesen Rohstoffen feststellen – sofern der Handelskonflikt nicht eskaliert. Wir glauben allerdings, dass eine etwaige Erholung der Infrastrukturbautätigkeit gedämpfter ausfallen wird als in den vergangenen Zyklen – wegen der festen Absicht der Regierung, die Verschuldung zu begrenzen.

Eisenerz und Stahl besser unterstützt

Die Zink-, Kupfer- und Aluminiumpreise an der London Metal Exchange (LME) sind aufgrund der unerwartet schwachen Nachfrage und des Handelskonflikts fast auf Jahrestiefstände gesunken. Die Eisenerz- und Stahlpreise in China haben sich indes besser entwickelt.

Deren Preisanstieg spiegelt die Erwartung wider, dass Peking weitere fiskalpolitische Impulse geben, die Infrastrukturausgaben erhöhen und die Beschränkungen für Wohnimmobilienkäufe potenziell lockern wird, falls das Wachstum in China aufgrund von inländischen und handelsbezogenen Faktoren nachgibt. Außerdem erwartet der Markt, dass aufgrund von Umweltschutzmaßnahmen im Winter das Stahlangebot durch Produktionskürzungen im vierten Quartal 2018 und im ersten Quartal 2019 sinken wird und es so die Preise für qualitativ höherwertigen Stahl und Eisenerz stützen dürfte.

Unserer Ansicht nach ist die Stahlnachfrage gegen eine Eskalation des Handelskonflikts aber nicht völlig immun, da eine solche Entwicklung die Entscheidungen über Investitionsausgaben beeinträchtigen würde, was wiederum die weltweite Stahlnachfrage dämpfen würde. Da wir erwarten, dass eine Entscheidung für weitere Impulse eher reaktiv ist, würde eine schwächere Marktstimmung die Preise wahrscheinlich kurzfristig drücken. Auch gleichen fiskalpolitische Impulse das schwächere Wachstum möglicherweise nicht völlig aus, dürften aber einen etwaigen Rückgang der Rohstoffnachfrage infolge des Handelskonflikts zwischen den USA und China nach unten hin begrenzen.

Anlageimplikationen

Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit sind wir gegenüber Emittenten aus dem Sektor Metalle und Bergbau zurückhaltend. Wir werden aber versuchen, uns wieder in diesem Sektor zu engagieren, wenn sich Möglichkeiten dazu ergeben, etwa wenn sich die Spreads weiter ausweiten, weil die negative Konjunkturentwicklung eine weitere Lockerung der Geldpolitik auslösen könnte. Derzeit bevorzugen wir Emittenten aus dem Sektor Metalle und Bergbau, die die Schulden in ihren Bilanzen reduziert haben. Wir glauben, dass die Spreads nicht attraktiv genug sind, um für Anlagen in höher verschuldeten Emittenten zu entschädigen, die zurückbleiben könnten, falls der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskaliert und die Rohstoffpreise spürbar nachgeben.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Abonnieren Sie den PIMCO-Blog, um aktuelle Beiträge zu erhalten.

JETZT ABONNIEREN

Der Autor

Emily Y. Au-Yeung

Credit-Analystin

Profil anzeigen

Latest Insights

ÄHNLICHE ARTIKEL

Rechtliche Hinweise

Rohstoffe sind mit erhöhten Risiken verbunden, darunter Markt- und politischen Risiken, dem Regulierungsrisiko sowie Risiken hinsichtlich Witterung, Abbaubedingungen usw., sodass sie unter Umständen nicht für alle Anleger geeignet sind. Es wird keinerlei Gewähr dafür übernommen, dass die angegebenen Anlagestrategien in jedem Marktumfeld erfolgreich durchsetzbar sind und sich für jeden Anleger eignen. Investoren sollten daher ihre Möglichkeiten eines langfristigen Engagements insbesondere in Phasen rückläufiger Märkte überprüfen. Anleger sollten vor einer Anlageentscheidung ihren Anlageexperten konsultieren.